Ottersberger Schulausschuss für raschen Grundschul-Mensabau in Posthausen und Fischerhude

Doppelter Ritt auf der Rasierklinge

An der Posthauser Schule soll – wie in Fischerhude – ein Mensaanbau entstehen. Politik und Verwaltung hoffen dafür je auf 650 000 Euro an Förderung.
+
An der Posthauser Schule soll – wie in Fischerhude – ein Mensaanbau entstehen. Politik und Verwaltung hoffen dafür je auf 650 000 Euro an Förderung.

Ottersberg – Die Ottersberger Verwaltung möchte möglichst rasch an den Grundschulen in Posthausen und Fischerhude Mensen anbauen. Die vorhandenen Essensausgaben entsprechen nicht dem, was heute üblich ist – oder bald wird, wenn das Land einen Ganztagsschulbetrieb-Standard definiert. Zudem wächst die Gemeinde, und mit den neuen Baugebieten kommen auch mehr Kinder.

Das machte Bürgermeister Tim Willy Weber am Montagabend beim wegen Corona erneut virtuell tagenden Schulausschuss deutlich. „Wir brauchen eine Mensa. Und wir brauchen sie dauerhaft“, sagte er bezogen auf Posthausen, sieht es aber für Fischerhude genauso.

Die Kommunalpolitiker des Fachausschusses teilten diese Ansicht im Grunde in beiden Fällen. Doch der Finanzausschuss muss am morgigen Donnerstag ebenfalls noch über die Projekte befinden, gehen sie doch eventuell über einen Aspekt der sogenannten Zielvereinbarung von Verwaltungsspitze und Politik aus dem Jahr 2019 hinaus. Die sieht vor, die Investitionen im Schulbaubereich bis 2021 nicht über eine Million Euro hinauswachsen zu lassen.

Doch der Reihe nach: Heiko Szczesny, Projektleiter Bau im Rathaus, stellte dem Gremium den Stand der Planungen vor. In Posthausen fehlen – nach dem Verzicht der Helene-Grulke-Schule auf einen von zwei Räumen – noch ein Allgemeiner Unterrichtsraum und eine Mensa, um den Ganztagsbetrieb zu gewährleisten. Containerlösungen oder die Anmietung von Räumen in der Nachbarschaft zu Dodenhof hin wurden von den Akteuren verworfen.

Der vom Achimer Büro GME konzipierte Mensabau im Erdgeschoss bietet Szczesny zufolge auf 180 Quadratmetern nicht nur ausreichend Platz für die Ausgabe nicht vor Ort frisch gekochten Essens, sondern auch für Aufführungen oder Sitzungen.

Der fehlende Unterrichtsraum würde im Anbau mit geplant, ebenso wie ein Differenzierungsraum. Zusätzlich sollen ein zweiter Aufzug und eine Toilettenanlage im hinteren Schulbereich entstehen. Durch Umbauten im Gebäude würde auch ein zurzeit fehlender Musikraum möglich.

Dank eines frisch aufgelegten Förderprogramms des Bundes für Ganztagsgrundschulen ergibt sich nach Angaben von Heiko Szczesny ein „Beschleunigungsfaktor“. Demnach könnte der Flecken 65 Prozent der Kosten für die Mensa als Zuschuss einpreisen. Doch Eile ist geboten. Die Vergabe erfolgt nach dem Windhundprinzip – oder: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. „Wir wollen den Antrag am 21. Januar in Lüneburg abgeben. Wir wollen da sein“, sagte Szczesny.

Bis Weihnachten müsse der Anbau in Holzbauweise fertig sein, das sei eine Förderbedingung. „Das wird eine stramme Leistung, aber wir versuchen es.“

Bürgermeister Weber berichtete vom Votum aus der vorbereitenden Arbeitsgruppe, den Bau auch ohne Förderung zu machen. Das bereitete aber Gaby Könnecke und Annegret Reysen von der SPD-Ruers-Gruppe Sorgen, weswegen sie sich bei aller grundsätzlichen Zustimmung für die Pläne auch enthielten. Doch ihr Vorschlag, erst zu beginnen, wenn es eine Förderzusage gebe, wurde von der Verwaltung als nicht umsetzbar eingeschätzt. Szczesny: „Völlig unmöglich. Das wird jetzt schon ein Ritt auf der Rasierklinge.“

Die anderen Ausschussmitglieder waren vorbehaltlos einverstanden, so etwa Klaus Rebentisch und die Ausschussvorsitzende Hannah Schwarz-Kaschke (beide CDU). Uwe Dammann (FGBO) lobte zum Beispiel die Möglichkeit, die Mensa als Veranstaltungsraum zu nutzen. Und sein Wählergemeinschaftskollege Harald Steege erinnerte daran, dass auch die SPD für die Aufstellungsbeschlüsse für mehr Baugebiete gestimmt habe.

