Bauvorschriften nach mehr als zehn Jahren beschlussreif

Das Maß aller Dinge im Fischerhuder Ortskern

Hinweisschilder an der Kirchstraße in Fischerhude
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Die Hinweisschilder an der Kirchstraße gehen laut künftiger Bauvorschrift als ortstypisch durch.

Fischerhude – Nach mehr als zehn Jahren Auseinandersetzung und Frontenbildung steuert eine scheinbar unendliche Geschichte auf einen Abschluss zu – zumindest gesetzestechnisch. Spätestens im Herbst soll und will der Ottersberger Gemeinderat die zuletzt unter Beteiligung von Bürgern erarbeitete Gestaltungssatzung für den Fischerhuder Ortskern endgültig beschließen.

Der inzwischen erneut aktualisierte Entwurf verbucht politische Zustimmung und wird ab dem 26. April im Rathaus zur Einsichtnahme für jedermann/-frau ausgelegt. Zuvor gibt es am Donnerstagabend eine Einwohnerversammlung zum Thema.

„Fischerhude ist ein durch seine Historie sichtbar geprägter Ort, der sich bis heute seine Ursprünglichkeit weitgehend bewahrt hat. Durch seine besonderen Gestaltungsmerkmale besitzt er eine ganz eigene Charakteristik, die das Dorf von vielen anderen abhebt“, heißt es in der Begründung zur Satzung. Deren Ziel sei es, besagte Charakteristik zu bewahren und für das Ortsbild angemessene Weiterentwicklungen zu ermöglichen. Das individuelle soll dabei hinter dem öffentlichen Interesse zurücktreten.

Was genau als „ortsbestimmende und gestaltprägende Merkmale“ eingestuft wird, darüber gibt die Satzung mit ihren Anlagen detailliert in Wort und Bild Auskunft. Sobald sie Rechtskraft erlangt hat, ist sie das Maß aller Dinge bei Veränderungen und Neugestaltungen von baulichen Anlagen und Freiflächen im festgelegten Geltungsbereich. Der umfasst den Ortskern mit den Siedlungsbereichen beidseits von Landstraße, Kirchstraße und Dieker Ort.

Auch künftig soll dieser Bereich von den drei historischen Gebäudetypen geprägt sein: „Bauernhaus/Scheune, Zwerchhaus, Satteldachhaus mit Drempel“. Zum Aussehen der Dächer, Fassaden, Fenster, Balkone, Wintergärten, Zuwegungen, Einfriedungen, Schuppen, Garagen und Beschilderungen macht die Satzung im Detail dezidierte Vorgaben – bis hin zur Farbe von Solarmodulen.

Die Liste möglicher Ordnungswidrigkeiten ist lang, und jede der 19 Positionen kann mit einer Geldbuße von bis zu 500 000 Euro geahndet werden. Und natürlich müsste der jeweilige Stein des Anstoßes zurückgebaut werden.

Fast drei Jahre ist es her, dass der Gemeinderat einen Kompromiss beschlossen hatte, um die Fischerhuder Feindseligkeiten und Grabenkämpfe zu befrieden. Das Dorf hatte sich über das Für und Wider von Bauvorschriften für den Ortskern in Gegner und Befürworter gespalten. Ein Einwohnerantrag mit mehr als 600 Unterschriften hatte das laufende Satzungsverfahren schließlich ausgebremst und die politische Mehrheit zu einem – zäh errungenen – Kompromiss bewogen. Demnach sollte die Gestaltungssatzung „auf wichtige Regelungsinhalte reduziert“ werden. Die sollten gemeinsam mit der Einwohnerschaft erarbeitet werden und in ein neues Genehmigungsverfahren münden. Satzungsgegner und -befürworter fanden sich in dem Arbeitskreis zusammen. Moderation und Mediation übernahm Lothar Tabery, Vizepräsident der Landesarchitektenkammer, Fachmann für ländliche Baukultur/Ortsgestaltung und zuvor schon öfter als Referent in Fischerhude zu Rate gezogen.

Die Arbeit in der Runde wurde allgemein als fruchtbar bewertet, aber sie dauerte. 2019 eine eingedampfte Satzung vorzulegen, gelang nicht. Mitte 2020 ging das Papier des Arbeitskreises in das Genehmigungsverfahren.

Ob die vereinbarte „Reduzierung auf wesentliche Regelungsinhalte“ gelungen ist, dürfte Ansichtssache sein. Aber bislang gab es zumindest von Bürgern, die Bauamtsleiter Ralf Schack zufolge voriges Jahr ins Rathaus gekommen waren, um sich den Satzungsentwurf anzusehen, keine Einwände.

Allerhand Klarstellungs- und Änderungswünsche formulierte dagegen die Landkreisverwaltung, die von Anfang an Skepsis gegenüber Art und Umfang der geplanten Bauvorschriften gezeigt hatte. Insbesondere bei seinen ureigenen Zuständigkeiten – beispielsweise Baudenkmalspflege oder Beschilderung und Bauunterhaltung der Kreisstraße durch den Fischerhuder Ortskern – will sich der Landkreis nicht ins Handwerk pfuschen lassen.

Apropos Handwerk: Die Handwerkskammer sieht von den kommenden Reglementierungen im Satzungsgebiet eine Reihe von Betrieben betroffen, die Einschränkungen unterworfen würden und für die deshalb Ausnahmen geregelt werden sollten. Dem folgt die Gemeindeverwaltung nicht: „Das ist alles zu erfüllen und machbar auch für Betriebe“, so Schack.

Von Petra Holthusen

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