Satzungsstreit im Ortskern spitzt sich zu 

Fischerhuder Feindseligkeiten

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Wie die Zukunft ortsbildprägender historischer Bausubstanz im Fischerhuder Ortskern geregelt werden soll, darüber herrscht Streit im Dorf, der teils in offene Feindseligkeit ausartet. Den Vorwurf, die Spaltung voranzutreiben, musste sich Ortsbürgermeister Wilfried Mittendorf in der Sitzung des Ortsrates Fischerhude am Montagabend gefallen lassen.

Fischerhude - Von Petra Holthusen. Einer findet einen Drohbrief vor der Haustür, andere werden auf der Straße geschnitten oder beim Bäcker angepöbelt. Feindseligkeit hat Einzug gehalten in Fischerhude, seit sich der Streit über bauliche Vorschriften für den Ortskern zuspitzt. 

Zu spüren bekam das Ortsbürgermeister Wilfried Mittendorf (FGBO) am Montagabend in der Sitzung des Fischerhuder Ortsrates, die mehr als 60 Bürger in Bellmanns Saal verfolgten. „Wilfried, du treibst die Spaltung im Dorf voran. Wie weit willst du noch gehen, um deine Ideologie von einer Erhaltungs- und Gestaltungssatzung durchzusetzen?“, fragte Zuhörer Carsten Puvogel, früher CDU-Ortspolitiker, jetzt Kreistagsabgeordneter, den Fischerhuder Bürgermeister am Ende. Kräftiger Beifall im Saal unterstrich, dass Puvogel auch anderen aus der Seele gesprochen hatte.

„Initiierter und organisierter Widerstand“

„Dafür zu sorgen, dass wieder Ruhe einkehrt im Dorf“, hatte zu Beginn ein Anwohner vom Krummen Ort den Ortsbürgermeister aufgefordert, der im übrigen von seinen Mitstreitern im Ortsrat so ziemlich allein im Wind stehen gelassen wurde. Die FGBO sei doch so sehr für Bürgerbeteiligung; wie er dann jetzt damit umgehe, dass 80 % der Betroffenen gegen eine Gestaltungssatzung seien, wollte die frühere CDU-Ortsratsfrau Ute Witgen von Mittendorf wissen und spielte damit auf die laufende Unterschriftensammlung für einen Einwohnerantrag an, der auf die politische Rücknahme besagter Satzung abzielt. „Das ist ein initiierter und organisierter Widerstand“, sprach Mittendorf der Initiative von Bürgern die Ernst- und Glaubhaftigkeit ab – und erntete dafür höhnische Lacher und Bemerkungen aus dem Publikum.

47 kritische Stellungnahmen

Über den Sachstand der von der politischen Mehrheit (FGBO, SPD, Grüne) beschlossenen und im Genehmigungsverfahren befindlichen beiden Satzungen, die dem Erhalt von Siedlungsstruktur und historischer Bausubstanz sowie einer der Historie angepassten Gestaltung künftiger Bauvorhaben im Fischerhuder Ortskern dienen sollen, informierte Ralf Schack, Bauamtsleiter der Gemeinde Ottersberg, den Ortsrat und die Zuhörer. 47 kritische Stellungnahmen von Privatleuten seien nach der öffentlichen Auslegung der geplanten Satzungen eingegangen, so Schack. Auch der Landkreis Verden als Bauordnungsbehörde habe erhebliche Bedenken, auch rechtlicher Natur, vor allem zur Erhaltungssatzung mitgeteilt. Zurzeit befänden sich alle Eingaben zur Sichtung und Auswertung beim beauftragten Planungsbüro Holland, das dazu Abwägungsvorschläge erarbeite. Im März/April kämen Einwendungen und Abwägungsvorschläge im Fischerhuder Ortsrat und in den Gremien der Gemeinde auf den Tisch – dann werde geguckt, „wie damit umgegangen werden soll“.

Architekt Tabery als Mittler vorgeschlagen

Schack geht davon aus, dass die Politik den nächsten Verfahrensschritt in Sachen Satzungen thematisch gemeinsam mit dem Einwohnerantrag aus Fischerhude bearbeitet, der bis dahin eingereicht und auf seine formale Zulässigkeit geprüft sein dürfte. Über 600 und damit mehr als genug Unterschriften haben die Initiatoren um den früheren SPD-Ortsbürgermeister Jochen Bertzbach dafür gesammelt. Der Einwohnerantrag, der die Rücknahme der Satzungen mit ihrem Bauvorschriftscharakter fordert und stattdessen eine Gestaltungsfibel als rechtsunverbindlichen Leitfaden für Bauherren, muss vom Gemeinderat behandelt werden.

„Konsensorientierte Maßnahme“

Einen Versuch, das Fischerhuder Dilemma zu lösen, unternahm im Ortsrat einzig Hans-Jörg Wilkens (SPD), wie Mittendorf maßgeblicher Motor und Verfechter der strittigen Satzungen. „Wir müssen aus diesem unerträglichen Konflikt für das Dorf herauskommen, Feindseligkeiten auflösen und Druck rausnehmen“, so Wilkens. Als „konsensorientierte Maßnahme“ bot er an, den Bremervörder Architekten Lothar Tabery als eine Art Mediator einzuladen und zusammen nach Sichtweisen abseits der beiden „Kampfpositionen“ zu suchen. Tabery hatte vor Jahren einen Vortrag zum Thema in Fischerhude gehalten und für eine Kombination aus Gestaltungsleitfaden, Satzung und Gestaltungsbeirat geworben.

Die Zielrichtung von Satzungs- und Fibelbefürwortern sei ja konsensfähig – „nicht konsensfähig ist das Mittel, dieses Ziel zu erreichen“, so Wilkens, der da mit Hilfe von Tabery auf Überzeugungsarbeit und Kompromisslösungen hofft, der allerdings von einer Satzung als „Schutznorm und einziger Einflussmöglichkeit der Gemeinde“ nicht abrücken will.

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