Das Beste ist die Kruste

Jeder kann sein Brot zum Backen im Steinofen am Fischerhuder Pfarrhaus bringen

Routiniert kippt Norman Kuhlmann die Brotteige vom Gärkörbchen auf den Schieber und befördert sie flugs in den extrem heißen Steinbackofen.
+
Routiniert kippt Norman Kuhlmann die Brotteige vom Gärkörbchen auf den Schieber und befördert sie flugs in den extrem heißen Steinbackofen.

Fischerhude - Von Petra Holthusen. „Morgen um 17 Uhr ist der Ofen heiß. Liebe Grüße!“ Im Schnitt einmal die Woche ploppt so eine Nachricht von Pastorin Silke Kuhlmann in der E-Mail oder WhatsApp der angeschlossenen Backfreunde auf. Das ist das Signal: Mehltüten raus, Knethaken an. Jeder rührt zusammen, worauf er Lust hat, meistens ein rustikales Brot, aber auch Pizza oder Kuchen. Mit dem Teig in Gärkörbchen oder feuerfesten Formen geht’s zur angesagten Zeit zum vorgeheizten Steinbackofen. Der steht auf dem Gelände der evangelischen Kirchengemeinde Fischerhude zwischen Pfarr- und Altem Pastorenhaus an der Kirchstraße, ist selbst gebaut und wird befeuert und betrieben von Norman Kuhlmann.

Allein sieben große Brote schiebt Kuhlmann für seine eigene Familie in den rund 350 Grad heißen Ofen – die Wochenration für den sechsköpfigen Pastorenhaushalt. Das Besondere am Backwerk aus dem Steinofen ist für Silke Kuhlmann, dass es eben selbst gemacht ist mit wechselnden Zutaten nach eigener Wahl – und dass es super schmeckt: „Ich esse überhaupt kein anderes Brot mehr.“ Das Beste ist die Kruste: „Die kriegt man nur bei diesen Temperaturen so hin.“

Alle, die mögen, können eigenen Teig zum Backen bringen. Den jeweils nächsten Termin, wann der Ofen im Garten angeheizt wird, gibt die Pastorin in den eigens dafür eingerichteten E-Mail- und WhatsApp-Gruppen bekannt. Etwa ein Dutzend interessierte Familien sind aktuell im Verteiler. „Es dürfen gerne noch mehr werden“, sagt Silke Kuhlmann. Im Ofen ist schließlich reichlich Platz, und das Steinmaterial speichert die Hitze extrem lange. Mehr als 70 Brote in drei Durchgängen hat die Pastorin voriges Jahr zum Erntedankfest mit ihren Konfirmanden gebacken.

Der Walnussbrotteig ist etwas flüssig geraten – bevor er in den Ofen kann, muss etwas nachgemehlt werden ...

An- oder Abmelden muss sich zu den Backtagen niemand – wer Lust und Appetit hat, kommt einfach. Jetzt in Zeiten der Kontaktbeschränkung wegen der Corona-Epidemie „bleiben die meisten weg“, erzählt Silke Kuhlmann. Aber nicht alle. Manche übergeben fix ihre Gärkörbchen und holen eine halbe Stunde später ihr fertiges Brot ab, andere nutzen die Gelegenheit, um unter freiem Himmel mit gebotenem Sicherheitsabstand ein Weilchen zu plaudern.

Das war auch ein Ursprungsgedanke des Ofenprojekts: „Es soll, so der Wunsch des Kirchenvorstands, ein Ort der Gemeinschaft und des Austausches entstehen – denn der Ofen steht auch für das Backen mit Konfirmanden, Frauenkreisen, Männergruppen, Bibelkids und weiteren Gruppen zur Verfügung“, schildert Silke Kuhlmann. Möglich gemacht hat den Bau eine großzügige Spende aus der Gemeinde plus Eigenleistung einiger Männer, allen voran Initiator Norman Kuhlmann.

Zum Anbeißen: Die fertigen Brote, die Norman Kuhlmann gerade aus dem Ofen geholt hat.

Auf einem Fundament liegt eine dicke Betonplatte. Auf der steht der Kuppelofen, der im Inneren aus Schamottesteinen geformt und nach außen isoliert ist. Für die wöchentliche Befeuerung und den entsprechenden Holzvorrat sorgt Norman Kuhlmann. Er bestückt auch den heißen Ofen mit den gebrachten Teigen und holt die fertigen Brote wieder raus. Jeder Laib wird kurz abgeklopft: „Wenn es hohl klingt, ist das Brot innen durch“, erklärt der Fachmann, der gerne mit seinen eigenen Teigmischungen experimentiert. Beim Anheizen des Ofens entsteht je nach Wind und Wetter dichter schwarzer Qualm, und das sorgte anfangs für Irritation in der Nachbarschaft. „Aber inzwischen wissen die Leute Bescheid“, sagt Kuhlmann schmunzelnd, „es brennt nicht – das ist nur wieder der Mann von der Pastorin ...“

Die wiederum gern mehr als Brot im Ofen backt. Vorweg zum Beispiel Pizza, und zum Schluss, wenn die Temperatur etwas gesunken ist, Kuchen. „Und selbst danach“, so Silke Kuhlmann, „ist der Ofen noch heiß genug, um einen Eintopf mit oder ohne Fleisch zu schmoren oder Früchte zu trocknen.“

Kontakt

Jedermann/-frau kann im Rahmen des kirchengemeindlichen Ofenprojekts in Fischerhude eigene Teige zum Backen oder Gerichte zum Schmoren bringen, wenn der Ofen angeheizt ist. Die Backtermine werden per E-Mail und WhatsApp bekanntgegeben. Wer in einen der Verteiler aufgenommen werden möchte, kann sich bei Pastorin Silke Kuhlmann melden – per E-Mail an Silke.Kuhlmann@evlka.de oder unter Telefon 04293 / 352. In der Regel wird der Steinbackofen am Pfarrhaus einmal in der Woche angeheizt.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Landkreis Verden: Drei Menschen bei <br/>Unfall schwerst  verletzt

Landkreis Verden: Drei Menschen bei
Unfall schwerst verletzt

Landkreis Verden: Drei Menschen bei
Unfall schwerst verletzt
Wieder Mangel an Impfstoff

Wieder Mangel an Impfstoff

Wieder Mangel an Impfstoff
 Dennis Körte neuer Kreisbrandmeister

Dennis Körte neuer Kreisbrandmeister

Dennis Körte neuer Kreisbrandmeister
Freude auf dem Weihnachtsmarkt:<br/>Nikolaus’ Sessel wieder aufgetaucht

Freude auf dem Weihnachtsmarkt:
Nikolaus’ Sessel wieder aufgetaucht

Freude auf dem Weihnachtsmarkt:
Nikolaus’ Sessel wieder aufgetaucht

Kommentare