Chirurg Jörg Rüggeberg wirbt im Ottersberger Gymnasium

Berufsziel Aufschneider? Dann ran an den Endoskopietrainer

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Gummibärchen mit den winzigen Zangen aus dem Hohlraum zu fischen, war die Aufgabe am Endoskopietrainer, als der Ottersberger Chirurg Jörg Rüggeberg gestern bei Zehntklässlern im Gymnasium auf mitreißende Art Werbung für seinen Beruf machte.

Ottersberg - Von Petra Holthusen. Von wegen Halbgott im weißen Kittel: „Wir Chirurgen tragen Blaumann. Und wir sind eher so von der lockeren Art.“

Den leibhaftigen Beweis des hemdsärmelig-humorvollen Handwerkers unter den Ärzten trat Dr. med. Jörg-Andreas Rüggeberg, Facharzt für Chirurgie aus Ottersberg, am Mittwoch höchstpersönlich vor Zehntklässlern des Ottersberger Gymnasiums an. Denen brachte Rüggeberg das „Berufsziel Aufschneider“ nahe – mit ganz praktischen Übungen an nachgemachten Geschwüren in Apfelsinen, klaffenden Schweineherzen und am Endoskopie-Simulator.

Rüggeberg ist seit 40 Jahren Chirurg mit eigener Praxis, hat viel erlebt und fast alles operiert. Außerdem ist er Vizepräsident des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen und als solcher auch mit dem Thema Ausbildung befasst. Weil „wir wie alle auch Nachwuchsprobleme haben“, hat die Chirurgen-Vereinigung die Kampagne „Nur Mut“ entwickelt: Mit praktischen Projekten wirbt sie bei Medizinstudenten für die verschiedenen chirurgischen Facharztausbildungen.

Aber: „Man kann ja nicht früh genug anfangen“, und deshalb kam Rüggeberg im Rahmen eines Projekts zur Berufsorientierung für interessierte Zehntklässler gerne mit einer abgespeckten Version von „Nur Mut“ ins Ottersberger Gymnasium, dem er auch als Vater verbunden ist. Eine zweite Gruppe Zehntklässler kommt nächste Woche in den Genuss.

Abiturnoten durchaus entscheidend

Zehnte Klasse – für Rüggeberg genau der richtige Zeitpunkt, die jungen Leute nochmal mit einer Extraportion Motivation Richtung gute Abiturnoten zu kitzeln. Schließlich braucht, wer Medizin studieren will, einen Notenschnitt von 1,0.

Bei aller Hemdsärmeligkeit: Geschickte Finger sind schon Pflicht. Also „fangen wir mal mit dem Grundhandwerk an“, sagte Rüggeberg, „mit Knoten. Ohne Knoten können wir in der Chirurgie nichts anfangen. Man muss ja alles irgendwie wieder zusammenkriegen.“ Zum Zusammennähen hatte er zwei Schweineherzen mitgebracht, „und da möchte ich hinterher wieder schöne Herzen sehen!“. 

Auch das operative Entfernen von mit Nüssen simulierten Tumoren aus Apfelsinen verlangte eine gehörige Portion feinmotorisches Geschick. Sogar beidhändig das Ganze am Endoskopietrainer für das Üben minimal-invasiver operativer Eingriffe – gestern am Beispiel von Gummibärchen, die mit den winzigen Zangen am Ende der Endoskope aus dem Hohlraum zu fischen waren, sichtbar für den Operateur nur auf dem Monitor. „Die Gummibärchen dürft ihr behalten“, befeuerte Rüggeberg den Ehrgeiz der Schüler augenzwinkernd.

Jede Menge lustige Übungen

Alles in allem hatte der Chirurg „jede Menge lustige Übungen für euch“ und dazu den Hinweis: „In der Chirurgie geht’s nicht um Schnelligkeit, sondern um Genauigkeit.“ Aber, so der Nachsatz, „ewig soll’s natürlich auch nicht dauern“. Das im Interesse des Patienten, dessen Wohl an oberster Stelle steht. 

Und wenn das zur Sprache kommt, wird auch Rüggeberg ganz ernst: Die locker-lässige Einführung in die Geschichte der Chirurgie und all das, „was euch blüht, wenn ihr Chirurg werden wollt“, beschloss er mit dem Verweis auf die immense Verantwortung: „Wer nicht in der Lage ist, verantwortliche Entscheidungen für Patienten zu treffen, sollte die Finger von dem Beruf lassen.“

Klar könne man als Chirurg viel Geld verdienen – dafür habe man auch lange Arbeitszeiten, sagte Rüggeberg. „Aber“, sinnierte er leise, „man macht das ja gerne.“

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