Für Februar 45 Flüchtlinge erwartet

Statt Seniorenresidenz nun Schlichtbauweise im Gespräch

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Viel Wohnraum, Gemeinschaftsräume und ein großzügiges Außengelände – darüber verfügt die einstige Seniorenresidenz in Otterstedt. Doch Eigentümer und Gemeinde konnten sich nicht über einen Mietvertrag einig werden.

Ottersberg - Von Lisa Duncan. Die Pläne, die einstige Seniorenresidenz „Haus Hubertus“ in Otterstedt als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen, sind definitiv vom Tisch. Doch wo werden die 45 voraussichtlich am 4. oder 5. Februar ankommenden Flüchtlinge nun einquartiert? „Wir wollen nach vorne schauen“, sagte auf Nachfrage Jürgen Buthmann-von Schwartz.

Damit reagierte der Verwaltungs-Vize auf Vorhaltungen der alten und neuen Eigentümer: Der angeblich unterschriftsreife Mietvertrag weise „erhebliche Benachteiligungen“ auf. So war es unserer Zeitung gestern per Pressemitteilung zugegangen. Unter anderem soll die Gemeinde vom Vermieter verlangt haben, den Hausmeister zu stellen, die Außenanlagen zu pflegen und gar einen Teil der Heizkosten selbst zu tragen.

„Da weiß ich nichts von“, sagte Jürgen Buthmann-von Schwartz. Richtig sei nur, dass der Eigentümer sich nicht mit der Klausel zur Vertragslaufzeit über drei Jahre arrangieren konnte. Daraufhin habe die Gemeinde eine Option auf zwei Jahre Verlängerung hinzugefügt. Doch am Tag, an dem der Mietvertrag abgeschlossen werden sollte, verkaufte der Eigentümer das Haus an einen anderen Interessenten.

„Schwer enttäuscht“ habe sich die Gemeinde darüber gezeigt, so Buthmann. Denn man habe die Bürgerversammlung extra deswegen anberaumt. Vorangegangen seien vier bis fünf Monate lange „zähe Verhandlungen“. Nachdem der Hauseigentümer zunächst ein Kaufangebot der Gemeinde ausschlug, habe man einen Mietvertrag aufgesetzt. Der daraufhin formulierte Vertragsentwurf sei „end-ausgehandelt“ gewesen.

Eigentümer der Immobilie ist seit dem 20. Januar die SHA Grundbesitz GmbH & Co. KG aus Bad Zwischenahn. Das teilen sowohl der alte Eigentümer, Wolfgang Krüger, als auch SHA-Geschäftsführer Helmut Holthaus mit. Das Unternehmen betreibt seit Jahren diverse Alten-, Pflege- und Demenzpflegeeinrichtungen in Niedersachsen. „Auch wurden und werden verschiedene Immobilien an Kommunen zur Unterbringung für schutzsuchende Flüchtlinge entsprechend umgebaut und langfristig vermietet“, heißt es in der Pressemitteilung. Genauso könne man sich in Otterstedt eine Verpachtung an die Gemeinde zur Unterbringung von Flüchtlingen vorstellen.

Der Käufer berichtet, dass er direkt nach dem Erwerb des Objekts vom Flecken Ottersberg unter Druck gesetzt worden sei. Der habe in der Bürgerversammlung den erfolgreichen Abschluss des Mietvertrags verkünden wollen und daher eine Entscheidung innerhalb einer Stunde gefordert. Zudem habe Buthmann-von Schwartz gedroht: „Wenn eine Seniorenresidenz betrieben werden solle, werde die Gemeinde ‚alle möglichen Steine in den Weg legen‘.“

Dies weist der Verwaltungs-Vize von sich: „Das kann ich ja gar nicht, Vermietern Knüppel zwischen die Beine werfen.“ Ein Hauseigentümer könne schließlich mit seinem Besitz tun und lassen, wie ihm beliebe – auch selbst dort einziehen. Vielmehr habe er den Käufer darauf hingewiesen, dass sich die Gemeinde nun nach Turnhallen umsehen müsse.

Landkreis zieht

Schlichtbauweise vor

Franz Wieferig, Unternehmenssprecher bei SHA, betont, die Gemeinde habe einen „unausgewogenen Vertragsentwurf“ vorgelegt, darum habe Krüger an SHA verkauft. Die Unterhaltskosten der Wohnunterkunft würden „die gesamten Mieteinnahmen nicht nur ‚auffressen‘, sondern vermutlich würde der Vermieter noch Geld zusetzen“, schreibt Wieferig. Er fügt hinzu, dass die Gemeinde „vermutlich keine Erfahrung mit größeren Wohnunterkünften“ hat und preist die Eignung des Grundstücks an, etwa die vielen Wohnflächen, Gemeinschaftsräume und ausreichenden Außenflächen.

Buthmann-von Schwartz zufolge sei die Gemeinde „nicht bereit weiter zu verhandeln“. Zudem deutet er an, der einstige Eigentümer stehe wegen einer unbestimmten Vertragsklausel nun selber unter Druck.

In puncto Flüchtlingsunterbringung laufen Verhandlungen mit dem TSV Fischerhude, die Turnhalle des Vereins zu nutzen. Am Freitag gab es einen Vor-Ort-Termin. Alternativ will die Gemeinde auf freien Flächen in Schlichtbauweise provisorische Holzrahmenbauten aufstellen. Mit diesem Weg wäre der Flecken ein Pionier im Kreisgebiet. Laut Jürgen Buthmann-von Schwartz wahrscheinlich: „Diese Lösung favorisiert der Landkreis Verden.“ Es seien mehrere gemeindeeigene Grundstücke im Gespräch. Welche, dazu wollte er sich noch nicht äußern.

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