2015 realisiert „Hilfe und Tat“ 15 Hilfstransporte nach Polen und Kaliningrad

Warmer Wintermantel Luxus

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Zum Jahreswechsel machte eine freiwillige Arbeitsgruppe im vollen Lager von „Hilfe und Tat“ „klar Schiff“. Gleichzeitig wurde ein Transport für die beiden sozialen Altenheime in Pelplin zusammengestellt, der nach verkürzter Winterpause bereits für Februar vorgesehen ist.

Ottersberg - In den kleineren Ortschaften im Ermland/Masuren entlang der russischen Grenze füllt der Ottersberger Verein „Hilfe und Tat“ seit 22 Jahren große Versorgungslücken. Die monatlichen Renten in Polen sind gering und das auf zwölf Monate begrenzte Arbeitslosengeld deckt lediglich die Kosten für Lebensmittel ab. Westlicher Wohlstand ist hier ein Fremdwort – für eine bedürftige Rentnerin ist ein warmer Wintermantel oder ein Rollator immer noch purer Luxus.

Dank des beachtlichen Spendenaufkommens aus der Bevölkerung und eines großzügigen finanziellen Zuschusses vom Landkreis Verden konnte der Ottersberger Verein im Rahmen seiner humanitären Hilfe im vergangenen Jahr insgesamt 15 Transporte von Hilfsgütern mit einem Gesamtgewicht von mehr als 100 Tonnen nach Osteuropa fahren.

Zwei Fahrten gingen in die russische Exklave Kaliningrad zur Sozialstation in Nesterov, die anderen 13 Transporte waren für die vielen Empfänger im polnischen Teil des ehemaligen Ostpreußens zwischen Braniewo (Braunsberg) im Norden und Pisz (Johannisburg) im äußersten Süden bestimmt.

Mit diesen 15 Hilfsgütertransporten gingen die ehrenamtlichen Aktiven von „Hilfe und Tat“ an die Grenze des Machbaren. Um der Flut von Kleider -und Sachspenden Herr zu werden, organisierten die Packkolonnen aus Fischerhude und Ottersberg in kurzen Abständen zusätzliche Packnachmittage, an denen alle Aktiven kräftig zupacken mussten. In der Lagerhalle in Achim stapelten sich am Jahresende erneut Berge von gepackten Bananenkartons. Auch Rollstühle, Rollatoren, Toilettenstühle, Gehhilfen und einige Pflegebetten warteten auf Verladung. Ein Großteil dieser Geräte, komplettiert mit Kleidung, Schuhen, Haushaltswäsche und Gardinen, ist für einen Sondertransport zum Rehazentrum in Szamocin vorgesehen, mit dem am 10. Januar Werner Freymuth und Wilhelm Mahnken gen Osten starten.

Das Rehazentrum wurde vor einigen Jahren mit maßgeblicher Unterstützung durch „Hilfe und Tat“ ins Leben gerufen und kann nur weiter existieren, wenn auch in Zukunft medizinische Geräte gespendet werden. Hier können sich mittellose Bürger medizinische Hilfsmittel unentgeltlich leihen. In Polen sind Geräte dieser Art kostenpflichtig und somit für sozial benachteiligte Menschen unerschwinglich.

Erfahrungswerte und der enge Kontakt zu den Leitern der polnischen Einrichtungen sind für Uwe Remmers, Vorsitzender von „Hilfe und Tat“, wichtige Komponenten bei der Auswahl und Verteilung der Sachspenden. Die Sozialstellen nehmen zum Beispiel gern Hausrat, um ihren Jugendlichen später ein Aussteuerpaket mitzugeben. Der Arbeitslosenverein in Sepopol (Schippenbeil) bekommt für seine Ausgabestelle in erster Linie Kleidung, die sich die Vereinsmitglieder gegen Bezugsschein dort aussuchen können. Eine sorgfältige Vorplanung der jeweiligen Transporte hat sich bislang bewährt, denn bei allen Empfängern findet jedes gespendete Teil – bis zum letzten T-Shirt – einen Abnehmer.

Ausgenommen natürlich zerrissene oder schmutzige Kleidung, kaputte Schuhe und defekte Haushaltsgeräte, die sich unverständlicherweise immer wieder unter den gespendeten Sachen finden und von den Packerinnen als Müll aussortiert werden müssen.

Zum Jahreswechsel erreichten den Verein wieder bewegende Dankesbriefe der Empfänger, stets verbunden mit der drängenden Frage: Wann kommt denn wieder was? Ehrungen durch die Landräte und Bürgermeister in Form von Urkunden sind für die Ottersberger Vereinsmitglieder besondere Belobigungen und zugleich auch Ansporn zum Weitermachen.

Eine Dankesurkunde für die geleistete Unterstützung überreichte Rufin Wysocki, Direktor des sozialen Altenheims Pelplin, kürzlich dem Vorsitzenden Uwe Remmers. Sie trägt den Wortlaut: „Der Mensch besitzt keine Größe durch sein Eigentum, sondern dadurch, wer er ist; nicht dadurch, was er hat, sondern dadurch, was er mit anderen teilt.“ Besser kann man die humanitäre Arbeit des Vereins „Hilfe und Tat“ nicht formulieren.

fet

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