Neujahrskonzert auf Buthmanns Hof

Wenn sich Pink Panther hinter der blauen Donau anschleicht

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Das Bremer Kaffeehaus-Orchester bescherte den Gästen des Fischerhuder Neujahrskonzerts mit einem Mix aus Klassik und Moderne einen beschwingten Start ins neue Jahr.

Fischerhude - Von Ilse Walther. Sonne am Neujahrsmorgen und mittags ein nahezu überfüllter Buthmanns Hof beim traditionellen Neujahrskonzert der Freunde der Kammermusik Fischerhude/Quelkhorn – ein perfekter Jahresauftakt.

Für das erste Konzert im neuen Jahr gastierte das renommierte Bremer Kaffeehaus-Orchester mit einer Mischung von Bearbeitungen aus Klassik und Moderne – verrückte musikalische Begegnungen in heiterer Champagner-Laune. Die technische Qualität, künstlerische Reife und Spielfreude der versierten Musiker sind bekannt – und sie können sich auch köstlich selbst auf die Schippe nehmen.

Zu bewundern ist dabei Klaus Fischer. Er beherrscht diverse Blasinstrumente. Blühend und makellos spielt er auf der Quer- und der Piccoloflöte, dem Saxophon, der Clarone, der Bassklarinette und der gebräuchlichen Klarinette. Dabei vollbringt er wahre akrobatische Wechsel der Instrumente: Er hat das Saxophon wie die Klarinette umhängen und tauscht blitzschnell die Instrumente in warm ausgespielten Kantilenen wie auch in pfiffig munteren Läufen. Eine helle Freude ist seine Konzertmoderation mit viel Witz und hintergründigem Humor. Herrlich, wie er Fakten völlig verdreht und auf diese Weise ganz neue Geschichten entstehen.

Dorsch trifft Kern der Musik

Constantin Dorsch als Primgeiger spielt ebenso tonschön und trifft immer genau den Kern der Musik. Dabei wühlt er sich geschmeidig durch die unterschiedlichsten Themen und serviert sie mit Esprit und köstlicher Mimik. Gero John spielt ausgereift schön sein Cello, das auch als reines Percussioninstrument starke Momente farbig leuchten lassen kann.

Beim Fischerhuder Neujahrskonzert war der Pianist Johannes Grundhoff verhindert, wurde aber perfekt durch Peter Knaak vertreten. Anselm Hauke hielt alle musikalischen Fäden auf seinem Kontrabass zusammen, er agierte in den einzelnen Werken perfekt als Bassist wie auch als Rhythmiker.

Mit dem richtigen Sentiment wusste man „An der schönen blauen Donau“ herrlich wienerisch zu walzern. Da schwärmte der Geiger, die Flöte perlte und sang, das Saxophon konnte herrlich schluchzen oder auch markant auftrumpfen. Schon der Beginn mit der „Schönen blauen Donau“ versetzte die Zuhörer in andere Zeiten, alles liebevoll ausgekostet. Musik von den Beatles gefiel in ihrer Vielfältigkeit genauso wie der hinreißende Tango „La Cumparsita“ – oder der so geheimnisvoll heranschleichende „Pink Panther“, mit viel Witz und Übermut geboten in der Originalfassung als Concerto für Rezeptionsklingel und kleines Orchester.

Von Fracks und der Espresso-Polka

Endlich weiß man nun auch um die Bedeutung eines Fracks: Darin lässt sich Karriere machen als Eintänzer mit herrlich schmalzigen Walzern oder auch als Musiker oder als Ober. Schön süffig wurde das erzählt.

Große Klasse war die Urfassung des „Boleros“ von Maurice Ravel mit dem fortlaufenden Rhythmus und dem geistreich ausgespielten, durch die Stimmen wandernden Thema. Verdis Trinklied aus „La Traviata“ durfte sogar mitgesummt werden, und „Ausfahrt Taxedo“ reizte durch sein tollfarbiges Spiel. Da gab es die spritzige Espresso-Polka und eine sentimentale Retrospektive auf das abgelaufene Jahr, bedächtig reflektierend. Oft rankte sich die Violinstimme förmlich um die Bläserpartien, toll musiziert.

Herrlich rockig trumpften die fünf Herren im Frack in „Rock around the Clock“ auf und melancholisch im Beatles-Klassiker „When I’m 64“. Den Gefangenenchor aus „Nabucco“ gab’s zum Mitsingen, und ausgelassen gejuchzt wurde beim Boogie. Zunehmend wurden die Zuhörer mit einbezogen. Das Publikum ließ sich nicht zweimal bitten – und bedankte sich am Ende mit langem Applaus für diesen erfrischenden Start ins neue Jahr, den die Bremer Gäste ihren Zuhörern mit konzertanter Heiterkeit und Leichtigkeit beschert hatten.

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