Ehrenamtliche verabschiedet

Letzter Öffnungstag der Kleiderkammer: „Das schreit einfach nach Fortsetzung“

„Ein Hoch auf euch!“ Mit Sekt, Blumen und herzlichen Worten des Dankes verabschiedete Integrationsbeauftragte Jan Czichos (links) am letzten Öffnungstag der Kleiderkammer das Team der Ehrenamtlichen. Fast drei Jahre lang hatten die engagierten Frauen geflüchtete Menschen in Ottersberg mit gespendeter Kleidung, Haushaltsgeräten, Kinderwagen und darüber hinaus mit Rat, Tat und Zuspruch versorgt. Foto: Holthusen
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„Ein Hoch auf euch!“ Mit Sekt, Blumen und herzlichen Worten des Dankes verabschiedete Integrationsbeauftragte Jan Czichos (links) am letzten Öffnungstag der Kleiderkammer das Team der Ehrenamtlichen. Fast drei Jahre lang hatten die engagierten Frauen geflüchtete Menschen in Ottersberg mit gespendeter Kleidung, Haushaltsgeräten, Kinderwagen und darüber hinaus mit Rat, Tat und Zuspruch versorgt.

Ottersberg - Von Petra Holthusen. Die „Mohnblume“ ist Geschichte, aber bei aller Wehmut überwiegen Stolz und Zufriedenheit. Christina Dittmer-Ropers strahlte zum Abschied.

„Wir haben hier ganz, ganz viele Leute glücklich gemacht: Die Spender, die ihre Sachen nicht wegwerfen mussten; die Käufer, die sich für einen Euro je Teil einkleiden konnten; Menschen in Russland und Polen, wo Reste hingegangen sind; die Empfänger der eingenommenen Euros wie die Fahrradwerkstatt... - und zum Schluss haben wir uns auch selbst glücklich gemacht, weil wir so vielen Menschen helfen konnten.“ Dieses Glücksgefühl milderte die leise Trauer, als das Team der Ehrenamtlichen am Dienstag nach dem allerletzten Öffnungstag die Türen der Kleiderkammer für Geflüchtete endgültig hinter sich zuschloss.

Vor drei Jahren, in der Zeit des großen Flüchtlingszuzugs, hatten Ottersberger Frauen die Kleiderkammer ins Leben gerufen, um die Neuankömmlinge mit von Bürgern gespendeter Kleidung, Wäsche, Hausrat und Spielzeug zu versorgen. „Mohnblume“ tauften sie den tatkräftig organisierten Anlaufpunkt, an dem es jeden Dienstag nicht nur Grundausstattung gab, sondern darüber hinaus Rat, Tat, Unterstützung und die Möglichkeit zum Austausch. Zum „harten Kern“ der „Mohnblume“ gehörten neben Christina Dittmer-Ropers auch Ursula Granz, Traute Przygodda, Gerda Böhlcke und Anke Schwarz.

Bis zuletzt war der Zuspruch groß in den beengten, provisorisch hergerichteten Räumen im Obergeschoss der alten Schulturnhalle. Die wird demnächst abgerissen, weshalb die Kleiderkammer jetzt ausziehen muss. Ein neues Domizil steht (noch) nicht zur Verfügung, und diesen Schnitt nehmen fast alle der in der Kleiderkammer engagierten Frauen zum Anlass, sich nach einer intensiven Zeit von dieser - auch kräftezehrenden - Aufgabe zurückzuziehen.

Einige aber stünden für eine weitere Mitarbeit in einem neuen Projekt sozusagen auf Abruf bereit. Sehr zur Freude der Ottersberger Integrationsbeauftragten Jana Czichos - denn: „Wir sind dabei, ein neues Kleiderkammer-Konzept zu planen, nicht nur für Flüchtlinge, sondern für alle Menschen in Ottersberg, die bedürftig sind“, schilderte Jana Czichos bei der Verabschiedung des „Mohnblumen“-Teams. Mit herzlichen Worten, Blumen und Umarmungen dankte sie den Ehrenamtlichen für ihren Einsatz in der alten Kleiderkammer: „Mit wieviel Engagement, Herzblut und Liebe ihr das hier gemacht habt“, sei großartig gewesen. „Auf euch!“, hob die Integrationsbeauftragte ihr Sektglas und stieß mit den Frauen an.

Dass die Arbeit in der Kleiderkammer weit über das Sammeln und Verteilen von Hosen, Pullovern, Bettlaken und Schulranzen hinausgegangen sei, hob auch Christina Dittmer-Ropers hervor. Zum Beispiel wurden von den eingenommenen Euro-Beträgen Ausflüge und ein Nikolauslaufen für die Kinder der Flüchtlingsfamilien organisiert, Fahrräder gekauft und Fernseher repariert. Alles in allem „schreit das einfach nach einer Fortsetzung“, blickte Dittmer-Ropers in der Runde der Verabschiedungsfestgäste auf das Projekt Kleiderkammer zurück - und gleichzeitig fordernd-fragend zu Jürgen Buthmann-von Schwartz, Vize-Verwaltungschef der Gemeinde Ottersberg, die an einer neuen Raumlösung arbeitet. „Wir waren und sind immer an Ihrer Seite“, versicherte Buthmann-von Schwartz den ehrenamtlichen Akteurinnen, „wir bleiben im Gespräch. Sobald wir einen neuen Raum gefunden haben, kommen wir auf Sie zu.“

Das aber kann dauern. Als eine räumliche Möglichkeit ist etwa die jetzige DRK-Rettungswache am Sportzentrum im Gespräch, die für ihre geplante Fahrzeugaufstockung jedoch erst an anderer Stelle neu bauen muss.

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