Ottersberger Rat winkt Zuschuss für BIN durch

300 000 Euro für Funkturm in Posthausen

ottersberg - Von Lisa Duncan. Etwas anders als sonst verlief die Ratssitzung am Donnerstagabend in Ottersberg. Mit Rücksicht auf das Spiel Deutschland gegen Polen bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich trafen sich die Ratsmitlieder bereits um 18 Uhr. Kein Grund jedoch, sich mit wortreichen Redebeiträgen im Zaum zu halten: Ziemlich zu Anfang sorgte ein Zuschuss in Höhe von 300 000 Euro für die gemeindeeigene Telefongesellschaft Breitband Innovationen Nord (BIN) für Zündstoff. Benötigt werde das Geld für diverse Investitionen, informierte Geschäftsführer Ernst-Dietrich Braetsch das Gremium.

Seit 2011 besteht die Telefongesellschaft, die zurzeit etwa 1200 Kunden hat, davon 1000 „direkt am Netz“, bemerkte Bürgermeister Horst Hofmann eingangs. 2015 habe man leider kein positives Geschäftsergebnis verzeichnen können, nimmt Braetsch den Faden auf. „Dafür gibt es Gründe, die vom Aufsichtsrat klar definiert und besprochen wurden.“ Deshalb werde er in diesem Rahmen nicht weiter darauf

Von der Intensivstation zur Reha-Maßnahme

eingehen. Heute liege man jedoch gute zehn Prozent über dem 2014 genannten Plan bei der Kundenanzahl. Die Akquise koste jedoch auch Geld, etwa für das Bereitstellen eines W-Lan-Routers, was sich erst nach einigen Jahren amortisiere. Diese und andere Mehrkosten hätten das Geschäftsergebnis so weit heruntergedrückt, dass die BIN kurz vor der Insolvenz stand. „Heute ist der Patient nicht mehr an der Herz-Lungen-Maschine, er muss aber in die Reha“, so Ernst-Dietrich Braetsch weiter. Ziel sei es, mit Kapital das aufkeimende Wachstum zu stützen.

Investiert werden soll in einen neuen Funkturm in Posthausen-Süd, außerdem will die BIN die ohnehin geplante Sanierung von Wasserleitungen im Bauprojekt Campe und in Wümmingen nutzen, um neue Glasfaserkabel zu verlegen. Darüber hinaus soll das „Vectoring“ in den Hauptverteilern – ein Verfahren, das die Übertragungsrate von Daten deutlich erhöht – ausgebaut werden. Durch die Investitionen würden bis zu 800 Neukunden erwartet. Die Zeit drängt, denn das „Vectoring“-Geschäft sei an den Ausbau des Funkturms gekoppelt. Der Anschluss müsse bis Januar erfolgen. Kann die BIN diesen Zeitplan nicht einhalten, würde das die Kosten so weit in die Höhe treiben, dass die BIN den Anschluss nicht mehr vornehmen würde.

„Klingt zukunftsträchtig“, fand Klaus Rebentisch (CDU), der jedoch anschließend nachhakte, wann die BIN in der Lage sein werde, unabhängig vom Geldfluss der Gemeinde zu wirtschaften. Reiner Meyer (CDU) stellte fest: „Wenn wir das nicht machen, werden wir die Posthausener Bevölkerung echt vergrätzen.“ Auch Tim Weber von der Freien Grünen Bürgerliste (FGBO) fand die Entscheidung mit Blick auf das Kundenwachstum sinnvoll: „Die 2000-er Grenze ist in Sicht.“ Gerd Gollenstede (SPD) sah gar „Licht am Ende des Tunnels“ für die BIN: „Heute wissen wir: es wird immer heller.“ Die-Linke-Sprecher Jürgen Baumgartner empörte sich über die Vorrede von Gollenstede und Weber – gehörten sie doch beide dem Aufsichtsrat der BIN an: „Ich finde das, was sie sagen, sehr sehr schwammig, ich halte es sogar für unanständig.“ Veit-Gunnar Schüttrumpf (SPD) forderte Braetsch auf, konkrete Zahlen vorzulegen. Das werde er tun, jedoch nicht im öffentlichen Teil der Sitzung, so der BIN-Geschäftsführer.

Bei zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme (Linke) winkte der Rat den Zuschuss durch.

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