Fischerhuder Eltern setzen Lotsendienst am Zebrastreifen fort

„Da hat man schon Angst um seine Kinder“

Der Zebrastreifen auf der Landstraße in Fischerhude
+
Der Zebrastreifen auf der Landstraße in Fischerhude bietet Schulkindern eher trügerische Sicherheit. Deshalb setzt eine Elterninitiative ihren morgendlichen Lotsendienst auch nach den Herbstferien fort.

Fischerhude – Er soll den schwächsten Verkehrsteilnehmern Sicherheit bieten, aber das Gegenteil ist der Fall: Der Zebrastreifen im Fischerhuder Ortskern auf der Landstraße in Höhe Kirchstraße gilt als Gefahrenpunkt. Vor knapp zwei Jahren wurden hier drei Kinder von einem Auto erfasst und verletzt, und immer wieder wird von Beinahe-Unfällen infolge rücksichtsloser Autofahrer berichtet.

Ein solcher Beinahe-Unfall ereignete sich auch gleich am ersten Schultag nach den Sommerferien, als Johanna Becker mit ihren Kindern auf dem Weg zur Grundschule war. Auch andere Schulanfänger-Eltern hätten schnell festgestellt, dass der Zebrastreifen nicht nur schlecht beleuchtet sei, sondern „dass viele hier einfach durchfahren, auch wenn Kinder am Überweg stehen“, schildert Johanna Becker.

Zehn Eltern taten sich daraufhin zusammen und organisierten einen morgendlichen Lotsendienst. Der wird nach den bisherigen Erfahrungen der Mütter auf jeden Fall nach den Herbstferien fortgesetzt, bekräftigt Johanna Becker. Zumal ab dann noch morgendliche Dunkelheit dazukommt und das Gefahrenpotenzial erhöht. Die Polizei unterstützt die Elterninitiative punktuell.

Seit den Sommerferien postieren sich an Schultagen jeweils zwei Eltern von Fischerhuder Erst- und Zweitklässlern morgens von 7.25 bis 7.50 Uhr auf dem Bürgersteig beidseits des Zebrastreifens. In den Verkehr eingreifen, etwa mit Anhaltekellen, dürfen sie nicht. Aber sie sorgen durch ihre Präsenz in Warnwesten für erhöhte Aufmerksamkeit – und dafür, dass die Kinder erst über die Landstraße gehen, wenn die Autos tatsächlich stehen.

Die Notwendigkeit, am Zebrastreifen anzuhalten und wartenden Fußgängern vorschriftsmäßig Vorrang zu gewähren, sehen beileibe nicht alle Autofahrer, wie die Eltern feststellten. „Das ist schon zum Wundern“, drückt sich Johanna Becker milde aus. Trotz Blickkontakt mit den Lotsen am Fahrbahnrand „fahren manche einfach weiter“.

Ein Dutzend solcher Vorfälle haben die Eltern unter Angabe des jeweiligen Fahrzeugkennzeichens bei der Polizei zur Anzeige gebracht – in der Hoffnung, dass die Beamten den rücksichtslosen Verkehrsteilnehmern auf die Finger klopfen. Am Zebrastreifen nicht anzuhalten, ist kein Kavaliersdelikt: Hier haben laut Verkehrsrecht Fußgänger und schiebende Radfahrer absoluten Vorrang gegenüber dem fließenden Verkehr, der sich dem markierten Überweg zudem grundsätzlich mit mäßiger Geschwindigkeit zu nähern hat. Die Missachtung eines Fußgängers am Zebrastreifen wird mit einem Bußgeld und einem Punkt in der Verkehrssünderkartei geahndet.

30 Kinder aus den Wohngebieten rund um die Molkereistraße nutzen Johanna Becker zufolge den Zebrastreifen in Höhe Kirchstraße, um auf ihrem Weg zur Grundschule an der Wilhelmshauser Straße die Landstraße zu überqueren. Die sei gerade morgens durch den Berufs- und Lkw-Verkehr sehr stark befahren. Eine Fußgängerampel, die die Kinder bedarfsgerecht per Knopfdruck aktivieren könnten, wäre an dieser Stelle absolut angebracht, meinen die Fischerhuder Eltern. Das sehen auch die örtlichen Politiker so: Die Gemeinde hat deshalb bei der zuständigen Verkehrsbehörde des Landkreises Verden zumindest mal eine Ampel beantragt und inzwischen zusammen mit den Eltern auch Plakate aufgehängt, die auf Schulanfänger aufmerksam machen.

Bis auf Weiteres setzen die Mütter ihren Lotsendienst morgens fort, gerade mit Blick auf die kommende Jahreszeit. Dunkelheit in Kombination mit rücksichtslosen Fahrern: „Da hat man schon Angst um seine Kinder“, sagt Johanna Becker. Für Autofahrer wichtig zu wissen findet die Mutter, dass „die Kinder erst gehen, wenn ein Auto wirklich steht – so haben sie das gelernt“. Es mache also keinen Sinn, langsam auf den Zebrastreifen zuzurollen und den Kindern etwa per Lichthupe zu signalisieren, dass man ihnen Vorrang einräume. Das sei für sie nicht eindeutig und führe nur zu Verunsicherung und Missverständnissen – möglicherweise mit schlimmen Folgen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Aller-Weser-Klinik setzt ab Montag auf 2 G-Plus-Regelung

Aller-Weser-Klinik setzt ab Montag auf 2 G-Plus-Regelung

Aller-Weser-Klinik setzt ab Montag auf 2 G-Plus-Regelung
Verdener Weihnachtsmarkt:<br/>Nikolaus‘ Sessel gestohlen

Verdener Weihnachtsmarkt:
Nikolaus‘ Sessel gestohlen

Verdener Weihnachtsmarkt:
Nikolaus‘ Sessel gestohlen
Die großen Steuerzahler in Verden gewinnen in der Coronakrise

Die großen Steuerzahler in Verden gewinnen in der Coronakrise

Die großen Steuerzahler in Verden gewinnen in der Coronakrise
Steiler Aufstieg in der Thedinghauser Kommunalpolitik

Steiler Aufstieg in der Thedinghauser Kommunalpolitik

Steiler Aufstieg in der Thedinghauser Kommunalpolitik

Kommentare