„DDR-Stasi – Spitzel von nebenan“: Zeitzeugin Catharina Mäge schildert zur Ausstellungseröffnung im Gymnasium Ottersberg Erfahrungen

Nach schlimmer Haft ging Beobachtung im Westen weiter

Mediengruppe Kreiszeitung
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Ottersberg - Viele Gefängnisse der Bundesrepublik mit ihren Freizeitangeboten, Fernsehern und anderen Annehmlichkeiten seien Urlaubsorte im Vergleich zum DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck, machte Catharina Mäge deutlich.

In der sächsischen Haftanstalt saß sie wegen geplanter Republikflucht ein, weil bei Treffen im Bekanntenkreis damals auch darüber nachgedacht wurde, den sozialistischen deutschen Staat zu verlassen.

In der 70ern war das, und nach rund einem Jahr Gefängnis wurde die gebürtige Berlinerin „freigekauft“, wie es damals hieß. Doch auch nach dem Wechsel in den Westen beobachtete die Staatssicherheit der DDR sie weiter – etwa zehn Jahre lang, wie aus Observationsakten hervorgeht.

Die inzwischen 58-jährige Catharina Mäge berichtete jetzt als Zeitzeugin in der Aula des Ottersberger Gymnasium über Erfahrungen wie die völlige Isolierung während der Untersuchungshaft und über die Akkordarbeit im Gefängnis. Tagtäglich waren vorgegebene Stückzahlen von Bettdecken, Strumpfhosen, Kopfkissen und mehr zu produzieren.

Es gab nur den arbeitsfreien Sonntag ohne irgendwelche anderen Angebote und auch sonst buchstäblich nichts an Zeitvertreib.

Sie habe sich oft gefragt, wie andere, die jahrelang hier inhaftiert waren, das überhaupt ohne völligen Zusammenbruch hätten überleben können, verdeutlichte die Zeitzeugin den unmenschlichen Strafvollzug.

Catharina Mäge, die vor der Gefängniszeit zwölf Jahre in Dresden gewohnt hatte, „bis ich von dem Staat die Nase voll hatte“, sprach zur Eröffnung der Ausstellung „DDR-Stasi – Spitzel von nebenan“, die die Bremer Abteilung der Konrad-Adenauer-Stiftung für die Präsentation in Schulen zusammenstellte.

Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Februar im Ottersberger Gymnasium zu sehen und als Beitrag der Erinnerungskultur zur Aufarbeitung der Geschehnisse in der SED-Diktatur gedacht.

Neun Schautafeln veranschaulichen die zentrale Rolle der Stasi als „Schild und Schwert der Partei“. Auch die Organisation, das Selbstverständnis und die praktische Einflussnahme des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) auf die DDR-Bürger werden dargestellt. Die Perspektive der Betroffenen ist unter den Rubriken „Untersuchungshaft“ und „Fallschilderungen“ vertreten.

Von Stasi-Bespitzelungen, über deren Umfang sie erst nach dem Ende der DDR vieles erfuhr, hatte Catharina Mäge ebenfalls einiges zu berichten – und ebenso von „verbotenen“, bitteren Witzen, die kursierten.

„Sehr interessant“ und „überhaupt nicht langweilig“, schilderten Gymnasiasten nach Ende des durch viele persönliche Erlebnisse geprägten und daher sehr berührenden Vortrags ihre Eindrücke.

Geschichtslehrerin Jutta Pries hatte von der Ausstellung gelesen und sie sozusasagen nach Ottersberg geholt.

Einführende Worte zur Begrüßung sprach Andreas Bösche von der Konrad-Adenauer-Stiftung aus Bremen.

la

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