Preisgekrönte Doku im Koki / Gespräch mit Regisseur Hans-Erich Viet

Ostfriesen wie sie eben sind

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Hans-Erich Viet (M.) mit Jutta Behning und Wilfred Lichtenberg vom Kommunalkino. ·

Verden - „Das ist mein erster und mein liebster Film“ sagt Regisseur Hans-Erich Viet über „Schnaps im Wasserkessel“. Der mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnete Dokumentarfilm aus dem Jahr 1991 ist eine Hommage an seine Heimat Ostfriesland. Viet lässt die Menschen selbst zu Wort kommen, von alten Landarbeitern und Bauern über den Fahrer bis zum VW-Arbeiter, alles in urigem Platt. Das Kommunalkino zeigte den Film jetzt noch einmal und hatte dazu auch den Regisseur eingeladen.

Geboren 1953 im ostfriesischen Rheiderland, lebt Viet heute am Dollart und in Berlin. Nach seiner Lehre als Chemielaborant übte er die unterschiedlichsten Berufe aus, war Kraftfahrer, Waldarbeiter und sogar Weihnachtsmann.

Über den zweiten Bildungsweg am Hessenkolleg in Kassel studierte er schließlich Politologie, Philosophie und Kunstsoziologie und Film in Berlin und Political Science an der Queen‘s University of Belfast in Nordirland. Seit 1990 ist er, je nach Projekt, als Regisseur, Autor und Produzent tätig.

Bekannt als Darsteller wurde Viet in Detlev Bucks Spielfilm „Karniggels“ (1991). Regie führte er unter anderem in dem Spielfilm „Die Stunde der Offiziere“ (2004) sowie bei einigen Folgen von „Großstadtrevier“ und „Polizeiruf 110“.

„Schnaps im Wasserkessel“ ist Viets Abschlussarbeit an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, produziert im Auftrag des ZDF. „Ich kannte einen Redakteur vom ZDF, der hat sich für diese Arbeit interessiert, weil es ein sehr persönlicher Film ist. Das mochte er“, erzählt Viet.

Die Dokumentation ist gerade deshalb so faszinierend, weil Viet die Leute in dem Film so sein lässt, wie sie eben sind. Wenn es etwas länger dauert, bis die alte Landarbeiterin zur Mundharmonika greift, um „In Ostfriesland ist es am besten“ zu spielen, dann ist das halt so. Die Zeit wird nicht künstlich durch Schnitte verkürzt. Die oft einsilbigen Antworten der Darsteller bleiben so stehen.

Gedreht wurde der Dokumentarfilm im Winter. „Ich wollte Herbststimmung und entsättigte Farben, das fand ich ästhetisch besser“, so der Regisseur.

In der Dokumentation enthalten sind auch Ausschnitte eines Amateurfilms aus den 50er-Jahren über das traditionelle Rapsdreschen in Ostfriesland. Die Erinnerung daran ist bei den Mitwirkenden noch lebendig, denn für die Laiendarsteller gab es damals zur Belohnung „Schnaps im Wasserkessel“.

So erhielt Viets Film seinen Namen. Die Arbeit ist auch deshalb so authentisch, weil er den Menschen auf Augenhöhe begegnet, ungekünstelt in ihrer Sprache mit ihnen redet. „Wenn ich nicht so gesprochen hätte wie sie, hätte ich den Film nicht machen können.“ Kein Wunder, Plattdeutsch ist Viets Muttersprache, er selbst hat erst mit sieben Jahren Hochdeutsch gelernt. „Ich wollte mit dem Film auch das Selbstbewusstsein der Leute stärken“, erklärt der Regisseur.

Platt sei früher die Sprache der einfachen Leute gewesen, das habe er bei seiner Lehre als Chemielaborant am eigenen Leib erfahren. „Die Angestellten sprachen Hochdeutsch, die Arbeiter Platt.“

Dass Viet sich zu seiner Heimatsprache bekennt, würdigten auch die Protagonisten seines Dokumentation. „Sie wollten mich alle unterstützen, weil sie den Film so gut fanden.“ · ahk

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