Günther Wiggers erhält Verdienstmedaille

Erste Anlaufstelle, wenn es um historisches Bildmaterial geht

Günther Wiggers, historisches Gedächtnis Ottersbergs, wurde die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. - Foto: Holthusen

Ottersberg - Von Petra Holthusen. „Ich geh' zur Sparkasse“ sagte in Ottersberg kein Mensch. „Bei Wiggers Geld holen“ hieß das damals, als Günther Wiggers jahrzehntelang Chef der Sparkasse im Ort war – so wie vor ihm schon sein Vater.

Bis Ende der 80er Jahre war Wiggers der Inbegriff für Bank – nach seiner Pensionierung wurde er zur Institution in Sachen Heimatgeschichte. Für seine archivarischen Leistungen hat der Bundespräsident Günther Wiggers die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Günther Wiggers, der im Januar 90 Jahre alt wird, ist das historische Gedächtnis Ottersbergs und erste Anlaufstelle in der Region, wenn es um historisches Bildmaterial von alten Häusern, Straßen, Familien, Festen und anderen gesellschaftlichen Ereignissen geht. 6000 Dias umfasst sein Bildarchiv, das er nach Straßennamen sortiert hat. Die Informationen zu den Aufnahmen hat er im Computer archiviert. Kein Fleck im Ort, von dem Wiggers nicht weiß, wie er früher aussah; kein Name, zu dem ihm keine Geschichte einfällt.

Über Jahrzehnte wuchs sein Schatz an Fotos und Wissen dank seiner unzähligen Kontakte und Gespräche im Ort in unglaubliche Dimensionen. Einzelne Themen der Ottersberger Historie stellte er zu immer wieder gerne angefragten Bildvorträgen zusammen, von denen er bis heute mehr als 100 gehalten hat.

Dass er die Ortsgeschichte zum Angucken für die Nachwelt aufbereitet und bewahrt, gibt Günther Wiggers das Gefühl, seinem Heimatort „etwas zurückzugeben“, etwas für sein Ottersberg zu tun. Seit 2004 füllen seine „Historischen Ansichten aus Ottersberg“ Jahr für Jahr auch den großformatigen Bildkalender, den er in Zusammenarbeit mit dem Kulturverein im Rektorhaus herausgibt und der sogar an Auswandererfamilien nach Übersee verschickt wird. 

Dort wie hier freuen sich Betrachter, wenn sie längst abgerissene Häuser aus ihrer Kindheit wiedererkennen oder alte Verwandte und Nachbarn bei geselligen Anlässen in der Nachkriegszeit. Der Kalender ist längst zum begehrten Sammlerobjekt geworden.

Seine archivarische Arbeit, die Wiggers über Jahrzehnte ehrenamtlich geleistet hat, ist Hauptgrund für seine Auszeichnung mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, die ihm in einer Feierstunde mit geladenen Gästen am 26. August im Rektorhaus vom Landrat übergeben wird.

Friedrich Bartels vom Vorstand des Ottersberger Kulturvereins im Rektorhaus fallen noch viel mehr Gründe ein, Günther Wiggers zu ehren. Der Kulturverein war es, der der Staatskanzlei den Vorschlag unterbreitete, Wiggers mit dem Verdienstorden auszuzeichnen. Wiggers war vor 16 Jahren an der Rettung des politisch zum Abriss freigegebenen Rektorhauses beteiligt und baute den hier beheimateten Kulturverein mit auf, der ihn schon zum Ehrenmitglied gemacht hat. 

Dass Wiggers weder vom Kalenderverkauf noch von seinen Vortragsveranstaltungen auch nur einen Cent für sich behalten hat, nicht mal zur Unkostendeckung, sondern immer alles den Veranstaltern wie DRK, Kirchengemeinde und Kulturverein spendete, hat Bartels tief beeindruckt: „Das ist ein total toller Einsatz für das Gemeinwesen.“

Verleihung als „Fest zu seinen Ehren“

Dazu gehören übrigens auch viele Jahrzehnte Einsatz als Schatzmeister des TSV Ottersberg, Rechnungsführer des Dorfhelferinnenwerks und Chronist der Kirchengemeinde. 

Und deshalb will der Kulturverein die Verleihung der Verdienstmedaille auch zu einem Fest für Wiggers machen – „zu seinen Ehren und zu seiner Freude“, so Bartels. Wiggers freut sich „riesig über die Auszeichnung“ und nimmt sie entgegen als „Anerkennung für alle Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren“.

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