Ottersberger Kunstpreis: Ausstellung von Elianna Renner und Lydia Radzuweit eröffnet

Fischerhuder liefern Rohstoffe für Kunst

Eine von zwei Installationen plus (v.li.) Ausstellungs-Organisatorin Marlies Meyer, Elianna Renner und Lydia Radzuweit, Dr. Annett Reckert und Martin Voßwinkel.
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Eine von zwei Installationen plus (v.li.) Ausstellungs-Organisatorin Marlies Meyer, Elianna Renner und Lydia Radzuweit, Dr. Annett Reckert und Martin Voßwinkel.

Fischerhude – Der rätselhaft klingende Ausstellungstitel „2 : 3000“ steht für die zwei beteiligten Künstlerinnen und die rund 3000 Einwohnerinnen und Einwohner Fischerhudes. Einige von diesen lieferten Elianna Renner und Lydia Radzuweit die Objekte zu einer Installation samt Video über die Umsetzung des Vorhabens. Die zwei Künstlerinnen waren mit dem Ottersberger Kunstpreis des Jahres 2019 beziehungsweise dem Nachwuchs-Förderpreis 2019 ausgezeichnet worden. Die dazugehörige, schon für 2020 geplante eigene Ausstellung wurde vor einem Jahr coronabedingt abgesagt. Sie ist erst jetzt auf den verschiedenen Ebenen des Buthmanns Hofs zu sehen. Das erwähnte Gemeinschaftsprojekt, aber auch Einzelwerke der Beiden gehören dazu.

Ottersbergs Bürgermeister Tim Willy Weber begrüßte zur Eröffnung im unteren Saal neben den Preisträgerinnen und etlichen kunstinteressierten Besuchern auch Dr. Annett Reckert von der Kunsthalle Bremen, die die ausgestellten Werke dem Publikum etwas näher brachte.

Es handele sich bei den Künstlerinnen um „umtriebige und sehr reflektierte Projektemacherinnen“, stellte Reckert zunächst fest.

Multitasking-Fähigkeiten stellten die 1977 in der Schweiz geborene Elianna Renner und die jetzt 27-jährige, aus Herdecke in Nordrhein-Westfalen stammende Lydia Radzuweit ebenfalls zurzeit unter Beweis, denn beide zögen gerade kleine Kinder groß, merkte die Rednerin an. Elianna Renner absolvierte ein Studium an der Hochschule für Künste Bremen, bildete sich im neuseeländischen Auckland sowie in Genf künstlerisch weiter und war in vielen anderen Ländern der Erde unterwegs. Lydia Radzuweit studierte an der Ottersberger Hochschule für Kunst im Sozialen und errang auch dort vor Jahren einen Preis für eines ihrer Werke.

Grundlage des 2 : 3000-Projekts waren vier ausgewählte Bilder der Fischerhuder Malerlegenden Olga Bontjes van Beek, Heinrich Breling, Emma Eibler und Otto Modersohn. Ortsansässige wurden eingeladen, einige dargestellte Gegenstände, die sie auch noch bei sich zu Hause hatten, für die Dauer der Ausstellung zu spenden. Jedes Objekt wurde katalogisiert und in einer neuen Ordnung als Installation aufgestellt. Das dazugehörige 90-minütige Video dokumentiert im Dauer-Durchlauf „den performativen Arbeitsvorgang“, wie am Eingang zum oberen Ausstellungsraum zu lesen ist.

„Sie haben die Chance gemeinsamer künstlerischer Tätigkeit genutzt“, befand Dr. Annett Reckert. Da Fischerhude als Künstlerort bekannt ist, lag es offenbar nahe, dort Wohnende beim Schaffen eines neuen Kunstwerks zu beteiligen. Unter anderem hätte jemand „sogar eine Staffelei angeschleppt“, berichtete sie.

Besonders wies die Gastrednerin auch auf Arbeiten in der Einzelausstellung hin. Elianna Renner präsentiere etwa eine Sammlung nostalgisch erscheinender Fotos mit Motiven aus Europa und Lateinamerika. Besonderes Kennzeichen der Aufnahmen: ihre Unschärfe – ein Kontrast zur „überbrillanten“ heutigen Welt mit oft allzu glatten Bildschirm-Oberflächen. Renner-Fotos zu „Urban Laundry“ entstanden unter anderem in Brasilien, Chile und Israel.

Von Lydia Radzuweit stammt eine großformatige Wandarbeit zum Thema Arbeit mit dem Titel „Zu viele Stunden in zwei Monaten“. Verschiedenfarbige Balken stehen für verschiedene Tätigkeiten und deren Dauer, wobei Betreuungszeiten für die Tochter natürlich mit eingearbeitet sind.

Den mit 1300 Euro dotierten Ottersberger Nachwuchs-Förderpreis bekam die junge Künstlerin für ein Werk, in dem sie über 13 000 Chatverläufe mit ihrem Freund schriftlich auf Kärtchen übertragen und diese chronologisch in Holzkästchen einsortiert hatte. Elianna Renner, die auch schon in Frankfurt, Berlin und natürlich Bremen ausstellte, erhielt 2019 den mit 4000 Euro dotierten Ottersberger Kunstpreis für eine bunt bestickte Eselsfigur mit symbolischen Botschaften für das Erinnern und gegen das Verdrängen.

Bürgermeister Weber, eigentlich ein großer Freund der Landschaftsmalerei, dankte der Kunstexpertin aus Bremen dafür, dass sie ihm mit ihren Ausführungen auch Zugang zu den jetzt im Buthmanns Hof präsentierten Werken eröffnet habe. „Gehen Sie hin, schauen Sie sich alles genau an“, forderte er abschließend alle zum Besuch der Ausstellung auf. Die ist noch bis zum 28. November zu sehen, donnerstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr.

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