Gemeinderat genehmigt Baupläne

Ja zu Brüning – das Ende einer „angstbehafteten Diskussion“

Ottersberg - Von Petra Holthusen. Nach mühseligem Schieben und einem letzten entschlossenen Ruck war die Kuh um kurz vor halb elf endlich vom Eis.

Mit einer deutlichen 19-Stimmen-Mehrheit genehmigte der Ottersberger Gemeinderat am Donnerstagabend dem Bauvorhaben der Brüning-Unternehmensgruppe am Krummen Ort die erforderliche Ausnahme von der für den Fischerhuder Ortskern geltenden Veränderungssperre und signalisierte der Baugenehmigungsbehörde beim Landkreis das gemeindliche Okay zu den Plänen. Die 9 Nein-Stimmen kamen von Teilen der FGBO, SPD und Grünen. Zuvor war Hans-Jörg Wilkens (SPD) mit einem Antrag auf erneute Vertagung gescheitert.

Es ist seit Monaten  das Gesprächsthema im Dorf: Unternehmer Arnd Brüning will seine Betriebsflächen an der Landstraße vis à vis auf der auslaufenden landwirtschaftlichen Hofstelle Am Krummen Ort 27 erweitern. Brüning braucht 3000 qm zusätzliche Nutzfläche, vor allem Büroraum, und plant neben dem Neubau eines zweigeschossigen Bürotrakts und eines Gästehauses plus Kita auch den Erhalt von Herrenhaus und Rundscheune mit neuer Nutzung als Tagungshaus und Restaurant bzw. für Künstlerateliers – ein Gebäudemix von Alt und Modern mit offener Hofsituation. Von ihm geschätzte Investitionskosten: 6 bis 8 Mio. Euro.

Die Politik musste entscheiden, ob die Baupläne ins Bild passen und mit den Zielen der im Genehmigungsverfahren befindlichen Erhaltungs- und Gestaltungssatzung für den Fischerhuder Dorfkern vereinbar sind – in Abwägung mit den Bedürfnissen des im Ort gewachsenen Unternehmens und seinen mehr als 100 Arbeitsplätzen. Jetzt hat der Rat entschieden. Die Einhaltung von gestalterischen Vorgaben bei Fenstern, Firsthöhen und Dachformen sowie zugelassene Ausnahmen wie gläserne Zwischenbauten und Lichtbänder im Dach sollen im Zuge des Baugenehmigungsverfahrens durch einen städtebaulichen Vertrag zwischen Bauherr und Gemeinde festgeklopft werden.

Schummelei-Verdacht „eine Riesensauerei“

Die erste halbe Stunde der Sitzung am Donnerstagabend gehörte der Aufarbeitung der verunglückten Fischerhuder Ortsratssitzung vom Vorabend. Dazu traten Ratsmitglieder in ausgiebigen Dialog mit den Bürgern im vollbesetzten Zuhörerraum. Wie berichtet, hatte der Ortsrat eine Entscheidung vertagt und Investor Arnd Brüning eine Art Spießrutenlauf im rappelvollen Saal beschert. „Alles nur ein Missverständnis“ hieß es jetzt im Rat nach erneutem Studium von Protokollen und besprochenen Kompromisslösungen in Sachen strittiger Firsthöhen.

Mitarbeiter der Brüning-Gruppe machten sich im Rathaussaal für die Zukunftspläne ihres Unternehmens stark und betonten neben der Arbeitsplatzsicherung vor Ort auch Brünings Sponsering für Sport, Kultur und Kita – was alles wegbreche, wenn er andernorts expandiere. Der Ablauf der Ortsratssitzung sei eine Katastrophe gewesen und „Arnd der Schummelei zu bezichtigen, eine Riesensauerei“, hieß es. Einwohner, die als Projektgegner aktiv sind, sprachen dagegen von ungenauen Planunterlagen oder wollten Brüning ins Gewerbegebiet verlagert sehen.

Bürgermeister Horst Hofmann, Verfechter des Projekts („ein Gewinn für Fischerhude“), stellte die Pläne in der „aktuellen Version von heute“ kurz vor – mit Firsthöhen von 12 Metern beim Hauptgebäude und 11,50 Metern bei den Seitentrakten.

Obwohl nach eigenem Bekunden Befürworter des Vorhabens, hatte Hans-Jörg Wilkens (SPD) „noch Klärungsbedarf“: Es gebe „berechtigte Sorgen“, und weitere Abstimmungen mit Fachbehörde und Investor seien zwingend, „um Klarheit zu schaffen für alle Beteiligten – im Sinne des Projekts und nicht dagegen.“ SPD-Fraktionschefin Gabriele Könnecke unterstützte das. Der Forderung nach mehr Zeit folgten sowohl Angela Hennings (Grüne) als auch Tim Weber (FGBO), um im Rat „eine noch breitere Mehrheit“ zu finden.

Hier und jetzt einen emotionsfreien politischen Beschluss, „ob wir das wollen oder nicht“, forderte dagegen Klaus Rebentisch (CDU) ein – und dazu Vertrauen, dass mit Hilfe der Regelungen eines städtebaulichen Vertrags etwas Gute entstehe. „Man kann doch nur mit aller Gewalt versuchen, so einen Betrieb zu halten“, mahnte Dirk Gieschen (CDU) – zumal damit wenigstens eine der künftig brach liegenden alten Hofstellen im Ort sinnvoll nachgenutzt werde.

SPD, FGBO und Grüne bei Votum gespalten

Während CDU, FDP und Linke plus Bürgermeister geschlossen pro Brüning votierten, waren SPD, FGBO und Grüne gespalten. Sowohl Ratsvorsitzende Erika Janzon (Grüne) als auch SPD-Ratsherr Reiner Schnäpp („Mich überzeugt das Konzept“) scherten mit ihren Ja-Stimmen aus ihren Fraktionen aus. Fischerhudes Ortsbürgermeister Wilfried Mittendorf (FGBO) blieb bei seinem kategorischen Nein. 

Sein FGBO-Fraktionskollege Holger Wieters-Froehlich dagegen gab den Befürwortern, zu denen er selbst zählt, den letzten Anschub mit seiner aufrüttelnden Forderung nach dem Ende „dieser angstbehafteten Diskussion mit wenig Mut und viel Zaudern“: „Lasst uns das Thema heute Abend abhaken!“

Gesagt, getan.

Rubriklistenbild: © dpa

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