Großartiges Klezmerfestival in Quelkhorn im ausverkauften „Bergwerk“

Ausflüge in ein Traumreich

Giuseppe Scariatta gibt bei „Klezmer Muskelkater“ den Takt vor, tanzt wie ein Derwisch, flirtet mit dem Publikum und animiert zum Mitsingen.

Quelkhorn - Von Bernd Hägermann. (häg). Wenn eine Band sich „Klezmer Muskelkater“ nennt, verrät das schon eine Facette dieser Musikgattung. Es ist ihr hintersinniger Humor. Der in Verbindung mit Lebensfreude und Trauer, tiefen Lebenserkenntnissen, Altersweisheiten und mitreißenden Klängen eine Mischung ergibt, deren Faszination sich kaum jemand entziehen kann.

Bekanntester Protagonist der Klezmermusik in dieser Region ist das Ensemble „Cladatje“. Seine Mitglieder (Till Eversmeier, Edna Eversmeier, Kurt Kratzenberg, David Hodgkinson, Clive Ford) gelten nicht nur in Ottersberg oder im Landkreis als musikalische Botschafter, sondern weit darüber hinaus. Am Samstagabend folgte „Cladatje“ einer lieb gewordenen Tradition. Sie hatten sich zum Ottersberger Klezmerfest befreundete Musiker eingeladen. Gefeiert und gefiedelt wurde im ausverkauften „Bergwerk“ in Quelkhorn.

Eröffnet wurde das Klezmerfest, an dem es wie gewohnt mehr Zuhörer gab als reguläre Sitzgelegenheit, von den Gastgebern. „Cladatje“ hat gerade eine neue CD eingespielt. Daraus wurden einige Stücke vorgestellt. Mit Akkordeon, Geige, Mandoline und Kontrabass gelang den Ottersbergern eine beeindruckende Klangvielfalt, wobei, typisch für Klezmer, durch die große Nähe von Leid und Lust musikalische Nuancen herausgearbeitet werden, die dem Spiel von „Cladatje“ eine unverwechselbare Prägung verleihen.

„Ticvaniu Mare“ aus Berlin, nach einer Gemeinde in Rumänien benannt, ging mit den Besuchern des Festivals auf eine temperamentvolle Reise durch verschiedene osteuropäische Regionen. - Fotos: Hägermann

Zwischendurch nutzte Clive Ford den Auftritt für einen kleinen Aufruf. Ein Kollege von „Klezmer Muskelkater“ suche für die Nacht noch ein Bett. Einzige Bedingung: Keine Tiere im Haushalt, denn der Musikant habe eine Tierhaarallergie. Natürlich war Fords Bitte erfolgreich.

Giuseppe Scariatta ist ein Mann von expressiver Kraft. Er gibt bei „Klezmer Muskelkater“ den Takt vor, tanzt auf der Bühne wie ein Derwisch, flirtet mit dem Publikum und animiert zum Mitsingen.

Niemand musste sich lange Textzeilen merken. Es reichte ein beliebig wiederholbares „oi, oi, oi, oi, oi“. Die Wirkung war verblüffend. Scariatta schuf so zwischen Künstlern und Publikum eine Intimität, die von seinen musikalischen Mitstreiten (Sven Bohling, Alejandro Barria, Karl-Philipp Henschelmann) noch verdichtet wurde. Es gab Konzertbesucher, die es nicht mehr auf ihren Stühlen hielt.

Klezmer ist ein Schmelztiegel musikalischer Traditionen und immer auf der Seite derer, denen bei aller ausgelassenen Fröhlichkeit das Leben schwere Prüfungen auferlegt. „Ticvaniu Mare“ aus Berlin, nach einer Gemeinde in Rumänien benannt, bewies das eindrücklich. Die temperamentvolle Reise im Quelkhorner „Bergwerk“ führte durch verschiedene osteuropäische Regionen, wo sich die Kulturen der Roma und Juden viele Jahrhunderte zunächst ergänzt und schließlich verbunden hatten. Es waren musikalische Stippvisiten bei Menschen, die Fremde sind in ihrer eigenen Heimat. „Ticvaniu Mare“ nutzte das für wundervolle Melodien, für Ausflüge ins Traumreich der Emotionen und umschloss die Seelen mit „Tränen der Melancholie“.

Es war eine großartige Einstimmung für das gemeinsame Spiel aller Musiker an diesem Abend. Das „Bergwerk“ geriet dabei fast aus dem Häuschen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Sieg gegen Real: Atlético Madrid holt UEFA-Supercup

Sieg gegen Real: Atlético Madrid holt UEFA-Supercup

Weiter Vermisste unter Trümmern in Genua

Weiter Vermisste unter Trümmern in Genua

Mia san wieder weg: Abschiede vom FC Bayern nach einem Jahr

Mia san wieder weg: Abschiede vom FC Bayern nach einem Jahr

Ford Focus im Test: Aller guten Dinge sind vier

Ford Focus im Test: Aller guten Dinge sind vier

Meistgelesene Artikel

Stedorfer Theaterbühne meistert „Cold-Water-Beer-Callenge“

Stedorfer Theaterbühne meistert „Cold-Water-Beer-Callenge“

„Liebevoll“: Café in Buchhandlung bietet Beilagen zum Roman

„Liebevoll“: Café in Buchhandlung bietet Beilagen zum Roman

JuMP: Festival mit Rap, Rock und Drum’n’Bass im (Aller-)Park

JuMP: Festival mit Rap, Rock und Drum’n’Bass im (Aller-)Park

Geflügelmast und Sauenstall: Neubaupläne kaum umstritten

Geflügelmast und Sauenstall: Neubaupläne kaum umstritten

Kommentare