Der „Raum“ lebt von der Beteiligung vieler

Einfach mal selber machen

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Der „Raum“ als neues Begegnungszentrum im Atelierhaus füllt sich zunehmend mit Leben, erzählen die Impulsgeberinnen Martina Laute-Voßwinkel und Silvia Gauss (rechts).

Ottersberg - Von Petra Holthusen. Tiefenentspannt sitzen Silvia Gauss und Martina Laute-Voßwinkel vor dem „Raum“ und erzählen von der Entstehung des in Eigeninitiative geschaffenen Begegnungszentrums im Ottersberger Atelierhaus am Brink. Seit April treffen sich hier Menschen zwanglos zum Handarbeiten und Handwerken, zu Seminaren, Lesungen und Ausstellungen oder einfach zum Reden und Beisammensitzen bei Kaffee und Tee. Jede und jeder ist willkommen. Nichts muss, alles kann, bloß kein Stress.

Die Idee findet ein großes Echo: Aktuell 43 Förderinnen und zwei Förderer machen den „Raum“ mit ihren Beiträgen und Spenden möglich. „Es läuft alles ganz leicht – beim Skat würde man Durchmarsch sagen.“ Ein bisschen wundert sich Silvia Gauss selbst, wie schnell und reibungslos der „Raum“ ins Rollen kam. Die Gründe liegen auf der Hand: „Das Projekt lebt davon, dass es gewollt wird und dass sich viele daran beteiligen.“ Beides ist ganz offensichtlich der Fall.

Wie immer am zweiten Weihnachtstag saß im vorigen Jahr ein Ottersberger Freundeskreis beim Brunch zusammen, darunter Silvia Gauss und Martina Laute-Voßwinkel mit ihren Männern. Und wie immer holten die Frauen in der Runde irgendwann alle ihr Strickzeug raus: „Do-it-yourself ist ja voll im Trend.“ Während des Gesprächs nahm die Idee, eine Initiative zum gemeinsamen Handarbeiten außerhalb der eigenen vier Wände zu gründen, Gestalt an. Die Frauen streckten die Fühler nach möglichen Räumen aus und kamen auf die geschlossene Galerie im Atelierhaus: „Das ist zentral, das hat Geschichte – das wäre ideal.“ Mit den Vermietern Karin und Karlheinz Flau wurden sich die Initiatorinnen schnell einig.

Um regelmäßige private Förderer für Miet- und Anschaffungskosten zu finden, verbreiteten sie die Idee vom „Raum“ über ihre Kontaktkanäle – „und wir haben viele begeisterte Menschen gefunden“. So einen Begegnungsort zu haben, darauf hätten viele anscheinend nur gewartet. Ruck, zuck waren genug Unterstützer, vor allem Frauen, an Bord, um die monatlichen Fixkosten von rund 500 Euro gemeinsam zu tragen.

Für den rechtlichen Rahmen wurde ein Verein namens „Raum“ gegründet; den Vorsitz übernahmen Silvia Gauss und Martina Laute-Voßwinkel, die sich als Impulsgeberinnen verstehen – nicht als Macherinnen: „Der ,Raum' ist ein freier Raum, in dem sich weit mehr entwickelt als Handarbeiten und der durch die lebt, die ihn besuchen und die etwas anbieten“, sagt Silvia Gauss.

Für sie und Martina Laute-Voßwinkel „wäre es das Schönste, wenn möglichst viele Menschen den Raum mit ihren Gedanken und Ideen nutzen“. Ausschlusskriterien gibt es nur wenige: Geschlossene sowie parteipolitische Veranstaltungen sind nicht erlaubt, lärmintensive Aktionen nur in Ausnahmefällen. Jeder im „Raum“ fasst mit an und übernimmt die Verantwortung für sein Tun. Transparenz, Vertrauen und Toleranz sind tragende Pfeiler des „Raum“-Klimas, Eigeninitiative der Grundgedanke: „Einfach mal selber machen, nicht immer nur sagen: Wir brauchen jetzt dies und das.“

Diese Eigenverantwortlichkeit erlebt Silvia Gauss als Freiheit: „Wir brauchen keine Zuschüsse, wir müssen niemandem Rechenschaft ablegen.“ Auch den Antrag auf Gemeinnützigkeit des Vereins zogen die Vorsitzenden ganz schnell zurück: „Das Korsett an Auflagen und Voraussetzungen war gewaltig.“

Fester Termin im „Raum“ ist jeden Donnerstag von 19 bis 21.30 Uhr das offene Handarbeitstreffen: Stricken, häkeln und stopfen in geselliger und gesprächiger Runde. Wer Lust hat, kommt dazu. So einfach ist das. Der Wochen- und Monatskalender füllt sich immer mehr: Holzlöffelschnitzen und Bildergeschichten für Kinder sind im Angebot, ein Engelseminar läuft gerade, ein Workshop „Fahnen für Mutter Erde“ demnächst im Oktober. Dann gibt's auch den „Natronpowerworkshop“: Haushaltsreiniger und Naturkosmetik selbstgemacht. Tauschmärkte, Frauenfrühstücks und Nähtage runden den Plan ab.

Kein Problem war die Ausstattung des „Raums“ mit Sitzmöbeln, Regalen und Geschirr – jede brachte etwas mit: „Bis auf den Wasserkocher ist alles gebraucht“, erinnert sich Martina Laute-Voßwinkel. Die Arbeitsaufteilung lief und läuft entspannt, auch jetzt beim Einweihungsfest: Rund 80 Gäste unterhielten sich beim selbstgemachten Programm mit Kuchen, Musik und Kunst bestens.

Es ist eben, so betont Silvia Gauss, „ganz viel Leichtigkeit dabei“. Der „Raum“ ist zur Entspannung da – „anstrengend sind ja genug andere Sachen im Alltag“.

Weitere Infos

Unter www.raum-im-atelierhaus.de können sich Interessierte über die Projektidee und die laufenden Angebote informieren. Eine Kontaktaufnahme ist per E-Mail an info@raum-im-atelierhaus.de möglich.

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