Feinde und Lärm machen Nestbau madig

Ortsrat erörtert Maßnahmen gegen Krähenkolonien

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Die im Schwarm vorkommenden Krähen werden oft zur Belastung für Anwohner.

Ob im Hochzeitsgarten am Rathaus, am Postweg oder in der Nähe der Biogasanlage – Ottersberg hat ein Krähenproblem. Dass Handlungsbedarf besteht, weil die lärmenden, Kot hinterlassenden Vögel sich immer mehr ausbreiten, war zumindest Tenor auf der jüngsten Sitzung der Ortsrates Ottersberg am Mittwochabend.

Ottersberg - Das Problem: Einige Rabenarten, wie Saatkrähen und Dohlen, stehen unter Naturschutz. „Man muss sich an die Schutzregeln halten. Auf die Vögel zu schießen, ist verboten, aber vergrämen darf man sie“, erläuterte Eckhard Bruns, stellvertretender Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales in der Gemeindeverwaltung.

Auf der Suche nach Lösungen blickt der Flecken unter anderem auf die Samtgemeinde Sottrum, die im Herbst 2018 ein professionelles Knallschreckgerät installierte, das automatisch in verschiedene Richtungen auslöst. Grundgedanke ist es, den Rabenvögeln den einmal gewählten Standort für ihre Kolonie madig zu machen und sie zum umsiedeln zu zwingen. Mit dem Gerät, das um die 1000 Euro koste, habe die Samtgemeinde Sottrum bislang gute Erfahrungen gemacht, so Bruns. Mit etwa 120 Dezibel – das entspricht einem Böller oder Gewitterdonner – macht es jeweils morgens und abends in einem Waldstück Krach. Wie es mit der Akzeptanz in Wohngebieten aussehe, bleibe aber offen.

Als Handlungsalternativen nannte Bruns das Ansiedeln von natürlichen Feinden – sprich: Greifvögel wie Falken oder Eulen – sowie das Anbringen von Lichtreflektoren. Letzteres sei unwirksam, solange man die Position nicht verändere, denn die Vögel seien anpassungsfähig.

„All diese Maßnahmen verschieben das Problem nur“, sagte Jürgen Baumgartner (Die Linke). Die Krähen würden zu Zugvögeln. Baumgartner, der auch im Naturschutzbund (Nabu) aktiv ist, nannte ein Beispiel aus Süddeutschland. Dort bezahlte eine Kommune einen Falkner, was offenbar zur Auflösung von Krähenkolonien beigetragen habe. „Krähen haben ein hohes Sicherheitsbedürfnis“, so Baumgartner.

Werner Bahrenburg (CDU) berichtete von Erfahrungen mit selbst gebauten Krähenklappen, die er auch an Nachbarn verteilte (mit Scharnier verbundene Bretter, die beim Zusammenklappen einen Knall erzeugen): „Man muss einen Tag lang intensiv knallen, dann sind sie für ein Jahr weg.“ Damit hatte Bahrenburg nach eigenem Bekunden eine Idee des Achimers Klaus Barfuß aufgegriffen, der sogar bis zum Landgericht Stade gezogen war, um seine Krähenklappe auf seinem Privatgrundstück einsetzen zu dürfen.

Das Knallsschreckgerät, das die Samtgemeinde Sottrum bereits seit Herbst 2018 einsetzt. Björn Becker vom Sottrumer Bauhof präsentiert es hier.

Für eine Einwohnerfragestunde unterbrach der Ortsratsvorsitzende Tim Weber (FGBO) die Sitzung. Eine Bürgerin sprach das Problem der Futterquellen an: „Morgens fliegen die Krähen zur Biogasanlage und finden dort in der Silage ein reich gedecktes Büfett vor. Abends kehren sie dann zurück in den Postweg und an die Wümme.“ Sie regte an, die Installation von Eulenkästen kombiniert mit einer Vergrämung einzusetzen. „Das Anbringen von Kästen allein bringt nichts, man muss auch den Lebensraum für die Greifvögel bieten“, sagte ein anderer Bürger, der nach eigener Aussage selbst Eulenkästen baut.

Jürgen Baumgartner schlug zudem vor, Kontakt zur Greifvogelstation aufzunehmen, die dieses Jahr mit Veterinär Ulrich Blank wieder in Betrieb gegangen ist. Denn dort seien oft Eulen vorübergehend in Pflege.

„Wir werden das Problem heute nicht lösen, aber eine Vorlage erarbeiten“, fasste Tim Weber zusammen. Das Thema solle noch vor dem Nestbau im April/ Mai 2020 im entsprechenden Fachausschuss aufgegriffen werden.

Das Gremium gab zudem – bei einer Gegenstimme – eine Empfehlung für verkehrsberuhigende Maßnahmen an der Buxtehuder Straße. Kostenpunkt: 2 350 Euro. Aufgrund von Anwohnerbeschwerden hatte die Gemeinde dort eine Tafel mit Geschwindigkeitsanzeige aufgestellt und die vorbeifahrenden Fahrzeuge zu verschiedenen Zeiten erfasst. Demnach waren im Zeitraum vom 4. bis 8. Juni 2019 von durchschnittlich 797 Fahrzeugen 35 Vehikel schneller als 30 Stundenkilometer, im Zeitraum vom 1. bis 5. Juli von durchschnittlich 485 gemessenen Fahrzeugen elf schneller als 30 Stundenkilometer gefahren. „Das heißt, man hat es in der Summe nicht mit signifikant verkehrswidrigem Verhalten zu tun“, schreibt die Verwaltung in der Beschlussvorlage.

Dennoch votierte das Gremium dafür, Markierungen und Schilder zu ergänzen, um die Verkehrssicherheit für Fußgänger und Radfahrer zu erhöhen. Anders als in der Vorlage, soll das von der Buxtehuder Straße noch in Richtung Lüneburger Straße ausgedehnt werden. Damit vergrößert sich der Bereich für die neuen Markierungen und Verkehrszeichen um etwa ein Drittel. Es bleibt aber bei Tempo 30. Eine Absage erteilte die Politik aus Kostengründen der Forderung, dort eine sogenannte Spielstraße (offiziell: „verkehrsberuhigter Bereich“) einzurichten.

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