1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Ottersberg

Eine Enzyklopädie zur 900-Jahr-Feier in Fischerhude

Erstellt:

Kommentare

Wie ein Wegweiser durch Fischerhude kann Band 3 der Haus- und Höfechronik verstanden werden.
Wie ein Wegweiser durch Fischerhude kann Band 3 der Haus- und Höfechronik verstanden werden. © Wolffson

Fischerhude – Für Geschichte und Geschichten aus dem Dorf der Bauern und Künstler hegt Manfred Wolffson schon lange eine Faszination. So sehr, dass er jetzt bereits den dritten Band seiner Chronik „Die alten Höfe von Fischerhude“ herausgebracht hat. Eine Buchpräsentation ist für kommenden Sonntag, 25. September, um 15 Uhr in Buthmanns Hof in Fischerhude geplant.

Vor nunmehr 20 Jahren gab Wolfsson den ersten Teil seiner Haus- und Höfechronik in Eigenregie heraus. Interesse weckte bei Wolfsson etwa das breite politische Spektrum, das die Geschichte der Wümmegemeinde kennzeichnet und das von einem strammen Nazi, dem stellvertretenden Gauleiter Heinrich Peper, bis hin zu einer Widerstandskämpferin, der vielfach im Ort gewürdigten Cato Bontjes van Beek, reicht.

Seither hat er fleißig weiter Dorfgeschichten gesammelt – die meisten schnappte er über persönliche Gespräche auf. Dabei ist der gebürtige Honduraner mit deutschen Wurzeln, der seine Jugend und einen großen Teil seines Berufslebens in Bremen verbrachte, in Fischerhude immer noch ein relativer Neubürger. Vor 40 Jahren zog er mit seiner Ehefrau in das Kleinod an der Wümme. „Wir haben uns damals in Fischerhude verliebt, als wir auf der Suche nach einem schönen Wohnort waren, wo andere Leute zum Wochenende hinfahren“, erzählt der 70-Jährige. Dass er selber an dem Haus am Alten Weideweg mitgebaut und sich das noch beruflich in Bremen tätige Ehepaar währenddessen in Bellmanns Gasthaus einquartiert hatte, verschaffte ihnen bald gute Kontakte zur neuen Nachbarschaft. Und einer dieser Nachbarn, der inzwischen verstorbene Steffen Heini, hatte eine Liste der um 1750 vergebenen Feuerversicherungsnummern, die früher als Hausnummern dienten. Manfred Wolfsson erfuhr nicht nur die Namen der einzelnen Höfe, sondern auch die Spitznamen der zugehörigen Besitzer.

Autor Manfred Wolffson hält vor seinem Haus am Alten Weideweg den dritten Band seiner Haus- und Höfechronik in Händen.
Autor Manfred Wolffson hält vor seinem Haus am Alten Weideweg den dritten Band seiner Haus- und Höfechronik in Händen. © Duncan

„Schietschloh“ erschien Wolffson unter diesen Rufnamen besonders kurios. Der Sohn des ehemaligen Molkereileiters, der nun im Ahrtahl wohnt, erzählte ihm in einem langen Telefonat, was es damit auf sich hatte: Dessen Frau hatte wohl im Sommer, wenn jede Arbeitskraft auf dem Hof gebraucht wird, ein Kind geboren. „So ‘n Schiet inne hillen Tied“ (in etwa: „So ein Scheiß in der geschäftigen Zeit“), soll dieser sinngemäß dazu gesagt haben – und das hat er wohl ein bisschen zu oft geäußert. Prompt hatte er den Spitznamen weg. Der Name hat für einige Nachfahren, die nun in den USA wohnen, übrigens überhaupt nichts Ehrenrühriges an sich, wie Wolfsson erfuhr: „Ein junger Mann findet den Namen so gut, dass er seine E-Mails damit unterschreibt.“

Solche schrägen Geschichten finden sich zuhauf in Wolffsons Höfechronik. „Das sind die Sachen, die mir gefallen“, sagt der Chronist. „Ich spiele ein bisschen Brüder Grimm“, erklärt er seinen Rechercheansatz. Allem voran gehe es ihm darum, eine runde Geschichte zu erzählen.

Thematisch dreht sich der dritte Band vor allem um die Anfänge der Besiedlung. „Das Buch ist den Bauern von Fischerhude gewidmet“, erklärt Wolffson. Der just erschienene dritte Band hat 560 Seiten, ist in einer Auflage von 750 Stück erschienen und bietet Extras wie ein Namens- und Stichwortverzeichnis, eine Liste mit den in Fischerhude vertretenen Branchen, einen Stadtplan sowie hochwertig in Farbe gedruckte historische Urkunden. Damit ist es laut Wolffson „eine echte Enzyklopädie, in der alles über Fischerhude zu finden ist“. Anlässlich der 2024 bevorstehenden 900-Jahr-Feier von Fischerhude weist das Schriftstück als besondere Ergänzung Taschen in den Innenseiten der Buchdeckel auf. Auf vier losen, farbigen Einzelseiten findet sich eine gedruckte Abschrift des Klosters Rastede, auf denen Ersterwähnungen des Dorfes dokumentiert sind. „Und wenn die Zeitung dann über die Feier 2024 berichtet, können die Leser die Zeitungsseiten als Erinnerung gefaltet in die Seitentaschen stecken“, fügt er an. Zusätzlich finden sich auf den hinteren Seiten Verweise auf Erwähnungen von Fischerhude in Film, Funk und Fernsehen, die jeder mittels QR-Codes auf dem Mobiltelefon aufrufen kann.

Angesichts krisenbedingter Druck- und Papierkosten konnte Manfred Wolfsson das Buch überhaupt erst mithilfe von Sponsoren finanzieren und nun sogar „zu einem annehmbaren Preis“ von 39,90 Euro anbieten. Für seine Buchpräsentation am Sonntagnachmittag hat sich Manfred Wolfsson noch eine kleine Überraschung überlegt: Wer dann in Buthmanns Hof ein Exemplar des Buches kauft, den erwarten Gutscheine und Geschenke von örtlichen Spendern.

Auch interessant

Kommentare