Intensiv-Schwimmkurs für Flüchtlinge im Otterbad

Die Angst im Kopf ausschalten

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Schwimmmeister Ulf Imwiehe (44) leitet im Otterbad den ersten Intensivschwimmkurs für junge Flüchtlinge.

Ottersberg - Von Petra Holthusen. „Der Bademeister“ steht groß auf seinem Shirt. Und als solcher hat Ulf Imwiehe schon vielen das Schwimmen beigebracht. Vom Kindergartenkind bis zur Seniorin jenseits der achtzig. Der laufende Intensivschwimmkurs für Flüchtlinge im Ottersberger Hallenbad stellt den erfahrenen Kursleiter (44), der neu im Otterbad-Team ist, jedoch vor eine doppelte Herausforderung: „Sprachlich ist das schon speziell“, lächelt der Schwimmmeister, der sich wacker auf Englisch und Französisch durchlaviert. „Aber es gibt auch viele tiefe Ängste.“

Warum die Furcht vor der scheinbar bodenlosen Tiefe des fremden Elements bei geflüchteten Menschen besonders tief sitzt, hat Imwiehe seine Schwimmschüler, jugendliche und erwachsene Männer, nicht gefragt: „Das kann ich mir ja denken.“ Stattdessen beobachtet er jeden einzelnen intensiv und schafft in ruhiger, entspannter Atmosphäre viel Vertrauen. Imwiehe geht mit ins Wasser und hilft und stützt ganz individuell. Stolz ist er, dass am Dienstag in der erst dritten Stunde „schon alle vom Startblock gesprungen sind – mit Schwimmhilfe, aber sie sind gesprungen“.

Schwimmmeister Ulf Imwiehe (44) leitet im Otterbad den ersten Intensivschwimmkurs für junge Flüchtlinge.

Am Anfang geht es darum, „im Kopf den Schalter umzulegen und zu verinnerlichen: Ich kann hier nicht ertrinken“; erst dann können unverkrampft die Bewegungsabläufe beim Schwimmen geübt und automatisiert werden. Das weiß auch Gerhard Abersbach, Vorsitzender des Schwimmvereins im TSV Ottersberg. Der Schwimmverein unterstützt als Kooperationspartner das Otterbad bei den Schwimmkursen für Flüchtlinge, die Badbetriebsleiter Kay Schulze und die kommunale Flüchtlingskoordinatorin Nele Peek gemeinsam initiiert haben – gemeindeübergreifend für Flüchtlinge aus Ottersberg und Oyten.

Die Organisation gestaltet sich nicht leicht: Zum einen haben die Flüchtlinge ihre festen Termine in Sprach- und Integrationskursen, zum anderen ist das Otterbad eigentlich ausgelastet.

Den ersten Kurs, an dem acht junge Männer von 16 bis 32 Jahren teilnehmen, hat Badchef Schulze jetzt diese Woche in die Vormittagsstunden gelegt, in denen außerhalb der Ferien Schulschwimmen wäre. Die jungen Männer im Kurs kommen aus Syrien, Afghanistan und von der Elfenbeinküste und haben als Kinder nie schwimmen gelernt. Wie auch viele andere ihrer Landsleute nicht. Das kann im Sommer zum Albtraum werden. In Achim ist bereits ein Flüchtling beim Baden in der Weser ertrunken. Wenn das Wetter in diesen Wochen die Menschen an den Otterstedter See und den Oyter See lockt, unterschätzen Nichtschwimmer schnell die Gefahren im Wasser. Das war für Flüchtlingskoordinatorin Nele Peek mit ein Grund, die Schwimmkurse für Flüchtlinge anzuschieben. Über die ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuer hat sie bereits Infomaterial der DLRG gestreut: Baderegeln in mehreren Sprachen und mit erklärenden Bildern.

Der beste Schutz vor Ertrinken ist jedoch, schwimmen zu können – was überdies eine neue Freizeitbeschäftigung eröffnet und ein weiteres Stück Integration zum Beispiel durch Vereinssport. In diesem Sinne fördert auf Initiative des Ottersberger Schwimmvereins der Landessportbund die Schwimmkurse für Flüchtlinge im Otterbad und zahlt die Hälfte der Kurskosten. Die andere Hälfte – 30 Euro – zahlen die Teilnehmer selbst. Der nächste zehnteilige Kurs für Flüchtlinge aus Oyten und Ottersberg soll ab August samstags in den Mittagsstunden im Otterbad laufen. Dafür nimmt Nele Peek im Rathaus Anmeldungen entgegen (Telefon 04205-317038, E-Mail: flueko@flecken-ottersberg.de). Darüber hinaus ermittelt sie den Bedarf an Folgeangeboten oder einem Schwimmkurs speziell für Frauen.

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