Eine traurige Postzustellung

Geschichtswerkstatt an das Kriegsjahr 1917 in Ottersberg

Das Gedenkblatt mit Eisernem Kreuz, das eine Fischerhuder Familie jetzt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Das Dokument hängt im Untergeschoss des Kulturvereins im Rektorhaus.

Ottersberg - Hundert Jahre ist es her, dass der Erste Weltkrieg mitten in Europa wütete. Auf seinem Schlachtfeld starben viele junge Männer – auch Ottersberger. Zum Volkstrauertag will die Geschichtswerkstatt des Kulturvereins im Rektorhaus mit einer ganz persönlichen Familiengeschichte an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft erinnern. Daniel Prigge ist nur einer von vielen, die von der Kriegsfront nicht wiederkehrten. Der Familie blieb nur ein Gedenkblatt mit dem Namen ihres Angehörigen, unterschrieben vom Kaiser persönlich.

Am 19. November ist Volkstrauertag – ein Gedenktag, der 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des ersten Weltkrieges angeregt wurde. Die Nationalsozialisten machten daraus einen „Heldengedenktag“, der den Stolz der Deutschen auf ihre Gefallenen in den Vordergrund rückte.

„In Ottersberg wurde das ‘Heldengedenken’ unter der Anleitung des Hauptlehrers Gustav Wrede bis 1945 ganz im Sinne einer Richtlinie des Propagandaministeriums mit viel Aufwand durchgeführt“, berichtet Friedrich Bartels, erster Vorsitzender des Kulturvereins im Rektorhaus.

„Heute, in unserem demokratischen Staat, gedenken wir am Volkstrauertag der Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen. Wir begreifen diesen Tag hauptsächlich als Mahnung zur Versöhnung und zum Frieden“, so Bartels weiter.

Der Ottersberger Kulturverein im Rektorhaus erinnert zum diesjährigen Volkstrauertag an das Kriegsjahr 1917. Als der Weltkrieg eigentlich schon verloren war, mussten auch zahlreiche meist junge Männer aus dem Flecken ihr Leben lassen. Einer davon war Daniel Prigge.

Die originale Verpackungsrolle von 1917. - Fotos: Kulturverein im Rektorhaus

Das muss ein Schicksalsschlag gewesen sein, als der Briefträger an einem Sommertag vor 100 Jahren bei der Ottersberger Familie Prigge ein eingerolltes Gedenkblatt im Großformat übergab. Mit dem Sohn von Johann und Anna Prigge (geb. Dede), Daniel, hatte „auch ein teures Glied Ihrer Familie den Heldentod erlitten“, wie Kriegsminister v. Stein es im Beischreiben an die Eltern ausdrückte. Johann Daniel Prigge war am 28. April 1917 im Alter von 21 Jahren gefallen. Er hatte der 4. Kompanie des Infanterie-Regiments Bremen als Gefreiter angehört.

Das aufwendige und vom Kaiser selbst unterschriebene Gedenkblatt wurde in „Anerkennung der von dem Verewigten bewiesenen Pflichttreue bis zum Tode“ verliehen und sollte „als Erinnerungszeichen an die große Zeit“ verstanden werden. Die Gestaltung rechtfertigt den Soldatentod mit dem Bibelspruch „Wir sollen auch unser Leben für die Brüder lassen“. Eine hübsche Frauengestalt mit mächtigen Engelsflügeln bedeckt den Gefallenen mit Eichenlaub.

Das Gedenkblatt und die Verpackungsrolle wurden jetzt von einer befreundeten Familie aus Fischerhude an Ortsarchivar Günther Wiggers übergeben, der eine angemessene Rahmung vorgenommen und beides dem Kulturverein im Rektorhaus übergeben hat. Dort ist es jetzt in Zimmer 1 im Untergeschoss zu sehen.

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