Walle und Beeke ausgetrocknet

Pegelstände der Wümme so niedrig wie nie

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Trockengefallen ist zum ersten Mal seit über 220 Jahren der Hellweger Moorkanal, der sich kilometerlang durch Posthausens Moordörfer zieht, bevor er nördlich von Wümmingen in die Wümme mündet.

Fischerhude / Posthausen – Die Pegelstände der Wümme waren noch nie so niedrig. Das berichtet Carsten Puvogel, ehrenamtlicher Vorsteher des Gewässerunterhaltungsverbands Untere Wümme. „Wir brauchen mehr Regen. Das Grünland ist nicht mehr grün, sondern wegen der Trockenheit braun“, beobachtet der Fischerhuder Landwirt sorgenvoll den Wassermangel und den nach zwei extrem trockenen Sommern inzwischen historisch tiefen Pegelstand von Flüssen und Gräben in der Region.

„Im Jahr 2018 fiel an Regen nicht einmal die Hälfte des langjährigen Durchschnitts in Fischerhude“, sagt Puvogel, „die Wetterkapriolen sind schon erheblich.“ Läuft die Wümme bald trocken? „Das habe ich bislang noch nie erlebt, auch Generationen vor mir nicht“, so Puvogel. Aber schon im vorigen Jahr habe der Wasserpegel bei 28 Zentimetern gelegen – jetzt nur noch bei 20 Zentimetern – „und stellenweise noch darunter“, schätzt der Vorsteher des Wümmewasserbands, dessen Unterhaltungsgebiet sich über 30.000 Hektar in den Gemeinden Oyten, Ottersberg, Lilienthal und Grasberg sowie Teilen der Stadt Achim erstreckt.

Manche kleinere Flüsse, die die Wümme speisen, seien bereits versiegt oder führten kaum noch Wasser. „Die Walle, die im Bereich Campe in den Nordarm fließt, ist komplett trocken. Ich habe die Walle zwischen Otterstedt und Quelkhorn abgefahren – da ist kein Tropfen mehr drin“, schildert Puvogel. „Auch die Gräben in den Wümmewiesen sind trocken. Die Otterstedter Beeke ist ebenfalls leer. Von da bekommt die Wümme auch kein Wasser mehr, was aber für Flora, Fauna, Kleinstlebewesen und den Fischbestand existenziell ist“, so Puvogel.

Einen historisch niedrigen Pegelstand der Wümme verzeichnet der Wasserunterhaltungsverband. Die anhaltende Trockenheit mit ihren Auswirkungen auf Flora und Fauna gibt Anlass zur Sorge.

Der niedrige Pegelstand habe Auswirkungen nicht nur auf die Pflanzen- und Tierwelt, sondern auch auf die Arbeit des Wasserverbands. „Notwendige Unterhaltungsmaßnahmen, die wir unter dem Naturschutzaspekt nur in der Zeit zwischen 1. Juli und 1. März vornehmen dürfen, konnten und können wir gar nicht starten, weil das Wasser noch mehr verdunsten würde“, erklärt Carsten Puvogel – und hofft auf eine ergiebige Regenperiode.

Das war 1960: Dass der Hellweger Moorkanal die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen überschwemmte, ist Jahrzehnte her.

Zum ersten Mal seit über 220 Jahren trockengefallen ist auch der Hellweger Moorkanal in Posthausen, wie Anwohner Werner Wrede mit Sorge beobachtet. Als Kind hat der 71-Jährige noch in dem damals stattlichen Fließgewässer gebadet, das auch regelmäßig die angrenzenden Felder überschwemmte. An die letzte Überschwemmung kann sich Wrede noch dunkel erinnern, aber auch die liegt schon Jahrzehnte zurück. Jetzt gibt's nichts mehr zu entwässern für den Hellweger Moorkanal, der bei der Gründung der zehn Moordörfer Posthausens 1792 nach den Plänen von Moorkolonisator Findorff als Hauptentwässerungsgraben ausgebaut wurde. Der einst bedeutsame Kanal verläuft von Allerdorf kilometerlang parallel zur Landstraße nach Norden bis hinter Wümmingen und mündet nahe Everinghausen in die Wümme. Die Brücken über diesen und andere Kanäle des weitverzweigten Moorentwässerungssystems sind für die Hofeinfahrten in Posthausen charakteristisch. Die Zeiten, als das Moor noch nass war, sind jedoch lange vorbei, und jetzt auch die, in denen die Gräben noch Wasser führten.

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