Fischerhuder Erfolgsbilanz nach dritter Suchdrohnen-Saison

270 Rehkitze gerettet

Gerettete Rehkitze
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Einige der vor dem grausamen Tod im Mähwerk bewahrten Tierkinder hat die Rehkitzrettung Fischerhude in einer Fotocollage verewigt.

Fischerhude – Die Rehkitzrettung Fischerhude hat ihrer Erfolgsgeschichte ein weiteres beeindruckendes Kapitel hinzugefügt: 270 Kitze konnten die freiwilligen Helfer des Vereins um Gründerin Sarah Meyer mithilfe verbesserter Drohnentechnik in diesem Jahr vor Verstümmelung und Tod im Schneidwerk eines Mähdreschers bewahren. Voriges Jahr waren es 108 Jungtiere gewesen. Die Bilanz der jetzt dritten Saison der Rehkitzrettung mit Drohnenhilfe in den Wümmewiesen der Region macht Sarah Meyer stolz: „Aufgrund der verbesserten technischen Ausstattung konnten wir diesmal noch sehr viel mehr Kitze retten“, sagt sie glücklich.

Insgesamt 1612 Hektar Grasland suchten die Tierschützer an 29 Einsatztagen zwischen Mitte Mai und Anfang Juli in aller Herrgottsfrühe vor der jeweiligen Mahd ab. Per Funk lotsten die Drohnenpiloten die Rettungsteams durchs hohe Gras zu den mit Wärmebildkameras aus der Luft aufgespürten Jungtieren. Die wurden entweder vergrämt oder aber unter Wäschekörben gesichert und mit Fähnchen markiert, sodass die Landwirte diese Rettungsinseln beim Mähen umfahren konnten. Neben den Rehkitzen retteten die Ehrenamtlichen bei ihren Einsätzen auch ungezählte Junghasen, Fasane und Rebhühner mit ihren Küken, Igel sowie Entengelege.

„Je nach Auftragslage starteten wir zum Teil bereits um 3.30 Uhr, um möglichst alle angemeldeten Flächen schaffen zu können, bevor es aufgrund der Sonne und steigenden Temperaturen zu warm für die Wärmebildkameras wurde“, schildert die Vorsitzende der Rehkitzrettung Fischerhude. „Durch die Anschaffung unserer neuen Copter mit verbesserter Wärmebildtechnik konnten wir an vielen Einsatztagen mit vier Teams zeitgleich arbeiten“, erläutert Sarah Meyer.

Dass der Verein mit vier ferngesteuerten Fluggeräten und optimierter Technik in seine dritte Saison gehen konnte, machten zahlreiche finanzielle Zuwendungen möglich: neben privaten Spenden von Wildtierfreunden und Naturschützern insbesondere die großzügigen Fördergelder der Deutschen Postcode-Lotterie und der Stiftung der Kreissparkasse Verden sowie der Gewinn eines Wettbewerbs der Achimer Stadtwerke. Weil die neuen Drohnen dank verbesserter Kameratechnik dreimal so hoch fliegen können wie die alten, konnten die Rehkitzretter dieses Jahr dreimal so viel Fläche absuchen.

Dankbar ist der Verein auch dem Autohaus Brunkhorst aus Hetzwege, „das uns für die gesamte Saison zwei Autos zur Verfügung stellte, damit die Piloten das ganze Equipment verstauen konnten“, berichtet Sarah Meyer.

Stolz ist sie auf das „tolle Helferteam“. Völlig unterschiedliche Menschen verbinde der gemeinsame Wunsch, Rehkitze zu retten: „Das in Kombination mit dem frühen Aufstehen und den schönen Eindrücken am Morgen, den Sonnenaufgängen und der herrlichen, noch ruhigen Natur vor dem Beginn des Alltagsstresses, das schweißt wirklich alle zusammen.“ Ohne diese Mitstreiter, die mitten in der Nacht zum Teil von recht weit weg angefahren kämen, um teils noch vor der Arbeit zu helfen, „würde uns die ganze Technik nichts nützen“, betont Sarah Meyer.

Jetzt starten erste Planungen für das Frühjahr 2022. Dafür „wünschen wir uns mehr beziehungsweise bessere Kommunikation und Kooperation mit den Landwirten. Mit sehr vielen klappt die Zusammenarbeit wirklich gut, aber manchen ist leider trotz Erklärungen nicht klar, wie viel Arbeit die Kitzrettung wirklich bedeutet“, so Meyer. Das gehe nämlich weit über die Einsätze am Morgen hinaus: „Bereits im Vorfeld müssen die rechtlichen Dinge wie Einverständniserklärungen geklärt sein und müssen die einzelnen Wiesen mit den Landwirten einmalig besprochen und virtuell abgesteckt werden, um sie dann am Computer einzuprogrammieren, da die Copter autonom fliegen.“ Neue Flächen könnten bei Interesse bereits jetzt für nächstes Jahr gemeldet und geplant werden, „denn wenn die Wiesen einmal programmiert sind, reicht ein Anruf am Vortag der Mahd, um am nächsten Morgen starten zu können“, erläutert Sarah Meyer.

Trotz aller Planung könne es dennoch vorkommen, dass die Rehkitzretter einzelnen Landwirten bei einer Fülle gleichzeitiger Aufträge absagen müssten: „Aber auch dann besteht die gesetzliche Pflicht für die Landwirte, Vorsorge zu tragen, damit kein Tier durch die Mahd zu Schaden kommt“, betont Sarah Meyer. Zudem habe der Verein „leider feststellen müssen, dass einzelne Landwirte lediglich ein oder zwei Wiesen bei uns anmelden, obwohl sie deutlich mehr Flächen mähen“. Die Rehkitzrettung sei jedoch nicht bereit, „als Alibi bei eventuellen Wildschäden auf anderen, nicht von uns abgesuchten Wiesen zu fungieren“.

Infos und Kontakt

Weitere Menschen im Helferteam und Technikinteressierte, die als Drohnenpilot einsteigen möchten, sind der Rehkitzrettung ebenso willkommen wie fördernde Vereinsmitglieder und Spender für die laufenden Kosten. Nähere Informationen und Kontaktmöglichkeiten finden sich im Internet unter www.rehkitzrettung-fischerhude.de.

Unter diesem Wäschekorb überstand ein Rehkitz-Zwillingspaar auf seiner mit Fähnchen markierten „Rettungsinsel“ unbeschadet die Mahd der Wiese.

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