Baracken voll Schrott und Müll / Neue Park-&-Ride-Anlage sorgt für Besserung

Bahnhof im Norden hui – auf der Südseite (noch) pfui

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Die Entsorgung wird teuer.

Ottersberg - Vorne hui, hinten pfui. So sieht’s aus am Ottersberger Bahnhof. Das allerdings ist nichts Neues, sondern langjähriger Ist-Zustand. Während das Bahnhofsgebäude auf der Nordseite durch die studentische Wohninitiative in Schuss gehalten wird und der Bahnhof selbst gerade seinen barrierefreien Ausbau gefeiert hat, findet sich südlich der Gleise auf dem Bahngelände parallel zum Amselweg eine üppige Ansammlung baufälliger Baracken voller Schrott und Sperrmüll – nach Auskunft der Gemeinde die Hinterlassenschaft eines ehemaligen Sarggroßhandels und seiner diversen Untermieter.

Weil am Ottersberger Bahnhof angeblich „alles voller Särge und Leichenpulver ist“, schaffte es das unliebsame Erbe das Sarghändlers gestern in die Schlagzeilen der Boulevardpresse. Zwar geht freiwillig kein Mensch zwischen den Baracken spazieren und es liegen auch keine übrig gebliebenen Särge offen sichtbar herum, aber einen schockierenden Anblick bietet das verwahrloste Areal dennoch.

Das wissen auch Rat und Verwaltung des Fleckens Ottersberg – spätestens seit der jüngsten Ortsbegehung, „als wir mit Schrecken gesehen haben, dass in diesen Baracken auch mal Menschen gehaust haben müssen“, wie Jürgen Buthmann-von Schwartz, stellvertretender Chef der Gemeindeverwaltung, sagt. Wegen der seit Jahrzehnten ins Auge gefassten Erweiterung des Bahnhofs hatte die Gemeinde das Gelände an den Gleisen vor langer Zeit von der Bundesbahn übernommen – samt der laufenden Mietverträge zu den bestehenden Konditionen. „Der Zustand war uns bekannt; das sah da damals schon so aus“, erinnert sich Buthmann-von Schwartz. Aber Bahngelände habe seine eigenen Gesetze: Dort habe man keine Baugenehmigungen oder ähnliches gebraucht, sondern praktisch vogelfrei leben und wirtschaften können.

Wegen des lange ersehnten und nun realisierten Bahnhofsumbaus kündigte die Gemeinde den Mietern auf der Südseite schon im vergangenen Jahr. „Bis zu diesem Sommer sollten sie klar Schiff machen“, so Buthmann-von Schwartz. Weder mit dem Brieftaubenzüchterverein noch mit dem Garten- und Landschaftsbaubetrieb im vorderen Bereich des Geländes habe es Probleme gegeben – „aber der Sarggroßhändler hat sich einfach aus dem Staub gemacht und sein Zeug da gelassen“. Und da man einem nackten Mann nicht in die Tasche fassen könne, bleibe die Gemeinde auf der Entsorgung sitzen.

Zumindest ein Teil des Mülls wird in Kürze verschwinden. In seiner letzten Sitzung in diesem Jahr hat der Verwaltungsausschuss als zuständiges Ratsgremium die Aufträge zum Bau der neuen Park-&-Ride-Anlage mit 60 Stellplätzen plus Fahrradparkplatz auf der Südseite des Bahnhofs vergeben. Je nach Wetterlage „geht’s im Februar oder März los“, kündigt Buthmann-von Schwartz an. Die Baukosten von 509000 Euro werden zum größten Teil vom Land Niedersachsen finanziert. Nachdem der Mittelbahnsteig seit Anfang Dezember über einen barrierefreien Aufgang aus der Tiefe der Bahnhofsunterführung zu erreichen ist, rundet die neue Park-&-Ride-Anlage auf der Südseite den Um- und Ausbau des Bahnhofs ab.

Für die Parkplatzanlage wird das Gelände nahe am Tunnelzugang saniert und werden teilweise alte Gebäude abgerissen. Aber nicht die vermüllten Baracken im hinteren Bereich – zumindest noch nicht. „Das muss natürlich weg“, weiß Buthmann-von Schwartz, aber der Knackpunkt dürften die Abriss- und Entsorgungskosten werden. „Einfach mit dem Bagger zusammenschieben“ funktioniere nicht: „Es gibt dort verschiedene Arten von Müll, die alle einzeln sortiert und entsorgt werden müssen“, befürchtet Buthmann-von Schwartz.

pee

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