„Dein Werk und dein Leben“

„Hilfe und Tat“ verabschiedet nach 24 Jahren Mitbegründer Uwe Remmers

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Uwe Remmers (li.), Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender der humanitären Organisation „Hilfe und Tat“, verabschiedete sich nach über 24 Jahren aus dem Vorstand und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Als sein Nachfolger wurde Günter Grajetzky (re.) gewählt.

Ottersberg - Glasnost und Perestroika machten’s möglich: Wenige Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs startete eine Gruppe von Abenteurern zum ersten Mal aus Ottersberg mit einer Hilfslieferung nach Pinsk in Weißrussland. Aus dieser Fahrt in eine notleidende Region entwickelte sich ein großer humanitärer Gedanke und acht Wochen später – am 5. Januar 1994 – gründeten sechs Männer und eine Frau den Verein „Hilfe und Tat“.

Von diesem Tag an lenkte Uwe Remmers als Mitbegründer, Mann der ersten Stunde und unermüdlicher Motor die Geschicke des Vereins und dessen humanitären Engagements für notleidende Menschen in Osteuropa – mehr als 24 Jahre lang. In der Jahreshauptversammlung von „Hilfe und Tat“ am Dienstagabend im Fischerhuder Gasthof Bellmann wurde Vorsitzender Uwe Remmers (77) auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand verabschiedet und sein Nachfolger Günter Grajetzky ins Amt gewählt. Remmers wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Als 2. Vorsitzender wurde Heinz Kuhr von den 45 Versammlungsteilnehmern im Amt bestätigt. Zur neuen Schatzmeisterin wurde Heide Sanders gewählt, die das Amt von Ute Fetkenhauer übernimmt, die wiederum in das bisher kommissarisch mit ausgeübte Amt der Schriftführerin gewählt wurde.

„Der Verein ist dein Werk und dein Leben“

Die Laudatio auf den mit Blumen, Ehrentafel und vielen Worten des Dankes und der Anerkennung verabschiedeten Uwe Remmers hielt die langjährige Weggefährtin Ute Fetkenhauer. Sie erinnerte in einer sehr persönlichen Ansprache an die Entwicklung der Hilfsorganisation, die untrennbar mit dem Engagement von Remmers verbunden ist und jedes Jahr mit großem persönlichen Einsatz der ehrenamtlichen Packer und Fahrer rund ein Dutzend Transporte mit den gesammelten gespendeten Hilfsgütern in die russische Exklave Kaliningrad und in die polnische Region Ermland/Masuren auf die Beine stellt.

„Der Verein ist dein Werk und dein Leben“, wandte sich Fetkenhauer an den sichtlich bewegten Remmers. „Ich denke da an emotionale Momente wie die Verleihung der Verdienstmedaille des Deutsch-Russischen Forums in Berlin und an die feierliche Übergabe von vielen Dankesurkunden durch Bürgermeister und Landräte im Ermland. Es gab aber auch belastende Situationen, zum Beispiel Autounfälle, Diebstähle oder Schwierigkeiten an der russischen Grenze“, erinnerte Fetkenhauer. „Du hast den Verein beharrlich, mit großer Tatkraft, aber auch mit sehr viel Hingabe geführt und mit immer neuen Ideen und Kontakten weiter entwickelt und gefestigt“, würdigte die Laudatorin Remmers’ Werk.

Versorgungslücken bei den Ärmsten der Armen stopfen

Der langjährige Vorsitzende habe auch interne Disharmonien und Tiefschläge gemeistert und nie den Glauben an den humanitären Gedanken des Vereins verloren: „Du hast dich auch nicht unterkriegen lassen, als die Geradlinigkeit des Vorstands durch ein Gericht festgestellt werden musste. Auch als du in der Kirche in Kaliningrad mit einer Herzattacke zusammengebrochen bist, dachtest du nicht ans Aufhören. Du machtest immer weiter, weil die Bedürftigen im ehemaligen Ostpreußen auf die Hilfstransporte warteten. Trotz des vermeintlichen Wohlstandes in Polen können die dortigen sozialen Stellen mit unseren vielen Hilfslieferungen immer noch große Versorgungslücken bei den Ärmsten der Armen stopfen. Die Bitt- und Dankesbriefe sprechen für sich.“

Uwe Remmers unterstrich in seiner mit Erinnerungen und Anekdoten gespickten persönlichen Bilanz, dass die Not in Kaliningrad, die Missstände in Krankenhäusern und Heimen, das Fehlen von Hilfsmitteln, die in Deutschland selbstverständlich sind, der Antrieb gewesen seien, hier Spenden zu sammeln, die den Menschen dort das Leben erleichtern. Die Spendenbereitschaft für alte und bedürftige Menschen sei von Beginn an enorm gewesen. Ehrenamtliche Helfer hätten sich dem Engagement angeschlossen, Lagerräume seien gefunden und die Hilfsgütertransporte von Russland nach Polen ausgedehnt worden. Besorgt macht Remmers jedoch, dass Gelder für Hilfstransporte knapper würden.

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