Expansion noch ohne Einfluss auf Standort Fischerhude

Brüning-Gruppe: Aussiedlung in die Überseestadt läuft im Mai an

Die Fischerhuder Brüning-Gruppe ist weiter auf Wachstumskurs: Im Mai siedeln die ersten Abteilungen nach Bremen aus.

Fischerhude - Von Petra Holthusen. Während Fischerhude weiter streitet, wie sich das ländliche Ortsbild im historischen Kern auf Dauer präsentieren soll und ob es dafür gesetzlicher Reglementierungen für Bauherren bedarf, geht bezüglich der Entwicklung auf der anderen Seite der Landstraße auch ein bisschen die Angst um im Dorf.

Die unter Dauerdampf arbeitende Gerüchteküche vermeldet Mutmaßungen, Unternehmer Arnd Brüning könnte nach dem Scheitern seiner baulichen Erweiterungspläne im Ortskern, die letztendlich dem verbissenen Fischerhuder Gestaltungsstreit zum Opfer fielen, nicht nur einzelne Abteilungen, sondern gleich die ganze Brüning-Gruppe nach Bremen aussiedeln. Das verneint Brüning auf Nachfrage – zumindest für den zuverlässig überschaubaren Zeitraum von drei, vier Jahren.

Brünings Unternehmen ist in 25 Jahren im Fischerhuder Ortskern vom Ein-Mann-Betrieb zum international tätigen Ent- und Versorger mit energieliefernder (Holz-)Biomasse gewachsen und beschäftigt nach Worten von Geschäftsführer Arnd Brüning, selbst Ur-Fischerhuder, aktuell 139 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 

Das Unternehmen schwimmt erfolgreich auf der Welle der regenerativen Energien und ist weiter auf Expansionskurs. Der lässt sich in Fischerhude nun nicht realisieren. Geplant waren bekanntlich 3.000 Quadratmeter Bürofläche in einem neuen Komplex am Krummen Ort direkt gegenüber dem Unternehmenssitz an der Landstraße. Hier wird's räumlich arg eng: Aktuell schon „fehlen uns 700 Quadratmeter Büroraum“, sagt Brüning. „Kurzfristig im Mai“ wechseln deshalb Teile der Vertriebs- und Logistikabteilungen in gerade noch im Bau befindliche Büroräume in der Bremer Überseestadt. Hier unterschreibt Brüning nächste Woche den Mietvertrag für 850 Quadratmeter: „Das reicht erstmal.“ Und das habe keinen Einfluss auf den Standort Fischerhude.

Aber „was dann in drei Jahren ist...“

Aber „was in drei Jahren ist“, kann der Geschäftsführer heute nicht verlässlich sagen. Der Wachstumsplan jedenfalls sieht vor, „dass wir dann 239 Mitarbeiter haben, 100 mehr als jetzt“. Die vier Wachstumssäulen seien das internationale Geschäft, die Vergrößerung des eigenen Fuhrparks, der Zukauf von Unternehmen aus der Branche und die fortschreitende Erweiterung der Produktpalette von energieliefernden Schüttgutrohstoffen (wie zuletzt um Holzpellets).

Vor diesem Hintergrund sucht Brüning bereits jetzt nach einem Bürogebäude, das er kaufen oder selbst bauen will – und zwar in Bremen. Nach dem Ergebnis einer professionellen Standortanalyse spreche alles für Bremen, konkret für die Überseestadt. Alle Standortfaktoren wie Verkehrsanbindung, Kinderbetreuung, Lokalitäten sprächen dafür – das „innovative Umfeld“ sei insbesondere für junge Mitarbeiter attraktiv und helfe enorm bei der Gewinnung von neuen Fachkräften. Deshalb seien zum Beispiel das neue Gewerbegebiet in Oyten und erst recht das Gewerbegebiet in Quelkhorn bei der Wahl eines neuen Standorts schnell wieder außen vor gewesen.

Viele Mitarbeiter aus Fischerhude und umzu

Zurzeit kommt nach Brünings Worten etwa die Hälfte der Mitarbeiter aus Fischerhude und dem direkten Umfeld – „und deshalb hängen wir am Standort Fischerhude“. Und deshalb hätte das Unternehmen sich gern auch in Sichtweite seines Stammsitzes in Fischerhude erweitert – obwohl schon zum Zeitpunkt der diesbezüglichen Planungen die Standortanalyse klar die Bremer Überseestadt präferiert hatte. „Ich habe in allen Gesprächen immer die Standortvorzüge von Fischerhude in den Vordergrund gestellt, nicht die Nachteile“, erinnert Brüning. In seinem Projekt habe er zudem eine Chance für Fischerhude gesehen: den Anfang eines Konzepts zur neuen Nutzung alter Hofstellen mit einer Mischung aus stillem Gewerbe, Wohnen und Kultur. Ein Konzept, das Fischerhude zweifelsfrei nötig hätte.

Soziales Engagement und Sportförderung

Mit der beginnenden Unternehmensverlagerung in die Bremer Überseestadt ist das alles passé. Die Frage, wie es in vier Jahren um den Unternehmensstandort Fischerhude bestellt sein wird, kann oder will Brüning zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten. Klar ist, dass eine Abwanderung des alteingesessenen, längst zum Ortsbild gehörenden Unternehmens die Gemeinde wohnortnahe Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen kosten würde – darüber hinaus aber noch viel mehr: soziales Engagement und Sportförderung vor Ort, für die die Brüning-Gruppe bekannt ist. Dass fürs Dorf damit auch der Verlust des Biomarkts Brünings Scheune verbunden wäre, ist eher unwahrscheinlich: „Das glaub' ich nicht“, sinniert Arnd Brüning, „obwohl wir in Bremen schon gefragt worden sind, ob wir die Scheune nicht mitbringen können...“

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