Fischerhuder Rehkitzretter inzwischen mit drei Suchdrohnen unterwegs / Stolze Bilanz

61 Kitze vor Tod im Mähwerk bewahrt

Vom Feld getragen wird ein Rehkitz nur im Ausnahmefall. In den Regel stülpen die Retter einen Wäschekorb über das Tier, den der Landwirt umkurven kann.
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Vom Feld getragen wird ein Rehkitz nur im Ausnahmefall. In den Regel stülpen die Retter einen Wäschekorb über das Tier, den der Landwirt umkurven kann.

Fischerhude – Der Anblick geht ans Herz. Im hohen Gras duckt sich ein Rehkitz, vor natürlichen Feinden geruchlos gut versteckt. Doch rollen die Mähmaschinen an, droht dem verharrenden Kitz der Tod. Dieses grausame Sterben zu verhindern, haben sich die Fischerhuder Rehkitzretter, inzwischen ein eingetragener Verein, auf die Fahne geschrieben. Vor der Mahd durchforsten die freiwilligen Helfer nach Absprache mit den Landwirten Fischerhuder Wiesen und orten mit Hilfe von Flugdrohnen und Wärmebildkameras die im hohen Gras versteckten Tierkinder.

„Bislang haben unsere Suchteams dieses Jahr 61 Rehkitze gerettet. Und was viele Landwirte nicht glauben: Auch in der zweiten Juni-Hälfte finden wir noch Kitze“, erklärt Sarah Meyer, Initiatorin und Vorsitzende des Vereins Rehkitzrettung Fischerhude mit inzwischen 30 Mitgliedern. Was Sarah Meyer vor zwei Jahren mit ihrem Ehemann Thorsten als kleine Initiative startete, hat inzwischen Kreise gezogen: „Immer mehr Gruppen haben sich gebildet. Im Rotenburger Raum und in der Osterholzer Region sind welche dazugekommen. Im Landkreis Verden sind wir derzeit die einzige Gruppe.“

Für die Rehkitzrettung stehen Sarah Meyer und ihr Mann frühmorgens auf. Gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen fahren sie bei Sonnenaufgang zu Wiesen in Fischerhude und Sagehorn, um mit Drohnen die Felder abzufliegen. Die im Gras versteckten Kitze orten sie per Wärmebildkamera. „Wir stehen immer im Dialog mit den Landwirten und den Jägern. Wenn ein Landwirt eine Fläche mähen möchte, meldet er sich bei uns, und wir suchen für ihn das Gebiet ab. Ansonsten wäre das die Aufgabe des Landwirts, weil er nach dem Tierschutzgesetz dazu verpflichtet ist“, sagt Sarah Meyer. Die Kommunikation mit den Landwirten funktioniere: „Sie melden sich frühzeitig bei uns, damit wir rechtzeitig aktiv werden können.“

Aus privaten Spendengeldern und Fördermitteln wie von der Bingo-Umweltstiftung hat der Verein inzwischen drei Drohnen erworben. „Jetzt können drei Teams mit je einer Drohne die Flächen absuchen“, freut sich Sarah Meyer. „Die Drohne fliegt in etwa 25 Metern Höhe“, erzählt sie. Auf einem Monitor beobachten die Retter, was die Wärmebildkamera aufzeichnet. Gerade in den frühen Morgenstunden, wenn der Boden noch kühl ist, seien die Wärme abstrahlenden Tiere gut zu erkennen: Ein roter Punkt auf dem Monitor signalisiere dem jeweiligen Team ein Rehkitz im Gras. Früher, als Naturschützer, Landwirte und Jäger die Flächen vor der Frühjahrsmahd suchend zu Fuß durchkämmten, seien viele Kitze in dem hüfthohen Gras übersehen worden. Drohnen mit Wärmebildkameras seien die beste Möglichkeit, um Jungtiere aufzuspüren.

„Das machen wir alle freiwillig und ehrenamtlich“, betont Sarah Meyer. Ziel sei es, Tierleid zu verhindern. „Das Erlebnis, ein Kitz gerettet zu haben, das wird man nicht wieder los“, schwärmt sie. Und hofft, dass sich noch wesentlich mehr Gruppen in den kommenden Jahren gründen werden, „weil wir nur einen Bruchteil der Felder absuchen können“.

Finden die Helfer ein Kitz, stülpen sie einen Wäschekorb über das Tier und markieren die Stelle mit einer hohen Fahne. Der Landwirt fährt beim Mähen um die Stelle herum, danach wird der Korb entfernt. „Die Belastung für das Kitz ist so wesentlich geringer, als wenn wir es aus dem Feld tragen würden“, sagt Sarah Meyer. Beim Wegtragen bestehe die Gefahr, dass Menschengeruch an dem Tier haften bleibe und die Mutter es später nicht mehr annehme. Und „manche Kitze versuchten sogar, ins Feld zurückzulaufen“, weiß Sarah Meyer.  woe

Infos

www.rehkitzrettung-fischerhude.de

Initiatorin Sarah Meyer mit einer von inzwischen drei Suchdrohnen des Vereins Fischerhuder Rehkitzrettung.
Geortet: Ein im hüfthohen Gras verstecktes Rehkitz, das die Retter vor dem Tod im Mähwerk bewahren können. Fotos: Woelki

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