Bigband „Fettes Blech“ begeistert in Quelkhorn mit Evergreens im Jazz-Gewand

Abba mit anderer Note

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Mutter und Tochter überzeugten beim Konzert im Bergwerk Quelkhorn als Gesangsduo: Andrea Möhle und Maischa Perdelwitz (v.l.).

Quelkhorn - Von Bettina Diercks. Ein Ausnahmekonzert erlebten knapp 140 Zuhörer am Freitag im Saal des Bergwerks in Quelkhorn. Angereist war aus Tarmstedt „Fettes Blech“, die Big Band der Kreismusikschule Rotenburg. Angekündigt hatten sie, das schwedische Kultquartett Abba „etwas anders“ zu präsentieren.

„Etwas“ kann hier für „leicht untertrieben“ stehen. Wer schlicht gecoverte Abba-Songs erwartete, wurde enttäuscht oder angenehm überrascht. Mit einem so simplen Abklatsch gecoverter Songs geben sich die Musiker um Bandleader Johannes Kammann (Stade) nicht zufrieden. „Vor zwei Jahren haben wir überlegt, dass wir etwas projektbezogenes machen. Neben Vorschlägen wie Udo Lindenberg und Jimi Hendrix kamen wir auf Abba“, sagt der international musizierende Kammann. Der Lehrer für Trompete, Posaune, Horn und Keyboard an der Kreismusikschule, der dort außerdem die Bläserklasse und Big Band unter sich vereint, knüpfte an alte Kontakte an. Kammann bat Jazz-Musiker und -Komponist David Grottschreiber, gebürtiger Stader mit Sitz an der Musikhochschule Luzern, „uns zehn Abba-Stücke auf den Leib zu schreiben“. Der mehrfach preisgekrönte Jazz-Arrangeur G(r)ottschreiber schuf eine gänzlich neue Abba-Welt.

Die Melodien sind unter der Jazz-Note zu erkennen, die Texte blieben original. Grottschreiber hatte bei einigen Stücken das Tempo rausgenommen, so dass zusätzliche Variationen entstanden. Bei allen zehn Werken sind die einzelnen Stimmen heraus zu hören, die Soli sitzen; eine perfekte Darbietung, abgerundet durch die entspannte Haltung der Band und eine schummrige Beleuchtung.

Angetreten sind „Fettes Blech“ in Quelkhorn mit zwölf Bläsern, Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug, an dem Kammann werkelt, sowie Frontfrau Andrea Möhle mit Tochter Maischa. Sie ist eine gesangliche Offenbarung und sorgt bei der tief melancholischen Ballade „The Winner Takes It All“ für Gänsehaut, Tränenund gezückte Taschentücher. So, wie es bereits aus dem Jahre 1980 übermittelt wird, als der Song entsteht. Wer Abba noch im Original kennt, mag zustimmen: Zwar hatte Maischa Perdelwitz äußerlich so rein gar nichts mit Abba-Leadsängerin Agnetha Fältskog und auch eine andere Klangfarbe, dennoch sticht sie die Schwedin gesanglich aus. Perdelwitz ist Preisträgerin von „Jugend musiziert“, war 2013 unter den letzten 150 Sängern bei der TV-Show „The Voice of Germany“.

Maischas Mutter Andrea ist seit Gründung der Big Band vor zehn Jahren dabei. Nach der Ballade „Thank You For The Music“, bei der Maischa ihrer Mutter ein bezauberndes Lächeln schenkt, sagt sie: „Ich finde es toll, welches Geschenk du uns machst mit deiner Stimme.“ Und sie bestätigt, wie in dem Song dargestellt: „Maischa konnte tatsächlich tanzen, bevor sie laufen konnte und singen, bevor sie sprechen konnte.“ Die beiden harmonierten nicht nur als Familie auf der Bühne, sondern auch als gesangliches Duett.

Die Big Band ist beeindruckend von „Familie“ geprägt. Mehrere Mutter-Tochter- beziehungsweise -Sohn-Gespanne befinden sich darunter. Andrea Möhle witzelte: „Die Band gäbe es nicht, würden wir uns nicht vermehren.“

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