Kunst als Tempobremse: Kreative Entwürfe für Große Straße präsentiert

Farbige Fahrbahn für FairVerkehr

Zum Bürgerforum „FairVerkehr“ begrüßten Hochschulleiter Ralf Rummel-Suhrcke (Mi.), sein Kollege Professor Michael Dörner (li.) und Professor Rainer Höger von der Leuphana Universität Lüneburg (re.) etwa zehn Interessierte.
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Zum Bürgerforum „FairVerkehr“ begrüßten Hochschulleiter Ralf Rummel-Suhrcke (Mi.), sein Kollege Professor Michael Dörner (li.) und Professor Rainer Höger von der Leuphana Universität Lüneburg (re.) etwa zehn Interessierte.

Ottersberg – Der „Sternchen“-Treffpunkt, eine Art Pavillon mit Fensterfront zur Großen Straße hin auf dem Gelände der Ottersberger Hochschule für Künste im Sozialen (HKS), machte bei einer ersten Bewertung das Rennen beim Publikum. Knapp dahinter: die „Farbige Straße“, entworfen von einer chinesischen Studentin der HKS. Große bunte Schirme am Straßenrand schafften es auf Platz drei der vorläufigen Favoritenliste. Diese Entwürfe und noch ein paar mehr gehören zu den kreativen „Antworten auf zu schnelles Fahren mit den Möglichkeiten der Kunst“, die Studierende, aber auch Lehrende im Verbundprojekt „FairVerkehr“ geliefert haben. Drei Hochschulen sind beteiligt: neben der Ottersberger HKS die Technische Universität Hamburg und die Lüneburger Leuphana Universität. Finanziell gefördert wird das Projekt vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium.

Im Rahmen eines Bürgerforums am Montagabend in der Wümmeschulaula präsentierten die Akteure die Entwürfe und wollten dazu Anregungen und Stimmen aus der Bevölkerung einholen. Hochschulleiter Professor Ralf Rummel-Suhrcke begrüßte einen überschaubaren Kreis von Interessierten.

Studierende hatten im ersten Abschnitt des Projekts Anwohner der Großen Straße zur dortigen Verkehrssituation befragt sowie zu ihrer Lebens- und Wohnqualität an dieser breiten, schnurgeraden Ortsdurchfahrt, die zu schnellerem Fahren verlockt: Bis zu 80 km/h wurden bei Messungen registriert. Der Befragung nach fanden 30 Prozent nichts an dieser zentralen Straße großartig. 60 Prozent nannten immerhin die Eisdiele als attraktiven Treffpunkt und fühlten sich ansonsten vor allem auf dem eigenen Wohngrundstück wohl. Eher negativ wurde der Döner-Imbiss bewertet.

In erster Linie gehe es bei dem künstlerischen Lösungsansatz für problematische innerörtliche Verkehre darum, die gesamte Straßenatmosphäre tempomindernd zu verändern, machte Wirtschaftspsychologe Professor Rainer Höger von der Leuphana Universität am Podium deutlich.

Zu ihrem „Sternchen“-Entwurf machte die Schöpferin deutlich, dass Treffpunkte wie die früheren Kneipen im heutigen Straßenbild fehlten – dass der „Raum zum Austausch“ mit Fensterfront zur Straße hin Autofahrern jedoch vermitteln könne, dass es Leben an dieser Straße gebe und langsamer zu fahren angesagt sei.

Den gleichen Effekt könnten erfrischend bunte Streifen auf der Fahrbahn bewirken. Ein weiterer Entwurf sieht sogar himmelblaue Bemalung mit angedeuteten weißen Wolken als Markierung von möglichen Fahrbahnübergängen am Ortseingang vor. Andere Vorschläge beinhalten das Aufstellen überdimensionierter farbiger Airbags an beiden Straßenseiten oder größere Statuen, die etwa Löwen im chinesischen Stil oder andere mythische Figuren darstellen. Titel dieser Variante: „Monster“.

Ebenfalls originell: Auffällige orangerote Stellschilder mit humoristischen oder philosophischen Sprüchen am Straßenrand. Fußgänger könnten dank Klapptechnik die Inschriften verändern, und es wären bis zu 125 Textkombinationen möglich. „Parasols“ ist die Lösung mit bunten Schirmen betitelt, was fröhliche Sonnenschein-Assoziationen fördern und die kahle Optik der Straße verbessern könnte.

Besucher des Bürgerforums mahnten bei der abschließenden Diskussion, dass nach früheren Erfahrungen etwa mit Kunst im Kreisel die Vorschläge zur Gestaltung an der Landesstraße verkehrsrechtlich genehmigungsfähig sein müssten. Auf die Frage, wie lange die Kunst an oder auf der Großen Straße denn halten solle, ging Rummel-Suhrcke von jeweils mindestens fünf Jahren aus. Ein Bürger im Saal zeigte sich von den vorgestellten Entwürfen so begeistert, dass er fand, sie müssten im Grunde alle verwirklicht werden.

Professor Michael Dörner von der HKS äußerte die Hoffnung, dass das große „FairVerkehr“-Projekt auch andere Gemeinde motivieren werde, entsprechende Möglichkeiten der Kunst zu nutzen. Ottersberg und seine Hochschule könnten hier eine Vorreiterrolle übernehmen und sich einen ähnlichen Ruf erwerben wie das durch seine Vorzeige-Kunstprojekte geprägte Uelzen mit dem mindestens bundesweit bekannten Hundertwasser-Bahnhof.

Corona störe allerdings den Zeitplan des Vorhabens in Ottersberg, kündigte Professor Rummel-Suhrcke schon vorsorglich an: Die vorgesehene Verkehrserhebung und alle weiteren Schritte müssten ins kommende Jahr verschoben werden.

Von Heinrich Laue

Ein Pavillon mit Fensterfront zur Großen Straße, eine farbige Fahrbahn und bunte Schirme sind die Projekt-Favoriten.

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