Parteilose kandidiert für den Bundestag

Susanne Hirsch-Sternberg: Direkte Demokratie statt Fraktionszwang

Susanne Hirsch-Sternberg.

Ottersberg - Bei der Bundestagswahl am 24. September tritt im Wahlkreis Verden-Osterholz auch eine Direktkandidatin an ohne jede Bindung zu einer Partei, die 49-jährige Kunsttherapeutin Susanne Hirsch-Sternberg aus Ottersberg. Manfred Brodt hat die getrennt lebende Mutter dreier Kinder interviewt.

Was hat Sie bewogen , als Einzelkandidatin zur Bundestagswahl anzutreten ohne Bindung an eine Partei oder Gruppe?

Hirsch-Sternberg: Ich habe über eine Freundin von der Initiative der Bürgerkandidaten und deren Idee gehört, für jeden der 299 Wahlkreise mindestens einen parteilosen Direktkandidaten zu finden. Nach meinem Wissensstand hat sich über die letzten Jahrzehnte das Parteiensystem im Bundestag stetig ausgebaut. Kritisch sehe ich die Fraktionsdisziplin, den starken Einfluss der Lobbyisten und die Tatsache, dass man als parteiloser Abgeordneter fast gar keinen Handlungsspielraum im Bundestag hat. Das Parteiensystem scheint mir persönlich eher schwerfällig, sehr mächtig und einer möglichst direkten Demokratie nicht förderlich. Als parteilose Direktkandidatin stehe ich persönlich für meine Arbeit oder Versäumnisse gerade.

Was ist der Sinn dieser doch chancenlosen Kandidatur?

Hirsch-Sternberg: Es gibt momentan bundesweit ca. 32 Bürgerkandidaten, von denen wenige anscheinend mit der gleichen öffentlichen Aufmerksamkeit wie ihre Parteikollegen bedacht werden. Ich verstehe meine Kandidatur als Anfang eines Prozesses, der vielleicht erst in ein paar Jahren in irgendeinem Wahlkreis zu einem parteilosen Bundestagsmandat führen wird, andererseits hier und jetzt Menschen aufhorchen lässt, dass man mit 200 gesammelten Unterschriften auf den Stimmzettel kommt. Auch die Medien erleben einen Überraschungseffekt und die Politikverdrossenheit wird kurz aus dem Schlaf gerissen: Vielleicht kann ich doch irgendetwas tun?

Was sind Ihre fünf wichtigsten Ziele jeweils für den Bund und den Wahlkreis?

Hirsch-Sternberg: Ich habe mich dem Bürgerwillen verpflichtet. Um mich zu positionieren, stehen auf meinem Flyer dennoch meine persönlichen Ziele auf regionaler, bundesweiter und globaler Ebene. Meine fünf wichtigen Ziele für den Wahlkreis sind: Verzicht von Massentierhaltung und den Einsatz von hybridem Saatgut; Ausbau und Subventionierung des ÖPNV, Bürgerbusse, Sammeltaxen; Rabenkrähenbestand regulieren zum Schutz anderer Vogelarten. Bundesweit: Bedingungsloses Grundeinkommen; Schutz der gesamten Tier- und Pflanzenwelt und des Allgemeingutes im Grundgesetz verankern, Schaffung eines Einwanderergesetzes / Integrationspolitik, die die Menschenwürde achtet und Schutz bietet, schnell und fair. Global: Weltfrieden erhalten durch Verbot von Waffenherstellung und –export; unverzüglich Regenwälder und Weltmeere schützen, die Weltmeere reinigen; eine global menschenwürdige und umweltfreundliche Wirtschaft, soziale Gerechtigkeit.

Warum haben Sie sich nicht erst auf der lokalen Ebene politisch engagiert?

Hirsch-Sternberg; 2011 und 2016 fragte mich Tim Weber (FGBO) anlässlich der Kommunalwahlen, ob ich bereit sei, zu kandidieren. Beide Male verwies ich auf meine persönliche Situation, dass ich, getrennt lebend, mit zwei / drei Kindern und berufstätig, ausgelastet sei. Da mir auch die globale Situation so handlungsbedürftig erscheint, habe ich bei der quasi dritten Anfrage beschlossen, ungeachtet meiner persönlichen Verhältnisse, etwas zu tun.

Wer sind Ihre Vorbilder?

Hirsch-Sternberg: Jesus von Nazaret, Nelson Mandela, Sophie Scholl und Willi Graf, Papst Franziskus, Marianne Grimmenstein, Hans-Christian Ströbele, Roman Herzog, Dag Hammarskjöld, Corrie ten Boom, Pina Bausch, Jacques Lusseyran, Julia Butterfly Hill, Otfried Preußler, Natascha Kampusch, Jeanne d’Arc, Martin Luther King, Mundiya Kepanga, Winston Churchill und weitere.

Wen fürchten Sie?

Hirsch-Sternberg: Den Klimawandel.

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