Eckstever: Gedenken gilt Hingerichteten

Ihr Tod berührt noch immer tief

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Kontrabassist Reinhard Röhrs und Jazztrompeter Bodo Maier aus London umrahmten die kleine Gedenkfeier mit Stücken von Duke Ellington und Arthur Schwartz.

Eckstever - In den letzten Kriegstagen, am 27. April 1945 um 18 Uhr wurden Heinz Kehne und Alfred Schmidt, beide 18 Jahre alt, in einem Schnellprozess wegen gemeinschaftlicher Fahnenflucht zum Tode verurteilt und in Eckstever von einem Wehrmachtskommando unter Oberstleutnant und Regiments-Kommandeur Rickmers standrechtlich erschossen.

Anschließend verscharrte man die Leichen in einem Eichenhain in der Nähe der Hinrichtungsstätte. Die blutjungen Soldaten hatten die Aussichtslosigkeit der militärischen Lage erkannt und sich entschieden, nicht zu ihrer Kompanie zurück zu kehren.

70 Jahre später zur gleichen Stunde gedachten jetzt Mitglieder der Ottersberger Geschichtswerkstatt gemeinsam mit 30 weiteren Bürgerinnen und Bürgern aus der Umgebung der beiden Hingerichteten.

Blumensträuße mit Trauerflor schmückten die zwei Stolpersteine, die seit 2013 vor dem Exekutionsort, einem fast zugewachsenen Schuppen, an dieses furchtbare Ereignis erinnern sollen.

Fritz Bartels, zweiter Vorsitzender der Geschichtswerkstatt, ging in einer kurzen Ansprache auf die letzten Tage der Delinquenten ein. Auf ihrem Weg in ein ziviles Leben waren sie einem Unteroffizier in die Hände gefallen, der sie beim Divisionsgefechtsstand Bötersen meldete.

In der Böterser Schule erging das Todesurteil, verbunden mit dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte für Schmidt und Kehne. Sie baten um eine mildere Strafe, wollten sich sogar an der Front bewähren. Eine Chance auf Gnade hatten sie jedoch nicht, denn die Strafzumessung orientierte sich an Richtlinien des „Führers“, wonach die Todesstrafe zur Aufrechterhaltung der Manneszucht erforderlich sei.

Fünf Monate nach diesem Mord, im September 1945, wurden die Leichen exhumiert. Auf Wunsch seiner Familie erhielt Heinz Kehne auf dem Friedhof in seiner Heimatstadt Schlangen die letzte Ruhestätte. Alfred Schmidt wurde auf dem Friedhof in Otterstedt beigesetzt.

Obwohl dieses traurige Ereignis jetzt so lange zurückliegt, war den Besuchern der Gedenkfeier ihre tiefe Betroffenheit über den unsinnigen Tod von zwei jungen Menschen anzumerken.

fet

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