Svea Krüger, Fachbereichsleiterin Ordnung und Soziales, betonte, der Flecken wachse. Und die Motivation des Handelns sei der Ganztagsbetrieb. Der jetzige Mehrzweckraum eigne sich zum Speisen überhaupt nicht. Man könne nicht „essen zwischen Computern und lernen, wenn die Erbsen vom Vortag da noch rumliegen“.

Bei zwei Enthaltungen sprachen sich zehn Mitglieder für den Verwaltungsvorschlag aus, für 1,2 Millionen Euro eine Mensa zu errichten.

Einstimmig war das Votum im Fall der Fischerhuder Grundschule. Rathausmitarbeiter Heiko Szczesny sagte, noch vor drei, vier Jahren habe man geglaubt, der Raum mit kleiner Ausgabeküche sei groß genug. Ein Irrtum. Dort werde zurzeit in zwei Schichten gegessen. Gegenüber einen zweiten Raum für die Essensausgabe einzurichten, führe aber dazu, dass am Ende insgesamt drei Allgemeine Unterrichtsräume (AUR) fehlten. Stattdessen sollte im Obergeschoss ein Fachraum in einen AUR umgewandelt werden, ebenso wie die jetzige Essensausgabe. Im Erdgeschoss würde ein Werkraum im zurzeit entstehenden, 2018 beschlossenen Anbau eingerichtet.

Die Mensa würde im hinteren Schulbereich – in Holzrahmenbauweise – neu gebaut. Integriert würden Differenzierungsräume, separate Toiletten und Zimmer zum Beispiel für Schulsozialarbeit oder Logopädie. Die nach Süden ausgerichtete Dachfläche sei zudem ideal für Fotovoltaik.

Für den von der Verwaltung präferierten und dann auch vom Fachausschuss empfohlenen Mensaanbau will der Flecken ebenfalls aus dem besagten Förderprogramm 650 000 Euro beantragen.

Christdemokrat Klaus Rebentisch hatte ins Spiel gebracht, bei einem negativen Förderbescheid über Mobilbauten nachzudenken. Doch das schloss Projektleiter Heiko Szczesny aus: Er müsse bis Ostern die Aufträge erteilen, aber die Entscheidung über die Bewilligung erfolge womöglich erst im Sommer. Fachbereichsleiterin Krüger gab zu bedenken, dass sich Kommunen noch bis Ende März um die Fördermittel bewerben könnten.

Eine Containerlösung wurde auch für Fischerhude ausgeschlossen. Über beide Projekte berät aber morgen noch der Finanzausschuss.

Von Philipp Köster

Tim fast allein im Rathaus: Nur Bürgermeister Weber nimmt physisch an der Sitzung im Ratssaal teil. Im Bild sind die Rathausmitarbeiter (v.l.) Uwe Fuchs und Chris Fehsenfeld zu sehen, die sich um den technisch sauberen Ablauf der Online-Übertragung kümmern.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Absolut genial: Was Sie mit Salz alles reinigen können

Absolut genial: Was Sie mit Salz alles reinigen können

Diese Wasch-Tipps von Oma haben ausgedient

Diese Wasch-Tipps von Oma haben ausgedient

„God of War: Ragnarok“, „Halo: Infinite“, „Far Cry 6“ & Co.: Das sind die Game-Highlights 2021

„God of War: Ragnarok“, „Halo: Infinite“, „Far Cry 6“ & Co.: Das sind die Game-Highlights 2021

Meistgelesene Artikel

Roboter sind noch nicht zu sehen

Roboter sind noch nicht zu sehen

Roboter sind noch nicht zu sehen
Reh in Achim-Borstel gerissen: Experten vermuten einen Wolfsangriff

Reh in Achim-Borstel gerissen: Experten vermuten einen Wolfsangriff

Reh in Achim-Borstel gerissen: Experten vermuten einen Wolfsangriff
Hungrig auf Frühling: Gutes Wetter lockt Leute in die Gartencenter

Hungrig auf Frühling: Gutes Wetter lockt Leute in die Gartencenter

Hungrig auf Frühling: Gutes Wetter lockt Leute in die Gartencenter

Kommentare