Einwohnerversammlung zum E-Werk-Desaster / Bürgermeister: Jeder hinterher schlau

„Der gesamte Rat müsste hier eigentlich zurücktreten“

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„Und der Bürgermeister?!“ Horst Hofmann legte auf einer Bürgerversammlung Rechenschaft über sein Handeln in der E-Werks-Krise ab und räumte auch Fehler ein.

Ottersberg - „Alle Ottersberger Ratsmitglieder müssten eigentlich zurücktreten“, zeigte sich Tim Weber von der FGBO-Fraktion selbstkritisch. Denn beim Ottersberger E-Werk-Desaster mit einem vom früheren Betriebsleiter teils verschleierten 2,18-Millionen-Gesamtverlust habe es auch ein „Politikversagen“ gegeben.

Spätestens 2011, als die Ungereimtheiten deutlicher wurden, „hätten wir ordentlich auf die Trommel hauen müssen“, beklagte Weber. Er sehe sich aber auch in der Mitverantwortung, jetzt das E-Werk aus dem Schlamassel heraus zu bringen.

Nicht die Suche nach Schuldigen, sondern nach Lösungen sei wichtig. Das hatte zum Auftakt der Einwohnerversammlung zum Stand in Sachen E-Werk auch der Ottersberger Bürgermeister Horst Hofmann (CDU) gefordert. Er war wie berichtet von der SPD-Fraktion mehrfach zum Rücktritt aufgefordert worden und stellte sich nun den interessierten Bürgern in der gut gefüllten Wümmeschul-Aula.

Die mangelhafte oder falsche Buchführung mit E-Werks-Geldforderungen, die teils nur auf dem Papier existierten, reicht bis 2006 zurück. Er habe dem Betriebsleiter aber lange sehr vertraut, und erst 2013 sei die große Finanzlücke wirklich klar geworden, betonte Hofmann. Auch dass der E-Werks-Jahresabschluss 2011 nicht vorgelegt wurde, habe ihn zunächst nicht misstrauisch gemacht.

Der Betriebsleiter habe glaubwürdig auf Extra-Aufgaben im Abwasserzweckverband und bei der Breitbandversorgung der Haushalte hingewiesen, was die Fertigstellung des E-Werks-Abschlusses verzögere.

Unkritische „Vertrauensseligkeit“ monierte auch der frühere E-Werksausschuss-Vorsitzende Wilfried Mittendorf von der einstigen Grünen Liste. Zudem habe Hofmann den Rat über die Dringlichkeit des Finanzproblems nicht sofort informiert.

Diese Verfehlungen räumte der Bürgermeister ein. Er machte aber auch geltend, sich schnell um umfassende Aufklärung bemüht und die Vertragsverlängerung des Betriebsleiters gestoppt zu haben. Um die Geldlücke zu schließen, habe er den E-Werk-Haushalt kurzfristig mit 900 000 Euro aus Gemeindemitteln versorgt. Auch dies geschah, ohne den Rat zu fragen, obwohl der sich einen Tag vorher mit dem Ottersberger Etat beschäftigt hatte, wie Mittendorf sich erinnerte.

Warum alles sechs bis sieben Jahre unentdeckt laufen konnte, erschien einer gelernten Bilanzbuchhalterin im Publikum unverständlich. Es gehöre doch zu Grundprinzipien der Buchhaltung, Forderungen in Firmenbilanzen auf ihre tatsächliche „Werthaftigkeit“ genau zu überprüfen.

Unmöglich fand es Jörg Wilkens von der SPD, den Vertrag des Verantwortlichen nach Aufdecken der Misere regulär auslaufen zu lassen, statt dem offensichtlich mit seinen Aufgaben völlig überforderten Mann sofort zu kündigen.

Hier sprang E-Werks-Ausschussvorsitzender Werner Bahrenburg dem Bürgermeister bei. Bis 2010 seien alle Jahresabschlüsse des E-Werks unbeanstandet von einem Prüfer testiert worden, hob er hervor. „Warum hätten dann Nicht-Bilanzfachleute im Ausschuss diese Bewertungen anzweifeln sollen?“ fragte er.

„Jeder ist schlau, der eine vorher, der andere hinterher“, gab Hofmann zu bedenken. Nachdem so lange öffentlich über die Krise des E-Werks diskutiert wurde, müsse nun nach erfolgtem Verlustausgleich das lecke Schiff nicht nur repariert, sondern wieder auf Erfolgskurs gesteuert werden.

la

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