77-Jährige lässt Unbekannten ins Haus

„Und plötzlich war der ganze Schmuck weg“

Ottersberg - In der Tageszeitung hatte die 77-Jährige die Kleinanzeige entdeckt, in der jemand unter anderem einen Gehrock suchte. Genau so einen hatte sie zu verkaufen, also meldete sie sich unter der angegebenen Mobilnummer und vereinbarte mit dem Käufer einen Termin. Um das Ende vorwegzunehmen: Als der unbekannte Mann ihr Haus wieder verlassen hatte, war die Ottersbergerin nicht nur den Gehrock los, sondern auch ihren Schmuck und einen Teil des gerade erhaltenen Geldes.

Weil sie den Mann, von dem sie weder Namen noch Adresse hatte, beschuldigt, sie bestohlen zu haben, erstattete die 77-Jährige Anzeige bei der Polizei. Hoffnung, ihren Schmuck und ihr Geld jemals wiederzusehen, hat sie jedoch keine. Und wie sie den Fremden mit auswärtigem Kennzeichen überhaupt in ihr Haus lassen konnte, obwohl sie den Gehrock doch extra an der Tür parat gehängt hatte, ist ihr selbst unerklärlich. „So könnte sich eine Hypnose anfühlen“, schildert sie. Dass sie sich derart über den Tisch hat ziehen lassen, ist der alten Dame so unangenehm, dass sie ihren Namen nicht in der Zeitung genannt wissen möchte – aber diese Erfahrung ist für sie Grund genug, andere vor mutmaßlichen Trickbetrügern zu warnen.

Wie in Trance hatte sie sich nach ihrer Schilderung belatschern lassen, noch andere mögliche Kaufgegenstände zu zeigen, und den Fremden mit ins Wohnzimmer genommen. Am Ende lag der ganze Familienschmuck auf dem Tisch. „Ich saß da und wusste, ich will überhaupt nicht verkaufen, und habe es trotzdem gemacht!“, beschreibt sie. Der Unbekannte suchte sich nach ihren Worten ein paar Schmuckstücke für wenig Geld aus, sortierte den Rest als unbrauchbar auf einen Haufen, wollte dann plötzlich aufbrechen und ließ sie zur Haustür vorgehen. Als sie in die Wohnung zurückkehrte, war nach ihrer Schilderung der komplette Schmuck weg und auch ein Teil des erhaltenen Geldes. In dem Moment „bin ich wieder aufgewacht“, sagt die 77-Jährige. Sie fuhr sofort zur Polizei, um Anzeige zu erstatten.

Der Polizei sind solche Fälle nicht fremd. Auskunft gibt sie zu den laufenden Ermittlungen keine, wohl aber Ratschläge für Verkaufsgeschäfte der besagten Art. Wer auf eine Kleinanzeige antwortet, um etwas Gesuchtes zu verkaufen, in der Regel an völlig Fremde, „sollte auf sein Bauchgefühl hören und sich keinesfalls überreden lassen, noch andere Dinge vorzuzeigen“, sagt Marcus Neumann von der Polizeiinspektion Verden/Osterholz. Der Polizeihauptkommissar rät, „sich immer den Ausweis zeigen zu lassen, einen schriftlichen Kaufvertrag zu machen und – ganz wichtig – sich einen Zeugen dazu zu holen, auch um nicht mit Unbekannten, die möglicherweise zu zweit kommen, allein in der Wohnung zu sein“.

pee

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