Museen und Galerien müssen laut Hochinzidenz-Verfügung wieder schließen

Alles zurück auf Anfang März

Gemälde „Furt an der Wümme“ von Rudolf Franz Hartogh
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Die „Furt an der Wümme“ malte Rudolf Franz Hartogh um 1915. Dass der Kunstverein diesen und weitere „Fischerhuder Schätze“ ab diesen Sonntag öffentlich zeigen kann, ist angesichts der Hochinzidenz-Verfügung des Kreises unrealistisch.

Fischerhude – Alles zurück auf Anfang März und die Zeit davor: Nachdem der Landkreis Verden am Montag durch die mehrtägige Überschreitung der 100er-Marke zur Hochinzidenzkommune im Sinne der niedersächsischen Corona-Verordnung erklärt wurde, gelten ab Donnerstag wieder verschärfte Kontaktbeschränkungen in allen Bereichen. Demnach müssen auch Museen und Galerien im Landkreis Verden wieder schließen – oder können wie im Fall des Fischerhuder Kunstvereins, der seinen Re-Start für kommenden Sonntag geplant hatte, gar nicht erst neu eröffnen.

Auch für Museen sind die am 8. März in Kraft getretenen Lockerungen wieder aufgehoben. Das bestätigt Sonja Butz-Georg, Pressesprecherin des Landkreises, auf Nachfrage.

Das Otto-Modersohn-Museum in Fischerhude hatte ab der zweiten März-Woche von den Lockerungen Gebrauch gemacht und seine Ausstellungsräume wieder tagtäglich für Publikum geöffnet. Unter Einhaltung der bekannten Vorschriften zu Abstand und Hygiene, versteht sich. Damals lag der Inzidenzwert, das Maß aller Regelungen, bei Mitte 30. Als er auf über 50 stieg, konnten sich Kunstfreunde immerhin noch mit Anmeldung an der Präsentation der berühmten Modersohn-Werke erfreuen.

Gelohnt hat sich der Aufwand für das familiengeführte Haus wenig: „Es kommt ja kaum einer“, sagt Rainer Noeres, der das Museum mit seiner Frau Antje Modersohn führt. „Vier bis fünf Besucher am Tag“ haben sie seit der Wiederöffnung gezählt, vorigen Sonntag waren es mal acht. „Die Leute haben Angst, und sie sind entwöhnt“, hat Noeres festgestellt, und aus seinen Worten klingt hörbar Enttäuschung. Kunst spiele in diesen Zeiten keine Rolle mehr, und den Museumsleiter treibt die Sorge um, wie sich ein „über anderthalb Jahre eingeübtes Verhalten“ wohl in Zukunft „festsetzt“.

Die neue Allgemeinverfügung des Landkreises als Hochinzidenzkommune, die Lockerungen zurücknimmt und der zufolge nun wieder gilt, was bis zum 6. März gegolten hat, ist in den Fischerhuder Kunstmuseen noch nicht recht angekommen.

„Wir halten uns an die Maßnahmen, die vom 8. März bis 18. April beschlossen sind“, sagte Noeres am Dienstag noch. Und ab Montag „sehen wir weiter“.

Die „Flucht nach vorn“ tritt der Fischerhuder Kunstverein nach Worten seines Vorsitzenden Wolf-Dietmar Stock an. Er hält erstmal an der geplanten Wiedereröffnung der Galerie in Buthmanns Hof fest. Ab kommenden Sonntag Punkt 11.30 Uhr will der Kunstverein hier nach langer Pause „Fischerhuder Schätze“ aus eigenem Bestand zeigen. „Wenn die tatsächliche Öffnung wegen der Inzidenz im Landkreis nicht möglich sein sollte, werde ich am Sonntag persönlich anwesend sein und interessierte Gäste um Entschuldigung bitten“, erklärt Stock zum Vorgehen des Kunstvereins. „Was sollen wir sonst tun? Wir müssen ja irgendwie weiterplanen...“

Wegen der Unsicherheit, dass der Ausstellungsbetrieb jederzeit wieder von einem neuen Lockdown ausgebremst werden kann, hat der Kunstverein bereits die teure und aufwendige Jahresausstellung verschoben. „Heinrich Breling und seine Töchter“ sollen nun erst ab Dezember zum Zuge kommen. Stattdessen planen die Akteure, in drei Etappen neue und alte Schätze aus dem über viele Jahre zusammengetragenen Bestand zu zeigen.

„Die Ausstellung ist ein Spiegel der gut 100-jährigen Kunstgeschichte des Künstlerdorfes“, schwärmt Stock. Zu den Besonderheiten gehöre die jüngste Neuerwerbung des Kunstvereins: das Gemälde „Furt an der Wümme“, um 1915 gemalt von Rudolf Franz Hartogh. In der Ausstellung hängen außerdem Bilder weiterer namhafter Fischerhuder wie August Haake, Heinrich Breling, Wilhelm Heinrich Rohmeyer, Hermann Angermeyer, Helmuth Westhoff, Christian Modersohn, Hans Meyboden, Erhart Mitzlaff, Werner Zöhl, Bertha Schilling, Emma Eibler, Mietje Bontjes van Beek... „Das Besondere der Sammlung ist, dass zu vielen Künstlern Selbstporträts vorhanden sind“, berichtet Stock.

Allerdings wird die Ausstellungseröffnung nun wohl noch warten müssen. Erst wenn der Landkreis wieder auf eine stabile Inzidenz von unter 100 kommt, dürfte es erneut zu Lockerungen kommen – auch für Museen und Galerien.

Von Petra Holthusen

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