Spendenwelle für Fischerhuder Initiative

Hilflose Körper im Gras: Neue Drohnen helfen bei Kitzrettung

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Dieses Kitz wurde vor dem Mähwerk gerettet.

Leise surrend werden die beiden „Yuneec Typhoons“ im April über Fischerhuder Wiesen fliegen. Etwa 15 Meter hoch und rund 40 Stundenkilometer flott. An den Hexacoptern sind Wärmebildkameras befestigt, die aus der Luft das hüfthohe Grün am Boden systematisch abfilmen. Das Farbenspiel verfolgen die Drohnenpiloten Sarah Meyer und Bernd Heitmann im Display der Steuerungsgeräte. Leuchtet ein Fleck in Rot, wissen sie: An der Stelle liegt ein warmer kleiner Körper – höchstwahrscheinlich ein im hohen Gras verstecktes Rehkitz, das jetzt vor dem Mähdrescher in Sicherheit gebracht werden kann.

Fischerhude - Drei Kitze konnten Sarah Meyer und ihr Mann Thorsten voriges Frühjahr, als sie vor der ersten Mahd noch zu Fuß und mit bloßem Auge das Grün durchstreiften, vor dem grausigen Ende im Mähwerk bewahren. Dieses Jahr hofft die Fischerhuderin, viel mehr Tiere retten zu können – mit High-Tech-Hilfe aus der Luft: „Mit einer Drohne kann man zehn Hektar in einer Stunde absuchen – zu Fuß haben wir nicht mal einen geschafft.“ Und Sarah Meyers Initiative „Rehkitzrettung Fischerhude“ hat sogar zwei Drohnen – dank einer ungeahnten Spendenwelle: „Dafür bin ich soooo dankbar!“

Vorigen August hatte sie angefangen, im Ort um Geldspenden zu werben für technisches Equipment, um die Rehkitzrettung professioneller und effektiver zu machen – eine Herzensangelegenheit. An die 3000 Euro kostet eine über Satelliten gesteuerte Drohne mit Kamera, und Sarah Meyer traute sich kaum, auf so viel Geld zu hoffen. Aber die Resonanz war überwältigend: Privatleute, Unternehmer, Landwirte und Jäger spendeten großzügig. Euro um Euro brachte dazu ihr SB-Stand am Modersohn-Museum ein, an dem Sarah Meyer hofeigenen Pferdemist als Blumendünger an Touristen verkauft. Insgesamt mehr als 5500 Euro hat sie bis heute in ihrem Spendenbuch notiert.

Mit ihrer Überzeugungskraft erzielte sie dazu beste Preise beim Technikhändler – und jetzt stehen sogar zwei Drohnen mit guten Kameras und bislang 18 Akkus einsatzbereit auf dem Hof. Da eine Akkuladung für knapp 20 Minuten reicht, können die beiden Drohnen mit den 18 Akkus drei Stunden lang fliegen. Zu kurz für Sarah Meyer: Mit weiteren Spenden plant sie den Kauf weiterer Akkus.

Zwei Drohnen dieses Typs mit Wärmebildkamera können Bernd Heitmann und Sarah Meyer an den ersten Mähtagen im April zum Aufspüren und Retten von Rehkitzen in den Fischerhuder Wiesen einsetzen. 

Wetterbedingt werden alle für Heu und Grassilage bewirtschafteten Grünflächen im April fast gleichzeitig gemäht. Also haben die Retter der zu dieser Zeit im Grün geborenen Rehkitze nur ein kleines Zeitfenster von drei, vier Tagen, das sie bestmöglich zu nutzen gedenken: Sechs Stunden wollen Sarah Meyer und der Otterstedter Drohnenpilot Bernd Heitmann, der sich ihrem Projekt angeschlossen hat („Hier werden Drohnen hilfreich für einen sehr guten Zweck eingesetzt!“), an diesen Tagen fliegen – von morgens halb vier bis gegen halb zehn. In dieser Zeit können sie 100 Hektar absuchen: „Das ist unglaublich im Vergleich zur altmodischen Absuche zu Fuß“, sagt Sarah Meyer. Alle Fischerhuder Wiesen können sie dennoch nicht schaffen – als erstes sind die dran, auf denen jedes Jahr bekanntermaßen Ricken stehen und auf versteckte Kitze in der Nähe schließen lassen.

Drohnenpiloten spüren Kitze auf

Haben die Drohnenpiloten ein Kitz aufgespürt, lotsen sie ihre Helfer an die Stelle, um das Tier mit einer Schutzvorrichtung einzukesseln: Ganz kleinen Kitzen wird ein Wäschekorb übergestülpt, beschwert und mit Wimpelstangen sichtbar gemacht für die Mäher, die diese Stelle dann umkurven können. Mehrere Wochen alte Kitze werden bis nach dem Mähen in einem mobilen Plastikzaun eingesperrt. Die Schutzvorrichtungen hat Sarah Meyer selbst konstruiert.

Rettungsboxen für aufgespürte Rehkitze: Mäher können sie auf der Wiese umkurven.

Freiwillige Helfer hat sie schon an ihrem Stand beim Weihnachtsmarkt gefunden – weitere sind willkommen. Mindestens drei Helfer braucht jeder Drohnenpilot im Einsatz. In Verbindung werden Piloten und Helfer über Funk stehen – vier ausrangierte Geräte hat die Autobahnmeisterei der Mission Rehkitzrettung dafür geschenkt. Teambildung, Art und Weise der Sicherung der Kitze und der Umgang mit den Funkgeräten sollen beim Infonachmittag am 31. März mit interessierten Helfern in Ruhe vorbesprochen werden.

Für das Überfliegen der Flächen hat Sarah Meyer nicht nur von den Grundeigentümern die Erlaubnis eingeholt, sondern auch eine Sondergenehmigung der Naturschutzbehörde beim Landkreis. Die habe großes Interesse an dem Drohneneinsatz, erzählt Sarah Meyer, „denn wir melden der Behörde auch größere Nester von seltenen Brachvögeln, die wir auf den Wiesen entdecken“.

Infoveranstaltung für Spender und Helfer:

Für Sonntag, 31. März, um 15 Uhr lädt die „Initiative Rehkitzrettung“ auf dem Hof Meyer in der Bredenau 101 in Fischerhude alle Spender, Helfer und weitere Interessierte zu einer Informationsveranstaltung ein. Dabei sollen die angeschafften Drohnen im Flug vorgeführt und und der Ablauf der Rehkitzsuche per Drohne mit den freiwilligen Helfern besprochen werden. Dazu gibt’s Kaffee, Kuchen und Spielangebote für die Kinder. Wer sich vorab informieren oder das Projekt unterstützen möchte, erreicht Sarah Meyer unter Telefon 0170 / 3311992 und per E-Mail an: sarah_luedemann@web.de sowie über ihre Homepage www.rehkitzrettung-fischerhude.jimdosite.com. Das Spendenkonto für weitere technische Anschaffungen, insbesondere Akkus, läuft auf den Namen von Sarah Meyer, Verwendungszweck „Rehkitzrettung Fischerhude“, bei der Kreissparkasse Verden, IBAN: DE56 2915 2670 0020 3556 24.

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