Täter im Homeoffice

Achimer Polizeichef über Kriminalität in Ottersberg 2020

Auch Täter befinden sich coronabedingt im Lockdown – darum hat Betrug am Telefon 2020 noch einmal Auftrieb bekommen.
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Auch Täter befinden sich coronabedingt im Lockdown – darum hat Betrug am Telefon 2020 noch einmal Auftrieb bekommen.

Ottersberg – Insgesamt rückläufig und auf niedrigem Niveau, weg vom klassischen Einbruch, hin zu Telefonbetrug – so hat sich in groben Zügen die Kriminalität im Flecken Ottersberg und im Landkreis Verden im Jahr 2020 entwickelt. „Auch die Täter sind im Homeoffice“, sagte Andreas Lohmann, kommissarischer Leiter des Polizeikommissariats Achim, in der jüngsten Gemeinderatssitzung des Fleckens Ottersberg.

Während sich Referent und Mandatsträger online zugeschaltet hatten, waren Bürgermeister Tim Willy Weber, Ratsvorsitzende Erika Janzon, einige Verwaltungsvertreter und Zuschauer im Ratssaal präsent.

Sowohl auf Kreisebene als auch im Flecken sinkt die Anzahl der Straftaten. Laut Lohmann dominiert aber nach wie vor der Telefonbetrug. „Die Täter agieren aus dem Ausland, sie suchen ganz gezielt nach niedrigstelligen Telefonnummern“, erläuterte Lohmann. Denn die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass Besitzer solcher Anschlüsse eher zu den älteren Semestern zählten.

Erfreulich sei, dass die Polizei bei den Straftaten insgesamt eine hohe Aufklärungsquote vorweisen kann: Sie liegt Lohmann zufolge bei 67 Prozent im Landkreis und in Ottersberg oberhalb der Quote des Landkreises. Bezogen auf Wohnungseinbrüche liegt die Aufklärungsquote bei 17 Prozent im Landkreis und bei 45 Prozent im Flecken Ottersberg.

Eine positive Entwicklung sei auch der Rückgang der Einbrüche. So sei es bei der Hälfte aller Taten dieser Kategorie beim Versuch geblieben. Fasst man speziell in Ottersberg beides zusammen, blieb es im Wümmeort 2020 bei einer Gesamtzahl von elf Einbrüchen, davon sechs vollendete und fünf versuchte Einbrüche. „Darüber sind wir sehr froh, weil eine hohe Zahl an Einbrüchen das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung beeinträchtigt.“ Stolz sei die Polizei zudem, dass sie in Ottersberg jede vollendete Tat aufklären konnte. Lohmann führt die Rückläufigkeit auf bessere Alarmsysteme, aber auch auf Erfolge der Verhaltensprävention zurück: „Die Leute sind sensibilisiert.“ Ähnlich wie Kirchlinteln und Dörverden sei Ottersberg „kein beliebter Ort für Einbrüche“, räumte Lohmann ein.

Auch die Straftaten unter Alkoholeinfluss seien in den vergangenen Jahren insgesamt zurückgegangen. Im Vergleich zu 2019 sei aber 2020 ein leichter Anstieg – im Flecken und im Landkreis gleichermaßen – zu verzeichnen. Diese Art der Straftaten könnten durch die Pandemie begünstigt worden sein, formulierte Lohmann zunächst noch mit einem Fragezeichen. Bei häuslicher Gewalt sei ein deutlicher Anstieg zu beobachten. „Hier wird ein konkreter Zusammenhang zu Corona gesehen.“

Die Anzahl der Körperverletzungen hätten seit 2017 eher abgenommen und seien 2020 erstmals wieder angestiegen. „In Teilen der Gesellschaft ist der Geduldsfaden dünner geworden“, kommentierte Lohmann die Statistik. Wobei die Polizei 2020 weniger als zuvor mit den extremen Taten (schwere und gefährliche Körperverletzung) zu tun hatte.

Drogendelikte blieben im Bereich Ottersberg auch im Jahr 2020 auf niedrigem Niveau. Auf Drogenhandel aufmerksam gemacht werde die Polizei zum Teil durch Zusammenhänge mit anderen Straftaten, etwa Beschaffungskriminalität, zum Teil durch Hinweise von Eltern. Auch durch häufigere Hinweise sei ein Anstieg bei den Ermittlungsverfahren wegen Handels mit Betäubungsmitteln in Ottersberg zu erklären: von 34 Fällen im Jahr 2019 seien diese auf 51 Fälle im Jahr 2020 gestiegen.

Weniger Autoverkehr im Corona-Jahr 2020 – das führte auch im Landkreis Verden dazu, dass insgesamt weniger Verkehrsunfälle passierten als in den Jahren zuvor. Bezogen auf Ottersberg gab es 2018 noch 418 und 2019 sogar 466 Verkehrsunfälle, dafür waren im Jahr 2020 nur noch 375 Unfälle auf den Straßen zu verzeichnen. Der überwiegende Teil, etwa 320 Ermittlungsverfahren, waren Blechschäden. Zudem habe es im Jahr 2020 im Kreis keinerlei Unfälle mit tödlich verletzten Personen gegeben.

Insgesamt werde die Statistik durch eine Besonderheit im Flecken Ottersberg nach oben getrieben: die Nähe zur Autobahn 1. Zwei schwere Unfälle habe es 2020 in Ottersberg gegeben: an der L 168, auf Höhe des ehemaligen Autohauses Weihrauch (jetzt Tesla-Servicezentrum), und am Kreisel Große Straße/Grüne Straße. Allerdings hätten an beiden genannten Gefahrenpunkten verkehrspolitische Entscheidungen Fortschritte erbracht: „Viele Radfahrer hatten sich beim Queren am Kreisverkehr verletzt. Aber nach der Neugestaltung haben wir dort keine weiteren Radfahrunfälle mehr festgestellt“, erläuterte Lohmann. Am Schwarzen Weg habe sich die Sicherheit durch die Einführung einer Tempo-70-Zone statistisch gesehen erhöht.

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