Günter Habenicht schließt Gaststätte

Nach fast 50 Jahren: Feierabend in der „Otternklause“

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Günter Habenicht hat den Betrieb seiner Gaststätte „Otternklause“ nach fast 50 Jahren endgültig eingestellt.

Ottersberg - Aus und vorbei. Die letzte Kneipe im Wümmeort hat dichtgemacht. Nach beinahe 50 Jahren haben die beiden Wirtsleute Heidi und Günter Habenicht endgültig die Tür zu ihrer Gaststätte „Otternklause“ abgeschlossen – für immer.

Damit verliert Ottersberg auch ein Stück Geschichte. „Früher kamen die Leute jeden Abend in der Kneipe zusammen. Hier trafen sich Geschäftsleute aus dem Ort, die Kommunalpolitiker oder die Vereinsvertreter wie vom Schützenverein, vom Sportverein oder dem Tennisclub. Am Tresen wurde Politik gemacht und wurden Geschäfte abgeschlossen“, erinnert sich Günter Habenicht wehmütig an die „gute alte Zeit“ zurück, als Ottersberg noch 16 Kneipen hatte und die auch alle existieren konnten.

Doch die Zeit ist vorbei. „Die kommt auch nicht mehr wieder“, weiß Ehefrau Heidi, die seit Mai 1974 im Betrieb mitarbeitete. „Im Juni 1974 haben wir uns verlobt und 1980 geheiratet“, erzählt sie.

Dank der guten Lage des Lokals direkt an der Großen Straße am Ortseingang und mit dem Parkplatz davor, aber auch wegen des guten Essens und des Eiscafés, das Habenichts Eltern betrieben, stieg die Zahl der Besucher in der „Otternklause“ vom ersten Tag der Eröffnung im Jahr 1969 rasant an.

Bauzaun sperrt das Gelände ab

Wer jetzt daran vorbeifährt, schaut auf einen Bauzaun, der das Grundstück zum Fußweg abgrenzt. „Den habe ich aufgestellt, weil viele Leute hier wendeten oder parkten. Das wollte ich nicht“, erklärt Günter Habenicht, der damals eigentlich durch einen Zufall in die Gastronomie hineinschlitterte.

„Ich bin gelernter Groß- und Einzelhandelskaufmann. Aufgewachsen bin ich in Bremen. Meine Eltern betrieben nach dem Krieg viele Jahre an der Grünen Straße in Ottersberg einen Kolonialwarenhandel. Mein Vater als Großhändler versorgte die Dörfer umzu mit Obst und Gemüse“, erinnert sich Habenicht. Jahre später betrieben seine Eltern an der Grünen Straße keinen Obst- und Gemüseladen mehr, sondern eine chemische Reinigung. Parallel dazu betrieb Vater Habenicht den Großhandel in Bremen, den sein Sohn Günter übernahm. In den 60er Jahren jedoch mussten die Eheleute Habenicht ihr Geschäft aufgeben, weil sich der damalige Nachbar, das Kaufhaus Kortlang, erweitern wollte und schließlich den „grauen Kasten“ auf das Grundstück baute. So schauten sich die Habenichts nach einem anderen Grundstück um – fanden es an der Großen Straße und bauten ein Wohnhaus und ein Geschäftshaus, in das die chemische Reinigung einziehen sollte.

Kneipe mit 19 Jahren übernommen

Ein Bremer Gastwirtsehepaar überredete jedoch die Eltern von Günter Habenicht, für sie Räume für ein Restaurant zu schaffen. Doch dann starb der Bremer Gastwirt überraschend. Und Habenichts standen vor der Frage: Was nun? „Auf Bitten meines Vaters habe ich dann die Kneipe übernommen. Damals war ich 19 Jahre alt“, so Habenicht und fügt hinzu: „Angefangen haben wir mit einem Eiscafé und der Kneipe. Wir haben angebaut und zwischendurch war es eine Disco und Kneipe. Wir haben zudem Fremdenzimmer vermietet an Niederländer, Franzosen und Italiener, die in Oyten die Hochhäuser hochzogen. Schweinebraten mit Rotkohl und Kartoffeln war deren Lieblingsessen.“

Aber die Zeiten änderten sich. „1990 wollte ich ein Hotel mit 40 Betten bauen. Mit dem Bauamt im Ort und mit dem in Verden war ich mit den Plänen bereits einig. Dann aber hat ein Hamburger Planer, der für den Flecken tätig war, die Pläne abgelehnt. Das Projekt konnten wir nicht realisieren. Das hat mich geärgert“, sagt Habenicht und ärgert sich immer noch.

Seit den 90er Jahren sanken die Gästezahlen – auch „weil jeder Verein dann seine eigenen Räume hatte“. Jetzt ist endgültig Feierabend in der „Otternklause“. 

woe

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