Fischerhuder Otto-Modersohn-Museum zeigt Gemälde aus Worpsweder Jahren des Malers

„Das kleinste Stückchen mit Innigkeit“

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Bilder und Zeichnungen aus Otto Modersohns Worpsweder Jahren von 1890 bis 1895 zeigt das Fischerhuder Modersohn-Museum in der neuen Sonderausstellung.

Fischerhude - 150 Jahre alt wäre der große Landschaftsmaler Otto Modersohn in diesem Jahr geworden. Anlass für die Gesellschaft-Otto-Modersohn-Museum, die Phasen seines künstlerischen Werdens und Wirkens in Sonderausstellungen zu würdigen. Nach der Präsentation des Frühwerks im vorigen Jahr wurde am Wochenende die nächste Sonderausstellung im Otto-Modersohn-Museum in Fischerhude eröffnet: „Otto Modersohn: Worpswede 1890-1895 – Vom Aufbruch zum Durchbruch“ ist bis zum 30. Dezember täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

Zur Vernissage fand sich ein zahlreiches Publikum ein. Nach Kammermusik zum Auftakt und der Begrüßung durch Hausherrin Antje Modersohn ergriff Prof. Clemens Bonnen, Vorsitzender der Gesellschaft-Otto-Modersohn-Museum, das Wort: Spannend sei es, die Wurzeln im westfälischen Frühwerk mit den nächsten Schritten in der künstlerischen Entwicklung Otto Modersohns zu vergleichen, die ohne die ergreifende Erfahrung der Landschaft Worpswedes wohl nicht denkbar gewesen wären.

Im Winter 1894/95 entstanden acht großformatige Bilder, mit denen Otto Modersohn die erste Ausstellung der „Worpsweder“ in der Bremer Kunsthalle beschickte und anschließend im Münchener Glaspalast einen überraschenden Erfolg errang. Über Nacht wurde er zu einem der bekanntesten deutschen Maler seiner Zeit. Drei dieser Winterbilder sind in der Geburtstagsausstellung zu sehen. Die anderen fünf gelten als verschollen, wurden möglicherweise im Krieg zerstört. Atelierfotos der verschollenen Bilder, die Hans Müller-Brauel 1895 im Atelier Modersohns aufnahm, wurden auf Tafeln vergrößert und zwischen die Gemälde gehängt. Zum eigenen Bestand des Fischerhuder Museums gehört als einziges der acht in München gezeigten Worpsweder Winterbilder Modersohns das Gemälde „Dämmerstunde“, das der Otto-Modersohn-Stiftung vor zwei Jahren zugänglich wurde. Es zeigt eine Moorhütte mit alter Frau und Katze unter Birken vor einem rotglühenden Abendhimmel. Die Gesellschaft, so berichtete Bonnen, konnte das Bild aus eigenen Mitteln erwerben. Ein anderes erfolgreiches Bild aus der Münchener Ausstellung ist das großformatige „Herbst im Moor“, eine Leihgabe der Kunsthalle Bremen für die Fischerhuder Schau.

Kunsthistoriker Prof. Dr. Erich Franz aus Münster führte anschließend in die Ausstellung ein und brachte den Gästen das Werk Otto Modersohns aus der dokumentierten Schaffensperiode nahe. Er verdeutlichte die Leidenschaft und die Demut vor der Natur, mit der der damalige Worpsweder Otto Modersohn in seiner Kunst zu Werke ging. Er malte die Landschaft nicht nur, er empfand sie mit allen Sinnen. Aber sein künstlerischer Weg war kein leichter: „Sein ganzes Leben lang arbeitete Otto Modersohn an dem Zusammenschluss zwischen eigentlich Unvereinbarem: Einerseits wollte er ,die Natur in ihrer Einfachheit mit möglichster Objektivität schildern ohne Zutaten’ und andererseits wollte er ,die Natur subjektiv sehen’, sie ,beseelen’“, erläuterte Prof. Franz. „Wie um sich selber zu vergewissern, schrieb Modersohn immer wieder seine Ideale auf: ,Ich will lieber das kleinste Stückchen mit Innigkeit schildern, als das größte salopp. … Mit wenigem – viel sagen.’ Meine Damen und Herren: In der Ausstellung können Sie sich überzeugen: Es ist ihm gelungen“, schloss Prof. Franz.

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