Bodenständiger Freigeist aus Bassen

Christina Beyer will mit der FDP in den Oytener Gemeinderat einziehen

Will sich für weniger Bürokratie und mehr Digitalisierung stark machen: Christina Beyer, FDP-Kandidatin aus Bassen.
+
Will sich für weniger Bürokratie und mehr Digitalisierung stark machen: Christina Beyer, FDP-Kandidatin aus Bassen.

Bassen – Was sie unbedingt will, das bekommt sie auch, sagt Christina Beyer über sich selbst, in ihren Worten: „Wer mich kennt, weiß: Wofür ich brenne, dafür gehe ich auch diesen Weg.“ Schon als Schülerin an der Grundschule Bassen habe sie den Traum verfolgt, einmal vor Publikum auf der Bühne zu stehen und zu singen. Heute ist sie hauptberuflich ausgebildete Bühnendarstellerin und Sängerin.

Eine ganz andere Bühne könnte nun die neue Herausforderung für sie werden: Die 41-Jährige will mit der FDP in den Oytener Gemeinderat einziehen und kandidiert auf Listenplatz 2.

Die Idee, sich parteipolitisch zu engagieren, hatte Christina Beyer im Winter 2020/21: „Aufgrund der Pandemie gab es bei mir eine verstärkte Auseinandersetzung mit Politik“, erinnert sie sich. Ihr sei aufgefallen, dass sie dabei nicht die Einzige ist: Sogar beim Einkaufen im Supermarkt hätten viele engagiert über Politik debattiert. „Dann habe ich mir gesagt, es nützt ja nichts: Wenn wir nur unter uns reden, können wir nichts bewirken.“

Christina Beyer, Jahrgang 1980, ist in Bassen geboren und aufgewachsen. Als 19-Jährige verließ sie das Dorf, zog nach Hamburg und ließ sich an der „Stage School“ in Hamburg mit Hauptfach Gesang zur Musicaldarstellerin ausbilden. Danach begann ein bewegtes Künstlerleben: Beyer spielte im Musical „Tanz der Vampire“ die Rolle der Sarah und reiste für Konzerte und Tonaufnahmen quer durch Deutschland. Mittlerweile ist sie, wie sie sagt, zu ihren Wurzeln zurückgekehrt, und wohnt mit ihrem Mann Thomas, der in der Elektronikindustrie in Leitungsfunktion tätig ist, und ihren drei Kindern Moritz (9), Lukas (7) und dem sechs Monate alten Nicolas in einem großen Haus mit Garten in Bassen. Beruflich geht sie es auch etwas langsamer an, steht in der „Bucht der Piraten“ im Heidepark Soltau auf der Bühne, singt auf Familienfesten von der Hochzeit bis zur Beerdigung, wirkt bei Tonaufnahmen mit und komponiert und arrangiert selbst.

Auf die Ausbildung als Sängerin hat Christina Beyer, übrigens in der Phase der Familiengründung, noch ein Studium draufgesattelt, das in eine ganz andere Richtung geht: Sport und Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Fitness-Ökonomie. „Ich kann also auch mit Zahlen umgehen“, betont sie. Als die Unterlagen von der Universität dann tatsächlich kamen, habe sie zwar kurzzeitig kalte Füße bekommen. Aber es stellte sich heraus, dass Rechnen ihr ebenfalls lag. Mit Freude arbeitete sie später als Buchhalterin in einem Oytener Betrieb für Generatortechnik. Nun helfen ihr die Zahlenkenntnisse bei der künstlerischen Selbstständigkeit – „und da kann ich sicher auch politisch von profitieren“, glaubt Beyer.

Ihr Mann Thomas ist schon länger FDP-Mitglied, doch dass sie der gleichen Partei beigetreten ist, sei „aus eigener Überzeugung entstanden“, sagt Christina Beyer. Überzeugt habe sie etwa, dass „für die FDP die Freiheit des Menschen an erster Stelle steht“. Zwar würde sie nicht alles unterschreiben, was die FDP bundespolitisch macht, aber die Schnittmenge zu den eigenen Überzeugungen sei bei dieser Partei am größten.

