250 Satzungsgegner beim Protestfototermin

Fischerhuder Unternehmer pochen auf Gestaltungsfreiheit

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Rund 250 Menschen folgten dem Aufruf von fünf Fischerhuder Unternehmern, ein Zeichen gegen die Gestaltungssatzung für den Ortskern zu setzen.

Fischerhude - Von Petra Holthusen. Jetzt melden sich örtliche Unternehmer zu Wort. Fünf Betriebsinhaber machen mobil gegen die Gestaltungssatzung für den alten Fischerhuder Ortskern: „Wir sehen unsere Infrastruktur mit Ärzten, Landwirtschaft, Kaufleuten und Handwerkern in Gefahr. Gestaltungsfreiheit ist uns wichtiger als Gestaltungsvorschriften.“

Und weil „Fischerhude unser aller Dorf bleiben soll“ – mit Betonung auf „unser“ –, hatten Volker Sammann, Uwe Peper, Dirk Gieschen, Arnd Brüning und Gerhard Meyer alle, die wie sie gegen eine rechtsverbindliche bauliche Gestaltungssatzung sind, für Mittwochabend auf die Dorfwiese eingeladen, um mit einem großen Gruppenfoto ein Zeichen zu setzen. Rund 250 Menschen folgten dem Aufruf.

„Toll, dass ihr da seid und zeigt, dass euch nicht egal ist, was mit unserem Dorf passiert. Wir lassen nicht alles mit uns machen, wir lassen uns nicht enteignen“ – kurz und kämpferisch war die Ansage von Wümme-Bäckerei-Chef Sammann aus dem Leiterkorb, den Lohnunternehmer Gieschen mit seinem Trecker in luftige Höhe gefahren hatte. Nach dem Gruppenfoto war der kurze, stille Protest zu Ende und die Menge zerstreute sich wieder.

Eventuell, so erklärte Unternehmer Arnd Brüning auf Nachfrage, soll das Gruppenbild auf ein Banner gezogen und im Ort aufgehängt werden – als Meinungsäußerung im Vorfeld der entscheidenden Gemeinderatssitzung am 31. Mai im Gasthof Bellmann. 

Rücknahme der Gestaltungssatzung gefordert

Dann entscheidet der Rat über den von mehr als 600 Bürgern unterzeichneten Fischerhuder Einwohnerantrag auf Rücknahme der politisch mehrheitlich beschlossenen Gestaltungssatzung. Lehnt der Rat den Einwohnerantrag ab, der alternativ zur Satzung die Einführung einer Gestaltungsfibel als rechtsunverbindlichen Bauherren-Leitfaden fordert, geht das laufende Satzungsgenehmigungsverfahren, wie von FGBO, SPD und Grünen angeschoben, weiter seinen Gang.

Das Protestfoto auf der Dorfwiese begleitete ein Dutzend Satzungsbefürworter am anderen Ende der Wiese mit einer spontanen Gegen-Demo. Wie tief die Gräben in Fischerhude sind, zeigte die Bemerkung aus dieser Runde, sich künftig überlegen zu wollen, welchen Handwerker man in sein Haus lasse – eine giftige Spitze gegen die Unternehmer, die jenseits des Zauns in einer angemeldeten Versammlung ihre Meinung äußerten. 

Auch SPD-Ratsherr Hans-Jörg Wilkens passte dies nicht: „Polarisierung hilft nicht“, redete er sichtlich erzürnt auf die Veranstalter des Protestler-Fotos ein. Zu diesem hatten die Unternehmer nach eigener Aussage per Hauswurfsendung alle die eingeladen, die den Einwohnerantrag gegen die Satzung unterstützt haben. Woher sie deren Adressen hatten, sagten die Initiatoren nicht.

Verlust von Infrastruktur befürchtet

Ihre Positionen vertieften Volker Sammann, Arnd Brüning, Dirk Gieschen, Uwe Peper (Inhaber des Baugeschäfts J. Holsten) und Gerhard Meyer (Inhaber von Elektroanlagen Meyer) im anschließenden Pressegespräch. Zusammen haben die fünf Unternehmer 300 Mitarbeiter, die größtenteils im Ort wohnen. 

Auch für ihre Arbeitnehmer fürchten sie um den Verlust von Infrastruktur, wenn durch „völlig überflüssige ausufernde Regulatorik“ (Brüning) Investitionswillige verschreckt und vertrieben würden, das Geld dann woanders hinfließe und das jetzt lebendige Dorf mit seiner Rundum-Grundversorgung ausblute. „Dann haben wir irgendwann keinen Bankschalter mehr, keinen Arzt mehr...“, so Sammann. Ein Dorf müsse sich entwickeln, müsse sich verändern dürfen: „So ist doch das Leben.“

Brüning wirft der Politik vor, Ängste zu schüren, statt konstruktives, kreatives Gestalten zu ermöglichen: „Ich will nicht, dass jemandem vorgeschrieben wird, welche Farbe sein Gartenzaun haben muss.“ Die „extreme Einmischung“ sei „ein absolutes Störgefühl“ und eine Gefahr für die gute Infrastruktur. 

Gerade den alten Hofstellen werde die Perspektive genommen. Aber: „Wir müssen doch gemeinsam Ideen entwickeln, was möglich ist, und nicht immer überlegen, was zu verhindern ist.“ Und: „Was wir heute schön finden, was das Dorf ausmacht“, so erinnern die Unternehmer, „haben wir ganz ohne Gestaltungssatzung geschafft.“

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