Chillig? Von wegen...

Anti-Cannabis-Kampagne klärt Jugendliche auf

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Warnen und aufklären, bevor der erste Joint qualmt: Als kreisweite Botschafter der peppigen jugendgerechten Anti-Cannabis-Kampagne „Die Rauchmelder“ feierten Polizeihauptkommissar Heino Vajen, Suchtpräventionsfachkraft Lisa-Marie Kathmann und Jugendschutzbeauftragte Heike Nodorp (Bildmitte, v.li.) im 8. Jahrgang des Gymnasiums Ottersberg ihre Premiere.

Ottersberg - Von Petra Holthusen. Wenn Polizeihauptkommissar Heino Vajen die Internetseiten vor Augen hat, die Kindern und Jugendlichen Haschisch und Marihuana als „chillige“ Sache anpreisen, geht ihm der Hut hoch. Auch die Legalisierungsdebatte trage dazu bei, „dass viele Cannabis für harmlos halten“. Aber „das ist völliger Quatsch“, sagt Vajen bestimmt, „Cannabis ist keine harmlose Droge. Cannabis ist schädlich für die körperliche, geistige und seelische Gesundheit von Jugendlichen. Und Cannabis macht süchtig.“ Der Verharmlosung entgegenwirken will die flotte Kampagne „Die Rauchmelder“ des Landeskriminalamtes, die Montag im 8. Jahrgang des Ottersberger Gymnasiums kreisweit Premiere feierte.

„Das Gymnasium hat sich als erstes angemeldet und ist unsere Musterschule“, erklärt Heike Nodorp, Jugendschutzbeauftragte des Landkreises Verden. Um die mit peppigen Videoclips altersgerecht aufgemachte Aufklärungs-DVD im Rahmen einer 90-minütigen Unterrichtseinheit zu den Jugendlichen in die Schulen des Kreises zu bringen, hat sich Nodorp mit Sozialarbeiterin Lisa-Marie Kathmann von der Fachstelle Sucht und Suchtprävention im Kirchenkreis Verden und mit Heino Vajen, Beauftragter für Jugendsachen bei der Polizeiinspektion Verden/Osterholz, zusammengeschlossen: „Wir sind die Botschafter der Kampagne hier im Kreis.“ Nach ihrer Premiere im Ottersberger Gymnasium sind die „Botschafter“ heute in der angrenzenden Wümmeschule zu Besuch.

Rauchmelder im Haus warnen rechtzeitig vor Feuer. „Die Rauchmelder“ der gleichnamigen Anti-Cannabis-Kampagne warnen vor den Folgen des Konsums – im besten Fall, bevor der erste Joint qualmt oder die ersten Haschkekse probiert werden.

Jugendliche der 7. und 8. Klassen sind für die Prävention die perfekte Zielgruppe, meint Suchtpräventionsfachkraft Lisa-Marie Kathmann: „Sie sind neugierig und interessiert und haben Fragen. In der Altersgruppe müssen wir ansetzen, da müssen wir aufklären.“

Initiiert hat das Präventionsprojekt das Landeskriminalamt, denn die Zahlen sind alarmierend: Laut Kriminalstatistik ist Cannabis auch unter niedersächsischen Jugendlichen „das mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Rauschmittel“. Drogendelikte hätten in besorgniserregender Weise zugenommen, die Fallzahlen bei Minderjährigen sich in den vergangenen Jahren nahezu verdoppelt: „Marihuana und Co. sind beliebter denn je.“

„Die Rauchmelder“ – weil Kiffen krank macht

Dabei seien die negativen Folgen eines regelmäßigen Cannabis-Konsums insbesondere für Kinder und Jugendliche vielfach belegt: „Kiffen kann gerade in dieser Risikogruppe schwerwiegende körperliche und seelische Erkrankungen sowie Entwicklungs- und Wachstumsstörungen hervorrufen“, warnen die Experten vom Landeskriminalamt. Soziale und schulische Probleme seien die Begleiterscheinungen.

Weil erwachsene Worte gern ungehört verhallen, nutzen die Jugendschützer vom LKA ein jugendgerechtes Medium, um Teenager vom Joint abzuhalten: In „Die Rauchmelder – Chris und Nik machen den Cannabis-Check“ transportieren die beiden jugendlichen Protagonisten in Videospots auf Augenhöhe und ohne erhobenen Zeigefinger, dafür lebensnah und mit witzigen Cartoons Informationen rund um die illegale Droge: Was ist eigentlich Cannabis? Wie wird es konsumiert? Wie wirkt die Droge? Was ist daran so gefährlich?

Die „Botschafter“ Nodorp, Kathmann und Vajen spielen den von ihnen besuchten Klassen den Cannabis-Check von Chris und Nik nicht nonstop vor, sondern Episode für Episode, um zwischendurch mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, das Gesehene und Gehörte zu vertiefen, Fragen zu klären und eventuelle eigene Erfahrungen zu besprechen – streng vertraulich, versteht sich. Die Videoclips können übrigens auch im Internet unter www.dierauchmelder.de angesehen werden.

Markus Sasse vom Schulleitungsteam des Gymnasiums ist das Präventionsprojekt hochwillkommen: „In allen Schulen ist Cannabis immer wieder mal Thema. Aber weil diese sogenannte weiche Droge oft verharmlost und in ihrer Wirkung unterschätzt wird, sind Aufklärung und Vorbeugung so wichtig.“

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