Bürgerinitiative und Naturschutzbund kämpfen gemeinsam gegen Wurfscheibenschießstand

Anwalt legt Widerspruch ein

Gegen die Reaktivierung des bleiverseuchten Wurfscheibenschießstands in den geschützten Fischerhuder Wümmewiesen kämpfen Bürgerinitiative und Naturschutzbund jetzt mit fachanwaltlicher Unterstützung. 
Archivfoto: Freese
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Gegen die Reaktivierung des bleiverseuchten Wurfscheibenschießstands in den geschützten Fischerhuder Wümmewiesen kämpfen Bürgerinitiative und Naturschutzbund jetzt mit fachanwaltlicher Unterstützung. Archivfoto: Freese

Fischerhude – Die Bürgerinitiative, die in Fischerhude gegen die Reaktivierung und die geplante Form der Sanierung des bleimunitionsverseuchten Wurfscheibenschießstands in den Wümmewiesen kämpft, hat weitere Erkenntnisse aus ihren Recherchen und der Akteneinsicht beim Landkreis Verden gewonnen. Das war Thema bei der jüngsten Zusammenkunft der Initiative im Garten ihres Mitstreiters Erich von Hofe, der sich auch als Grünen-Kreistagsabgeordneter gegen die Wiederaufnahme des Freiluft-Schießbetriebs in der Wümmelandschaft einsetzt.

Wegen der massiven Bleikontamination des Bodens durch die fliegenden Geschosse war die Anlage 2013 vorübergehend stillgelegt worden, die Betriebserlaubnis jedoch nie erloschen. Der Fischerhuder Schützenverein hat ein inzwischen vom Landkreis genehmigtes Konzept zur Sanierung vorgelegt und plant die erneute Inbetriebnahme des Schießstands (wir berichteten mehrfach).

„Aus den Akten war zu entnehmen, dass der Tontaubenschießstand 1969 als jagdliche Einrichtung zur Ausbildung von Jägern genehmigt wurde – und nur deshalb durfte er in den Wümmewiesen errichtet werden“, berichtet Annette Dresselhaus, Sprecherin der Bürgerinitiative, nach der Akteneinsicht. Aus den Unterlagen sei auch ersichtlich gewesen, dass der Schießstand überwiegend von Jägern und nur wenig von Sportschützen genutzt worden sei. „Nun wurde daraus aber eine Sportanlage, um so Fördermittel aus der Sportförderung bekommen zu können“, schlussfolgert die Initiative. Der Schützenverein Fischerhude habe in seinem Antrag an den Landessportbund angegeben, dass 90 Prozent der Nutzer des Wurfscheibenschießstands Sportschützen sein sollen, und habe so insgesamt Fördermittel in Höhe von mehr als 150 000 Euro bei Sportbund, Landkreis und Gemeinde beantragen können. Das Geld soll in die Wiederauffüllung des abzutragenden, weil kontaminierten Erdreichs, die Sanierung des Clubhauses samt WC-Anlagen-Bau und die Erneuerung des Containers für die Schießsportleitung fließen.

Für die eigentliche Bodensanierung erwartet der Schützenverein bekanntlich Fördergelder in Höhe von 250 000 Euro von der NBank des Landes Niedersachsen. Nach Informationen der Bürgerinitiative sollen allerdings „allein die Bodensanierungsarbeiten etwa 400 000 Euro kosten, und es ist schon merkwürdig, dass ein so kleiner Schützenverein 150 000 Euro aus eigenen Mittel dazu beitragen will“. Dresselhaus vermutet deshalb: „Irgendetwas stimmt da nicht.“

Bürgerinitiative und Naturschutzbund (Nabu) fordern, „dass sich Landkreis und Gemeinde an den Bodensanierungskosten beteiligen sollen, anstatt die Reaktivierung mit dem Bau eines Toilettengebäudes und eines Geräteschuppens im Schutzgebiet zu fördern“. Außerdem verlangen Anwohner und Naturschützer, „dass der verseuchte Boden auf einer gesicherten Deponie entsorgt wird, anstatt ihn wie geplant in eine Kunststofffolie einzupacken und vor Ort im Schutzgebiet einzulagern“.

Erich von Hofe vertritt in diesem Zusammenhang die Auffassung, „dass nach dem Verursacherprinzip eigentlich all diejenigen, die dort geschossen haben, sich auch an den Sanierungskosten beteiligen müssten“. Stattdessen solle der Steuerzahler nun die Sanierungskosten und dann auch noch die Kosten für die Reaktivierung der Schießanlage zahlen.

Bernd Witthuhn, Kreisvorsitzender des Nabu, teilt unterdessen mit, dass ein vom Naturschutzbund beauftragter Rechtsanwalt gegen die vom Landkreis erteilten Genehmigungen Widerspruch eingelegt habe. Auch die Fischerhuder Bürgerinitiative wirft dem Landkreis als zuständiger Behörde Rechtsbruch vor. Sie stellte schon vor Monaten die Rechtmäßigkeit der erteilten Bau- und Betriebsgenehmigungen für die Wurfscheibenschießanlage in den geschützten Wümmewiesen in Frage und verlangte, das gesamte Verfahren neu aufzurollen.

Udo Wunderlich, Vorstandsbeauftragter der Fischerhuder Schützen für das Projekt Wurfscheibenschießstand, wollte sich auf Nachfrage nicht zum aktuellen Sachstand äußern. Nur so viel: Der Verein warte gerade auf neue Informationen von Landkreis und Fördergeldgeber NBank. Und auf das angekündigte gemeinsame Gespräch mit Bürgermeister und Bürgerinitiative.

Von Petra Holthusen

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