Am Corona-Lockdown störte Christina Beyer am meisten das viele Zuhausesein. Eine Situation, in der gerade Eltern wenig Unterstützung erhalten hätten. „Ich bin es durch meinen Beruf gewöhnt, viel draußen zu sein, und nun wurde mir die Rolle aufgedrückt, nicht nur Mutter, sondern auch Lehrerin und Erzieherin zu sein.“ Als Musikerin habe sie auch finanzielle Einbußen gehabt.

„Politik braucht ein Update“, lautet der Spruch, mit dem Christina Beyer in den Wahlkampf zieht. Denn bislang sei ihr die Politik veraltet und unnahbar vorgekommen. „Ich fühlte mich nicht mitgenommen oder von den Personen angesprochen“, erklärt sie. In dem Begriff „Update“ steckt auch der Wunsch nach mehr Digitalisierung an den Schulen. „Das hätte man einfacher machen können. Jeder hat doch mittlerweile ein Tablet oder Handy, das man auch für den Unterricht an den Grundschulen nutzen könnte.“ Aber das Schulsystem agiere zu schwerfällig und bürokratisch: „Ich hatte angeboten an der Grundschule Bassen, die meine beiden Großen besuchen, einmal pro Woche digitale Sportstunden für die Schüler zu geben.“ Beyer ist auch seit vielen Jahren Übungsleiterin beim TSV Bassen und unterrichtet Kurse wie Yoga Kids, Zumba und Pilates. So schlug sie vor, die Stunden aufzunehmen und einen Link auf die Schul-Homepage zu stellen. „Aber mit diesem Vorschlag habe ich auf Granit gebissen.“ Sie begrüßt, dass inzwischen gerade die Sportvereine in Sachen digitale Angebote deutlich nachgezogen hätten.

Entbürokratisierung und Digitalisierung könnten auch anderen Bereichen guttun: Die Antragstellung beispielsweise für den Personalausweis, Geburtsurkunden oder Kindergeld müsse vereinfacht und digital möglich sein, findet Beyer.

Zudem müsse das Angebot an Krippenplätzen dringend ausgebaut werden, stellt die Bassenerin fest, und nennt ein Beispiel: „Eine Freundin hat einen Krippenplatz gesucht und bekam auch einen. Der war aber so weit weg, dass sich wegen des Anfahrtsweges das Arbeiten für sie nicht gelohnt hätte.“ Es brauche mehr Vielseitigkeit und Flexibilität im Betreuungsbereich. „Was sollen denn zum Beispiel Mütter machen, die im Schichtdienst arbeiten?“

Christina Beyer charakterisiert sich als „ordnungsliebend, was ja eigentlich meinem künstlerischen Freigeist widerspricht“. „Aber eine gewisse Bodenständigkeit ist in diesem Beruf wahrscheinlich wichtig, sonst verliert man sich in dieser Zauberwelt.“ Ansonsten bringe die Bühnenerfahrung viele Vorteile mit sich: So wisse sie um den „Wirkfaktor Stimme“, kenne sich mit Körpersprache aus und verfüge durch die Schauspielerei über Schlagfertigkeit. „Und ich kann mit Gegenwind gut umgehen.“ Auch eigener Schwächen ist sie sich bewusst: „Ich bin ungeduldig und mein Aktionismus kann manchmal auch eine Schwäche sein.“ Vielmehr sei in der Kommunalpolitik, wo manchmal dicke Bretter gebohrt werden müssten, Geduld gefragt. Ihre Synthese: „Man sollte eben schauen, dass das, wofür man kämpft, es wirklich wert ist.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Meistgelesene Artikel

Strahlen-Alarm in Verden: Pinkel-Pause löst Großeinsatz aus

Strahlen-Alarm in Verden: Pinkel-Pause löst Großeinsatz aus

Strahlen-Alarm in Verden: Pinkel-Pause löst Großeinsatz aus
Burger King in Verden öffnet und sucht noch Verstärkung

Burger King in Verden öffnet und sucht noch Verstärkung

Burger King in Verden öffnet und sucht noch Verstärkung
Neue Heimat für den FC Verden 04

Neue Heimat für den FC Verden 04

Neue Heimat für den FC Verden 04
Erdbeben in Verden: Experten haben These für heftige Erderschütterungen

Erdbeben in Verden: Experten haben These für heftige Erderschütterungen

Erdbeben in Verden: Experten haben These für heftige Erderschütterungen

Kommentare