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Trimm-dich-Pfad für die Seele

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Von: Petra Holthusen

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Die Station „Wasser“ auf dem Poesiepillenpfad von Pille Hillebrand
Die Station „Wasser“ auf dem Poesiepillenpfad von Pille Hillebrand hat einen neuen Standort am Wümme-Mittelarm erhalten. © Holthusen

Fischerhude – Nach oben wandernde Mundwinkel und zunehmende Leichtigkeit in der Herzgegend infolge eines erhöhten Glückshormonspiegels treten sehr häufig auf, bei höherer Dosierung gelegentlich auch lautes Lachen in freier Natur und sichtlich beschwingter Gang. Exakt diese Nebenwirkungen sind erwünscht beim Laufen, Lesen und Lächeln auf dem Poesiepillenpfad in Fischerhude, den Wegbereiterin Pille Hillebrand als „Trimm-dich-Pfad für die Seele“ bezeichnet.

Poesiepillen nennen sich die zumeist kurzen Gedichte der freiberuflichen Autorin, die eigentlich Elke heißt, aber ihren Spitznamen Pille aus Teenagertagen als Ruf- und Künstlernamen beibehalten hat. Zehn ihrer kleinen Kunstwerke aus Wörtern stehen seit dem vorigen Sommer in Holz gerahmt an malerischen Orten in Fischerhude und Quelkhorn. Feine Verse über Facetten des Menschseins und die Magie der Natur – mal melancholisch, mal augenzwinkernd, immer gefühlvoll und pointiert – laden zum Stehenbleiben und Auftanken ein. Die Poesiepillen kann man sich wahlweise lesend oder hörend einverleiben: Mithilfe des an jeder Station angebrachten QR-Codes lässt sich via Smartphone die Verbindung zu Pille Hillebrands Homepage herstellen und die Audiodatei des jeweiligen – von ihr selbst vorgelesenen – Gedichts abspielen.

Ob gelesen oder gehört: Die Verse, die leicht fließen, aber tief gehen, sollen Menschen in bedrückenden Zeiten wie diesen „ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, sagt Pille Hillebrand. Sie liebt „den Rhythmus von verdichteter Sprache, die Ästhetik und die Melodie“. Die Inhaltsstoffe der Poesiepillen wirken. Nicht nur im Ort erhält die Autorin Resonanz; sogar Fischerhude-Besucher aus Süddeutschland haben ihr nach der Entdeckung des Poesiepillenpfads begeistert geschrieben. Und ein Herr aus Norddeutschland war von dem „Seelenzwilling“ („...du fühlst dich an wie meine Seele in einer anderen Haut“) so inspiriert, dass er das Gedicht ins Plattdeutsche übersetzte. Was wiederum Pille Hillebrand berührte. Diese Version will sie unbedingt auch veröffentlichen, sagt sie. Vielleicht in ihrem „Poesiepillenalbum“, an dem die 55-Jährige gerade arbeitet.

Den Poesiepillenpfad verwirklichte die Fischerhuderin zusammen mit Mediengestalter Henning Tesch und Tischler Lennart Medebach sowie mit finanzieller Förderung durch den Landschaftsverband Stade aus Mitteln des Landes Niedersachsen. Die Standorte stellte die Gemeinde Ottersberg auf öffentlichem Grund zur Verfügung. Die Idee kam der Sprachwissenschaftlerin und früheren Fernsehredakteurin, die seit Langem freiberuflich als Lyrikerin und Songtexterin unter anderem für Sarah Connor tätig ist, im zweiten Lockdown. In dieser trostlosen Zeit wollte sie coronakonform „etwas Schönes in die Welt bringen, ein bisschen Leichtigkeit, ein Gegengewicht zu Schwere und Sorge“, schildert Pille Hillebrand. „Poesie kann einen so aufladen“, sagt die Fischerhuderin. Vor allem wenn sie nicht nur den Intellekt, sondern das Herz anspreche.

So wie „Ein Lächeln“ im Garten des Heimathauses Irmintraut, der ersten Station, oder „Der alte Baum“, der in Quelkhorn an der Straße An der Weide wartet. Mit der neuen Station am Quelkhorner Moor, wo das gleichnamige Gedicht in wenigen Worten den ganzen Zauber dieser einzigartigen Landschaft einfängt, bietet der Poesiepillenpfad inzwischen elf Anlaufpunkte, die sowieso schon jeder für sich ein schönes Fleckchen Erde sind. Leider wirken die Poesiepillen nicht auf alle Menschen stimmungsaufhellend: Die Station am Hinrich-Schloen-Weg am Wümme-Nordarm wurde umgetreten, so Pille Hillebrand, und deshalb versetzt an den Diedrich-Speckmann-Weg am Mittelarm, dort wo die Brücke Richtung Krummer Ort in den Fischerhuder Dorfkern führt. Hier wartet mit malerischem Blick auf die Wümme das Gedicht „Wasser“ – eine Liebeserklärung an das Element des Lebens, dessen wir uns gerade selbst zu berauben drohen.

Alle Stationen des Poesiepillenpfads sind auf der Website www.pillehillebrand.de beschrieben, allerdings noch nicht in der neuesten Fassung. Geplant ist auch eine Verlinkung mit der Homepage der Gemeinde Ottersberg, außerdem zur besseren Orientierung eine Gesamtkarte mit allen Stationen, die sich Poesiepillenpfadfinder ausdrucken oder unterwegs auf dem Handy aufrufen können.

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