Atelierhaus in Ottersberg

Designstudien von Karl-Heinz Flau zeigen die Anfänge der Werbung

+
Karl-Heinz Flau freute sich zur Ausstellungseröffnung über zahlreiche Besucher.

Ottersberg - Das Atelierhaus am Brink in Ottersberg war seit seiner Gründung Mittelpunkt für Design und ist es in abgespeckter Form bis heute geblieben. Zwar hat es eine wechselhafte Geschichte und Nutzung hinter sich, aber dennoch wird es immer noch mit Leben im anthroposophischen Geiste erfüllt.

Gründer Karl-Heinz Flau, Maler, Grafiker, Designer, Architekt und vieles mehr, hat mit der Wiederbelebung der Galerie seinem facettenreichen Lebenswerk eine Heimat und wechselhafte Ausstellungsmöglichkeiten geschaffen, die bei Kunstfreunden als eine Art Geheimtipp gehandelt werden.

Führungen mit dem Künstler auf Anfrage

Die Präsentationen sind nur an ausgewählten Tagen zugänglich, aber auf Anfrage veranstaltet der Künstler gern Führungen in begrenztem Umfang. Die neueste Ausstellung, jetzt am zweiten Mai-Sonnabend eröffnet, zog zahlreiches Publikum an, darunter einige Weggefährten aus den Anfangszeiten gegenständlicher Werbung.

„Diese Ausstellung ist keine, wie man sie im heutigen Sinne machen würde. Hängung, Gestaltung und Themen fallen unter den Begriff Ökowerbung“, erläutert Karl-Heinz Flau und weist auf ein typisches Beispiel hin: Ein Honigglasdeckel aus dem Jahr 1974 der Firma Rapunzel, konform mit dem Gründungsjahr der Atelierhaus-Initiative. Handgezeichnete Motive, von Flau nach einem puristischen Prinzip gestaltet. Er kam völlig ohne Fotografie aus und beschränkte sich auf das Wesentliche.

Werbung von ihrer naiven Seite

Auf großflächigen Tafeln sind im Atelierhaus Etiketten, Plakate, Packungen von Produkten ausgestellt, die einen Eindruck vermitteln, wie Grafiker seinerzeit arbeiteten. Werbung von einer ehrlichen, fast schon naiven Seite gezeigt, wie es sie heute nicht mehr gibt und sie nur noch in Museen zu sehen ist.

Keine Manipulationen, keine retuschierten Bilder, keine hohlen Sprüche, die die Kundschaft anlocken und nicht eingehalten werden – und Mogelpackungen schon mal gar nicht. Models fehlten, alles war irgendwie original und als Kunst in den Alltag des Verbrauchers hineingetragen – mit dem Anspruch „Das Auge isst mit“ als visuelle Ernährung. Grafiker verhandelten direkt mit den Produzenten, und der Ökoanspruch stand im Vordergrund. „Nachdem sich die Werbeagenturen auch der Ökobewegung bemächtigt haben, ist alles glatt, austauschbar, stillos“, bedauerte Karl-Heinz Flau. Er widmete sich in seiner Ansprache weiter dem „Organik-Design“, dem Gestalten nach dem Willen, das Innere zum Prinzip des Äußeren zu machen.

Künstler fordert, dass zuhause keine Kompromisse gemacht werden

Dies sei auch als Impuls zu verstehen, selbst schöpferisch tätig zu werden, Wohnverhältnisse nicht von der Stange zu kaufen und nicht Kompromisse an den individuellen Stilwillen zu machen.

„In einer lebendig gestalteten Wohnwelt kann sich ein lebendiger Geist entfalten“, fasste der Künstler seine Intention zusammen.

Den Entwürfen seines Organ-Designs liege eine intensive Studienarbeit an Goethes Weltanschauung zugrunde. Dessen Metamorphosenlehre, seine Naturstudien und dazu Rudolf Steiners Anregungen für einen anthroposophischen Kunstimpuls und Stil seien bis heute noch gültig.

kr

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Rundballenpresse in Brand geraten

Rundballenpresse in Brand geraten

Sportwerbewoche des TSV Süstedt

Sportwerbewoche des TSV Süstedt

Die Waffen sind weg: Farc-Krieg ist endgültig Geschichte

Die Waffen sind weg: Farc-Krieg ist endgültig Geschichte

Bund und Niedersachsen streiten über Zahl der Fipronil-Eier

Bund und Niedersachsen streiten über Zahl der Fipronil-Eier

Meistgelesene Artikel

Das Gefühl, Gutes zu tun, gab’s für Gäste gratis dazu

Das Gefühl, Gutes zu tun, gab’s für Gäste gratis dazu

Postfiliale „bis auf Weiteres geschlossen“

Postfiliale „bis auf Weiteres geschlossen“

Riverboatparty bis Sansibar

Riverboatparty bis Sansibar

Verdener Fahrschülerin kollidiert mit mehreren Bäumen

Verdener Fahrschülerin kollidiert mit mehreren Bäumen

Kommentare