Landkreis lehnt Bauantrag in Fischerhude ab

Wohnungsbau am Dieker Ort gescheitert

Baugrund neben der alten Fischerhuder Wassermühle
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Das Seniorenwohnungsbauprojekt der Brüning Family Holding am Dieker Ort neben der alten Fischerhuder Wassermühle ist gescheitert. Der Landkreis hat den Bauantrag für den Investor überraschend abgelehnt.

Fischerhude – Das Bauprojekt „Wohnen im Alter in Gemeinschaft“ der Brüning Family Holding GmbH am Dieker Ort in Fischerhude ist gescheitert. Der Landkreis Verden hat das Vorhaben aus bauplanungs- und bauordnungsrechtlichen Gründen für unzulässig erklärt und den Bauantrag für das Mehrfamilienhaus mit 15 Seniorenwohnungen, Gemeinschaftsräumen und 23 Autostellplätzen abgelehnt: Das Vorhaben beeinträchtige in seinen Ausmaßen „das Erscheinungsbild im locker bebauten historischen Ortsbereich mit Wassermühle und typischen ortsbildprägenden Wohn- und Wirtschaftsgebäuden aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts“, schreibt die Genehmigungsbehörde in der Begründung.

Für Investor Arnd Brüning kam die amtliche Ablehnung – „ohne Anhörung, ohne mal mit uns zu sprechen“ – völlig unerwartet. Überraschend vor allem deshalb, weil die Gemeinde Ottersberg das Vorhaben positiv beurteilt habe und er das Bauprojekt in engem Austausch und einem langwierigen Prozess der Planung und Diskussion freiwillig allen Vorgaben der Ortskern-Baugestaltungssatzung unterworfen habe, erklärt der Fischerhuder Unternehmer auf Nachfrage.

Zwei Jahre Zeit und 180 .000 Euro Planungskosten hat Brüning nach eigenen Angaben sinnlos vergeudet: „Ein ganz schlechtes Signal an Investoren, die Konzepte für die Nachnutzung alter Hofstellen entwickeln wollen.“ Zwar laufe noch ein Widerspruch gegen die Ablehnung, aber er habe das Projekt abgehakt. Ein „mögliches Szenario“ sei für ihn jetzt der Weiterverkauf des 3500 Quadratmeter großen Areals neben der alten Wassermühle an einen anderen Investor. Ob das Grundstück im historischen Fischerhuder Ortskern danach eine private oder eine gewerbliche Nutzung erfährt, bleibt abzuwarten.

Im Dezember 2019 hatte Brünings Family Holding, die in Immobilien mit öffentlicher Relevanz (Stichwort Otterstedter Haus am See) investiert, die alte Hofstelle am Dieker Ort gekauft. Bis zum Herbst 2020 wurden Brüning zufolge die ersten Entwürfe für die neue Seniorenwohnanlage mit Landkreis und Gemeinde abgestimmt. Ein intensiver Austausch mit Gestaltungssatzungsarchitekt Lothar Tabery und Bürgermeister Tim Willy Weber über Volumen, Anordnung und Optik des Neubaus in Nachfolge des alten Bauernhauses schloss sich an – und in der Folge ein angepasster architektonischer Entwurf.

Im Juli vorigen Jahres reichte der Investor den Bauantrag beim Landkreis Verden ein – „im Vertrauen auf die bis dahin erhaltenen mündlichen Aussagen“, so Brüning. Und mit dem mehrheitlichen Einvernehmen der Ottersberger Politik und Verwaltung im Rücken. Die Ablehnung des Bauantrags Ende November kam für Brüning „wie aus heiterem Himmel“. Dass „trotz Transparenz und Beteiligung der Öffentlichkeit“ nun nach dem Verwaltungsbau der Brüning Group an der Landstraße auch sein zweites geplantes Großprojekt im Ort gescheitert ist, findet er enttäuschend.

Laut Landkreis ist „eine derartige städtebauliche Verdichtung mit dem Einfügungsgebot nicht vereinbar“. Die Nutzung der 23 Stellplätze lasse für die Umgebung unzumutbare Belästigungen erwarten und für die denkmalgeschützte Kopfsteinpflasterstraße starke Beeinträchtigungen, heißt es in der Ablehnung. Dass sich das Vorhaben mit seiner Größe und Nutzungsintensität nicht in die Umgebung einfüge, somit „bewältigungsbedürftige Spannungen“ verursache, zu einer „Störung oder Belastung der Umwelt führt und damit Unruhe stiftet“ – diese Argumente der Bauordnungsbehörde decken sich mit denen von Nachbarn am Dieker Ort, die Brünings Vorhaben von Beginn an bekämpft und zuletzt mit Klage gedroht hatten.

„Weil sich ihre Wohnsituation verändert hätte“, hat Brüning dafür durchaus Verständnis. Aber: Laut Interessentenliste für die Seniorenwohnungen wären „mindestens zehn Häuser in Fischerhude frei geworden für junge Familien“. Für den Unternehmer stellt sich deshalb die Frage: „Was ist wichtiger? Das persönliche Interesse Einzelner oder das allgemeine?“ Politisch werde viel geredet von Wohnraumverdichtung und Lösungen fürs Leben im Alter, aber das sei offenbar „bloß Gelaber“. Rückenwind der Gemeinde habe er jedenfalls nur so lange gespürt, „bis ein bisschen Gegenwind kam“, sagt Brüning.

Der Fischerhuder vermisst bei Politik und Verwaltung den „konstruktiven Ansatz“ für die Nachnutzung aufgegebener Höfe – eine drängende Aufgabe, der sich der Ort endlich stellen müsse. „Aber ohne Planungssicherheit“, so Brüning, „wird kein Investor hier einen Cent investieren.“

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