„Fischerhude – Die Wümme und das Moor“ auf 76 sehenswerten Seiten

Bertzbachs Bilderbuch

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Die Wümme und das Moor bestimmten jahrhundertelang den Alltag in Fischerhude – und prägen seit 80 Jahren auch das Leben von Jochen Bertzbach.

Fischerhude - Von Petra Holthusen. „Jochen, das sind so schöne Bilder – kann man die nicht mal veröffentlichen?“ Nicht nur einmal hörte Altbürgermeister Bertzbach diese Bitte alteingesessener Fischerhuder nach seinen Vorträgen über die Geschichte des sogenannten Alten Dorfes an der Wümme. Bertzbach erhörte das Flehen – und jetzt liegt das „Bilderbuch“ mit dem Titel „Fischerhude – Die Wümme und das Moor“ druckfrisch vor. Auf 76 Seiten gibt es ein bisschen zu lesen, aber vor allem viel zu gucken. Besonders reizvoll sind die Fotografien aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts von Heuwagen, Torfstechern, badenden Kindern, Stakbooten und überschwemmten Wiesen, die Bertzbach für seinen Vortrag im Fischerhuder Archiv aufstöberte, digitalisierte und jetzt in seinem Buch veröffentlicht.

Jahrhundertelang prägte die Wümme mit ihren weit verzweigten Flussarmen das Leben und Arbeiten in Fischerhude, bescherte dem Dorf eine Insellage mit eigenem Wasserwegenetz und Bootsanlegern an jedem Hof – und begründete den Wohlstand durch reiche und Geld bringende Heuernten auf den Wümmewiesen. Ebenso prägend war das Quelkhorner Moor, in dem Torf gestochen und als kostbares Brennmaterial in die Stadt verkauft wurde.

Jochen Bertzbach (80) hat beides noch erlebt: Als Kind fuhr er auf dem Heuwagen mit und musste beim Torfgraben helfen. Sein Elternhaus stand in der Surheide an den Wümmewiesen, und als Kind sprang er in Badehose vor der Haustür vergnügt ins Hochwasser. Welche Not jedoch die Überflutungen brachten, erlebte er, der früh sein Herz an die Landwirtschaft hängte, das erste Mal ganz bewusst 1954, als vier Hochwasser innerhalb von drei Monaten die gesamte Ernte im Wümmegebiet vernichteten.

Die Wiesenwirtschaft so entscheidend verändert hatte die erste Wümme-Regulierung 1927. Der menschliche Eingriff in den Natur- und Wasserhaushalt erleichterte zwar die Arbeit, brachte aber immer häufiger Überschwemmungen. „1954 ging es um die Existenz der Landwirte und es wurden weitere Regulierungsmaßnahmen für die Wümme gefordert“, berichtet Bertzbach. Die Diskussion spaltete das Dorf in zwei Lager; es dauerte bis 1966, bis die Entscheidung für die Trockenwirtschaft gefallen war und die Regulierung des Südarms begann.

Dem Wümme-Nordarm blieb das erspart, denn „in den achtziger Jahren veränderte sich das Umweltbewusstsein“, so Bertzbach, „in Politik und Wasserwirtschaft setzte ein Umdenken ein.“ Die Unterschutzstellung der Wümmewiesen lief an. Heute ist die weitestgehend renaturierte Wümme als kostbares Ökosystem ein Vorranggewässer des Fließgewässerschutzes in Niedersachsen. Auch das Alte Dorf hat neuerdings statt einer Schleuse eine durchlässige Sohlgleite. Die Wümme, ihre Veränderungen und Entwicklungen und die Diskussionen darüber wirken nach wie vor in das Dorf hinein. „Fischerhude ist von der Wümme geprägt – bis heute“, sagt Bertzbach.

An den Diskussionen und Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte war der aktive Umweltschützer und langjährige frühere Ortsbürgermeister immer beteiligt. Er war vor 30 Jahren auch Motor der Renaturierung des Quelkhorner Moors, das ebenso Teil der dörflichen Geschichte ist – und heute ein Vorzeigeprojekt der Wiedervernässung zugunsten des Artenreichtums und des Klimaschutzes. Fünf Büchlein hat Bertzbach schon über Natur und Landschaft in und um Fischerhude veröffentlicht – sein „Bilderbuch“ über Wümme und Moor ist das sechste.

In 500-er Auflage frisch aus der Druckerei angeliefert, ist das Buch für 9 Euro zu haben in der Dorfbuchhandlung und in Brüning’s Scheune in Fischerhude, im Kaufhaus Hahnenfeld in Quelkhorn, in der Buchhandlung Froben in Ottersberg sowie direkt bei Jochen Bertzbach in Quelkhorn (Telefon 04293-7490).

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