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Erster Schritt Richtung Neubauten am Otterstedter See

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Von: Petra Holthusen

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Die Visualisierung aus der Vogelperspektive
Die Visualisierung aus der Vogelperspektive gibt eine Vorstellung von der geplanten Gestaltung des Gaststättenareals. © Bremen Buildings

Ottersberg – Der erste Schritt ist gemacht. Mit der knappen politischen Mehrheit von CDU und FGBO haben sowohl der Ortsrat Otterstedt als auch der für Bauentwicklung zuständige Fachausschuss des Ottersberger Gemeinderates in einer gemeinsamen Sitzung am Donnerstagabend im Rathaussaal eine Änderung des Bebauungsplanes für das Areal der Gaststätte am Otterstedter See empfohlen. Damit sollen die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den Bau neuer Wohnhäuser auf dem fast 10.000 Quadratmeter großen Gelände geschaffen werden. SPD und Grüne lehnten die Planänderung für das Vorhaben der Fischerhuder Brüning Family Holding GmbH, die Eigentümerin des Grundstücks samt Gasthaus ist, zum jetzigen Zeitpunkt ab.

Grundsätzlich seien alle Fraktionen für die Weiterentwicklung beim „Haus am See“, der Umfang der geplanten Bebauung sei möglicherweise jedoch noch zu großzügig bemessen, fasste Bürgermeister Tim Willy Weber den politischen Tenor zusammen. Auch die Befürworter des Projekts aus Reihen des Rates kündigten Nachverhandlungen mit dem Investor über Anzahl und Höhe der Häuser im Rahmen des jetzt beginnenden baurechtlichen Verfahrens an. Das wird voraussichtlich ein Jahr Zeit in Anspruch nehmen. Die endgültige Entscheidung über den Prozessbeginn trifft am 23. Juni der Rat.

Etwa 50 Bürgerinnen und Bürger, die die Baupläne am See ablehnen, verfolgten die Sitzung im brechend vollen Zuhörerraum des Ratssaals. Mehr als 40 hatten sich zudem virtuell zugeschaltet.

Der derzeitige Plan weist 13 neue Wohngebäude rund um die Gaststätte am Otterstedter See aus.
Der derzeitige Plan weist 13 neue Wohngebäude rund um die Gaststätte am Otterstedter See aus. Über Anzahl und Höhe der Häuser kündigen die politischen Entscheidungsträger noch Gesprächsbedarf an. © Bremen Buildings

Sprecher der Bürgerinitiative „Idylle statt Investor“ und Nachbarn des Gasthauses äußerten in einer ausgedehnten Einwohnerfragestunde – teils sehr aufgebracht – ihre Einwände und Befürchtungen. Ihre Hauptsorgen: Weitere Häuser und Bewohner würden den Freizeit- und Erholungswert für Seebesucher und Anwohner einschränken, das Panorama und die Natur weiter zerstören und die Gewässerqualität zusätzlich belasten. Bekanntlich leidet der als Wohnort, Freizeitstätte und Party-Hotspot benutzte Otterstedter See unter Nährstoffüberfrachtung und einem regelmäßigen Massenwachstum von Blaualgen.

Nach internen Abstimmungsgesprächen zwischen Investor, Politik und Verwaltung wurde die aktuelle Entwurfsplanung am Donnerstagabend erstmals öffentlich vorgestellt. Ralf Schack, Bauamtsleiter der Gemeinde, skizzierte die Eckpunkte des Vorhabens, das das Büro Bremen Buildings für Grundeigentümer Brüning plant.

Ausgangspunkt ist das marode Traditionslokal „Haus am See“, in dem Brüning – im Einklang mit Otterstedter Wünschen – nach umfassender Sanierung eine dauerhaft zukunftsfähige und ganzjährig funktionierende Gastronomie etablieren will. Finanzieren soll sich dieses Investment über den angegliederten Wohnungsbau. 13 Gebäude mit rund 20 Wohneinheiten sind aktuell neben dem Gasthaus (anstelle der abrissreifen Kegelbahn), zwischen Gasthaus und Zufahrtsstraße sowie auf der als Parkplatz genutzten Schotterfläche vorgesehen. Strandabschnitte und Liegewiese, die auch zu Brünings Grundstück gehören, bleiben von der Planung unberührt. „Das bleibt alles öffentlich zugänglich“, betonte Bürgermeister Weber.

Laut Schack plant die Gemeinde, den in Privatbesitz befindlichen Strandbereich in ihr Eigentum und damit dauerhaft in die öffentliche Hand zu übernehmen. Dieses möglicherweise im Tausch gegen die vom Eigentümer für die neuen Wohnungen und die Gastronomie benötigten Stellplätze, die er auf der gemeindeeigenen Parkwiese oberhalb des Gasthauses erhalten könnte – Schack zufolge etwa 40 an der Zahl.

Irritationen zwischen Verwaltung und SPD-Fraktion gab es hinsichtlich der geplanten Firsthöhen der Neubauten. SPD-Sprecherin Petra Ruers kritisierte, dass die Höhenplanung nicht den bisherigen Absprachen entspreche. Ihrer Fraktion würden die Neubauten zu hoch, außerdem habe sie „Probleme damit, dass dafür Bäume gefällt werden müssen“. „Das passt sich nicht in die Umgebung ein“, mutmaßte SPD-Kollegin Annegret Reysen und erinnerte an die Fehleinschätzung bei der Genehmigung des Neubaugebietes auf der anderen Seeseite, wo unerwartet hohe Häuser für einigen Unmut sorgen.

Grünen-Sprecher Ludwig Schwarz bemängelte bei dem Brüning-Vorhaben die seiner Ansicht nach zu hohe Anzahl der Häuser: „Grüne und SPD finden sich mit ihren Anregungen in diesem Plan nicht wieder“, sagte Schwarz und forderte vor einer Entscheidung „Nachverhandlungen mit dem Investor“.

Otterstedts Ortsbürgermeister Ulf Nienaber (CDU) befürwortet das Vorhaben, meinte aber auch: „An der Seite müssen wir aufpassen, dass das nicht so hoch wird.“ Die stellvertretende Ortsbürgermeisterin Beeke Bartels äußerte sich froh darüber, für den Erhalt vom „Haus am See“ einen regionalen Investor im Boot zu haben, der bekanntermaßen Wert auf Ästhetik im Ortsbild lege, sich um Anpassung bemühe und Wünschen des Ortsrates gegenüber aufgeschlossen sei. „Wir sollten heute zustimmen, dass wir die Bebauung grundsätzlich ermöglichen“, sagte Bartels. Umfang und Details könnten später festgezurrt werden.

„Ich finde den Entwurf gar nicht so schlecht“, erklärte Holger Wieters-Froehlich, Fraktionsvorsitzender der Freien Grünen Bürgerliste (FGBO). Das Maß der Bebauung „können wir noch im Verfahren besprechen“.

Nachdem Vertagungsanträge von SPD und Grünen gescheitert waren, gaben die Gremien ihre Empfehlungen ab. Der Ortsrat Otterstedt votierte mit den fünf Stimmen von CDU und FGBO gegen den Willen der zwei Vertreter von SPD und Grünen für den Start des Bauleitverfahrens. Der Bauausschuss des Rates sprach sich nach dem mehrheitlichen Willen von CDU und FGBO gegen die Bedenken von SPD und Grünen mit 5:4 Stimmen für das Vorhaben aus. Mit abfälligen Bemerkungen in Richtung Ratsmitglieder verließen viele Bürger daraufhin den Saal.

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