Friederike Sensfuss entwirft die Kostüme für das Figurentheaterstück „Siddhartha“

Für den Fährmann eine Prise Schlamm

Die schöne Kamala trägt Rot. Für das Figurentheaterstück „Siddhartha“ arbeitet Friederike Sensfuss als Kostümbildnerin. Foto: Holthusen

Quelkhorn - Von Petra Holthusen. So viel Gesellschaft hat Friederike Sensfuss selten in ihrer Werkstatt am Quelkhorner Mühlenberg. Brahmanensohn Siddhartha, Kaufmann Kamaswami, Fährmann Vasudeva, die schöne Kamala und noch einige andere drängeln sich auf ihrem Arbeitstisch. Hier schneidert die Textilkünstlerin den indischen Herrschaften die Kleider. Bis dahin bestanden sie nur aus Köpfen – kleine Meisterwerke voller Ausdruckskraft, geschaffen von Puppenbauerin Mechtild Nien-aber. Friederike Sensfuss gibt den Figuren die zu ihnen passende stoffliche Gestalt vom Hals abwärts. „Eine tolle Aufgabe“, sagt sie, „eine schöne Arbeit, die ich sehr bereichernd finde.“ Sonst näht sie „Sachen in Seide“ für Menschen – als Kostümbildnerin für ein Puppentheater zu arbeiten, ist für die renommierte Textilkünstlerin eine neue Herausforderung: „Aber das liebe ich ja.“

Auftraggeber ist das Bremer Figurentheater „Mensch, Puppe!“ für sein neues Erwachsenenstück „Siddhartha“ nach der indischen Dichtung von Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse. Ein Stück Weltliteratur, für das Philip Stemann, Regisseur bei „Mensch, Puppe!“, eine Bühnenfassung erarbeitet hat. Puppenspielerin Jeannette Luft spielt die Figuren offen auf der Bühne. Auch sie bekommt von Friederike Sensfuss ein seidenes Jackett geschneidert, das mit den Kostümen ihrer Puppen harmoniert. Und dann gibt es da noch einen speziellen Trick, bei dem sich der Ärmel der Spielerin mit dem Lendentuch eines Asketen verbindet: „Nackige Männer am Arm der Puppenspielerin, das ist schwierig“, sagt die Kostümbildnerin und tüftelt noch an den optimalen Windungen und Falten des Stoffs.

Hermann Hesses Erzählung „Siddhartha“, vor fast 100 Jahren veröffentlicht, ist die Geschichte eines Suchenden. Den Sinn des Lebens findet der junge Siddhartha auf seiner langen Reise weder in der Askese noch im Reichtum oder der irdischen Liebe. Erst am Ende seines Lebens erkennt er, zurückgekehrt zum Fährmann, im großen Fluss sein Ich und sein Glück.

Mit Figurenspiel, Live-Musik und Videokunst bringt „Mensch, Puppe!“ Siddharthas Lebensreise als zeitlose Hommage an die Freiheit und Selbstbestimmung auf die Bühne. Auf geniale Weise will das Bremer Figurentheater nach eigenen Worten in dem Stück die östliche Philosophie mit der westlichen Erfahrungswelt verbinden. Premiere ist am 25. Oktober.

15 Kostüme kreiert Friederike Sensfuss, unter anderem für den jungen, mittelalten und alten Siddhartha. Mit Puppen- und Schauspielerin Jeannette Luft und der bundesweit gefragten Puppenbauerin Mechtild Nienaber aus Ahausen im Kreis Rotenburg ging die Kostümbildnerin die Charaktere des Stücks penibel durch. Bescheiden, reich, bettelarm, lebenslustig, erleuchtet oder im Falle der Dame Kamala erotisch – Stoff, Schnitt und Farbe des Gewands sollen das spiegeln und die Aussagekraft der meisterlich modellierten Gesichtszüge noch verstärken. „Kaum zu glauben, dass diese Köpfe aus Pappmaché gebaut sind“, bewundert Friederike Sensfuss die Arbeit von Mechtild Nienaber, „die Entwicklung in den Gesichtern ist faszinierend, der Ausdruck einfach großartig.“ So lebensecht wirken die Puppen dank ihrer blickenden Augen, deren Pupillen winzige schwarze Stecknadelköpfe sind.

Nicht ganz leicht fällt es der Textilkünstlerin, einen ihrer Stoffe mit Erde zu beschmutzen. Aber für den alten Siddhartha und den Fährmann muss das sein: „Der hat was von Schlamm und Fluss. Das ist zwar Seide, sieht aber aus wie Feudel.“ Prächtig kommt der reiche Kaufmann mit Akzenten in Lila daher und in feurigem Rot die tief dekolletierte Liebesdame.

„Bis eine Puppe fertig ist, dauert das schon so seinen Tag“, sagt die Kostümbildnerin. „Das geht nicht nebenbei. Ich muss Kontakt zu den Figuren aufnehmen und alles andere dann beiseite schieben.“ Friederike Sensfuss findet es „super spannend mitzuerleben, wie so ein Stück entsteht“. Bei den ersten Proben wird die Kostümbildnerin mit Nadelkissen vor der Bühne stehen – falls die indische Gesellschaft doch nochmal Änderungsbedarf in Sachen Garderobe hat.

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