Besorgte Bürger veranstalten „Talk um TTIP“ mit Hickel und Trüpel als Experten

„Nichts überstülpen lassen, sondern mitdenken“

+
TTIP – was kommt da auf uns zu...? In einem „Talk um TTIP“ mit einem hochkarätig besetzten Podium wollen Agnes Graf, Cornelia Wolf-Becker, Erika Mahnken und Thomas Grunenberg (von rechts) zur Aufklärung beitragen.

Fischerhude - TTIP ist im Anmarsch und der politisch interessierte Bürger besorgt. Wie Agnes Graf, Cornelia Wolf-Becker, Erika Mahnken, Birgit Münkner und Thomas Grunenberg in Fischerhude. Um Chancen und Risiken des geplanten Handelsabkommens geht es im „Talk um TTIP“, den die fünf am Donnerstag, 10. September, ab 19.30 Uhr im Saal des „Bergwerks“ in Quelkhorn veranstalten. Für ihre Informations- und Diskussionsveranstaltung von Bürgern für Bürger konnten die Initiatoren das Podium hochkarätig besetzen.

Als Referenten haben zugesagt: Prof. Dr. Rudolf Hickel (Universität Bremen, Institut Arbeit und Wirtschaft), Dr. Helga Trüpel, Mitglied des Europäischen Parlaments (Bündnis 90/Die Grünen), Nora Rohde (Deutscher Gewerkschaftsbund), Hubert Bühne (Industrie- und Handelskammer Stade) und Axel Berger (Deutsches Institut für Entwicklungspolitik). Angefragte hiesige Bundespolitiker von CDU und SPD haben eine Teilnahme abgesagt.

Zweieinhalb Millionen Unterschriften hat die europäische Bürgerinitiative gegen TTIP bisher gesammelt. „Eine Gefahr für Demokratie und Rechtsstaat, Umwelt-, Arbeitnehmer- und Verbraucherschutz“ sehen Kritiker in dem seit zwei Jahren in der Verhandlung befindlichen Handelsabkommen zwischen der EU und den USA. Dass TTIP wie eine Geheimsache verhandelt wird, obwohl es – von der Datensicherheit bis zu Standards für Lebensmittel – massive Einschnitte für EU-Bürger bedeuten kann, schürt Angst und Skepsis.

„Was kommt da auf uns zu? Was wird hinter den Kulissen international verhandelt? – Wir wollen uns davon nicht unkontrolliert überrollen lassen, sondern Einflussmöglichkeiten ausloten“, sagt Thomas Grunenberg, der gemeinsam mit Conny Wolf-Becker die Moderation des „Talk um TTIP“ übernimmt. Der Abend sei „eine Veranstaltung zur Selbstaufklärung, damit sich jeder erstmal ein Bild machen kann“.

Die gastgebenden Bürger haben angesichts des undurchsichtigen TTIP-Verhandlungsprozesses, in dem sogar Europaparlamentarier Vertragsinhalte nur mit geschwärzten Textpassagen vorgelegt kriegen, selbst viele Fragen an ihre Referenten: „Wo haben sie ihre Informationen her? Worauf verlassen sie sich? Wer entscheidet eigentlich was wie wo genau? Und wo sind Einflussmöglichkeiten?“, zählt Conny Wolf-Becker auf. Zu Beginn der Gesprächsrunde haben die Podiumsgäste Gelegenheit, TTIP zu erklären und ihre eigene Position darzulegen. Fragen aus dem Publikum werden auf Zetteln eingesammelt, gebündelt und nach einer Pause zentral am Podium gestellt und beantwortet. Und dann darf rege diskutiert werden.

„Die Globalisierung läuft – wir kommen um Handelsabkommen nicht herum“, meint Thomas Grunenberg, „die Frage ist aber, wie sie gestaltet werden.“ Und da sollten Bürger sich „nichts überstülpen lassen, sondern mitdenken und mitwirken“. Ein Schritt dahin: Information und Aufklärung beim „Talk um TTIP“, weitere Aktivitäten können folgen. „Global denken, lokal handeln“, reaktiviert Grunenberg das gute alte Motto der Agenda 21 der UN.

Dass das umstrittene transatlantische Freihandelsabkommen, das „Handelshemmnisse“ abbauen soll, jede und jeden angeht, ist für die besorgten Bürger keine Frage. TTIP wirkt in alle Lebensbereiche, wenn es um die Festlegung von gleichen Standards für EU und USA geht. Kritiker befürchten, dass hiesige hohe gesetzliche Standards im Umwelt-, Verbraucher-, Gesundheits- und Arbeitsschutz dabei den Bach runtergehen. Agnes Graf nennt beispielhaft die Kennzeichnungspflicht bei Lebensmitteln: „Ich will das doch aber wissen, was da verarbeitet wurde.“ Erika Mahnken führt die mögliche Privatisierung des Trinkwassers an: „Das will doch wohl keiner.“ Das hohe Gut des Rechtsstaats in Gefahr sieht Conny Wolf-Becker durch internationale nicht-staatliche Schiedsgerichte, die Schadensersatzforderungen von Konzernen gegen Staaten verhandeln.

pee

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Zwei Elfmeter-Tore: DFB-Elf zieht ins EM-Viertelfinale ein

Zwei Elfmeter-Tore: DFB-Elf zieht ins EM-Viertelfinale ein

Bilder: Keine Nerven vom Punkt - DFB-Frauen siegen gegen Russland

Bilder: Keine Nerven vom Punkt - DFB-Frauen siegen gegen Russland

Schwimmer Wellbrock erreicht WM-Finale: "Riesig"

Schwimmer Wellbrock erreicht WM-Finale: "Riesig"

Sommerreise durch den Landkreis Diepholz - der Dienstag

Sommerreise durch den Landkreis Diepholz - der Dienstag

Meistgelesene Artikel

Großeinsatz: Aber der Kanute übte nur

Großeinsatz: Aber der Kanute übte nur

19-Jährige prallt frontal gegen Baum

19-Jährige prallt frontal gegen Baum

Kanu kentert – zwei Teenager vermisst

Kanu kentert – zwei Teenager vermisst

Axthieb statt Lohn für Schwarzarbeiter

Axthieb statt Lohn für Schwarzarbeiter

Kommentare